Ballaststoffe
PKA-Fortbildung

Ballaststoffe: Mehr als nur Ballast!
 

Weniger als die Hälfte der Erwachsenen essen weniger als die empfohlenen 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Da ist noch Luft nach oben. Hier finden Sie auch als PKA Möglichkeiten zur Beratung Ihrer Kunden in der Apotheke.

5 Minuten

Veröffentlichung der Teilnahmebescheinigung:
01. Juli 2025

Gewichtskontrolle

Ballaststoffreiche Lebensmittel sind oft sättigender, da der Magen durch das Quellvermögen der Ballaststoffe stärker und länger gefüllt wird. Für die Quellung muss aber ausreichend Flüssigkeit vorhanden sein. Sie sollten Ihren Kunden deshalb raten, bei der Aufnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel gleichzeitig genug zu trinken, weil dem Körper sonst Flüssigkeit entzogen wird oder die Ballaststoffe nicht richtig quellen können.

Zusätzlich kommt es bei gefülltem Magen über die Dehnung der Magenwand durch Nervenreize zu einer Senkung des appetitanregenden Hormons Ghrelin im Blut. Dies sorgt auch auf diesem Weg für eine Zunahme des Sättigungsgefühls.

Gänzlich frei von Energie sind Ballaststoffe aber nicht. Manche, vor allem wasserlösliche, Ballaststoffe können durch Darmbakterien in kleinere Bestandteile zerlegt werden, die dann wiederum vom menschlichen Körper in Energie umgewandelt werden. Da die Zusammensetzung und die Menge an Darmbakterien, das Mikrobiom von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist, kann der genaue Brennwert für den Einzelnen nur geschätzt werden. In der EU-Verordnung zur Nährwertkennzeichnung werden pauschal 2 kcal pro Gramm (= 8 kJ pro Gramm) Ballaststoff angegeben.

Darmgesundheit

Die Anregung der Darmperistaltik fördert die Darmentleerung und reduziert damit auch die Verweildauer von in der Nahrung enthaltenen, die Darmwand reizenden, eventuell sogar darmkrebsauslösenden Stoffen. Außerdem senken Ballaststoffe im Nahrungsbrei den Anteil an aggressiven Substanzen, die mit der Darmwand direkt in Kontakt kommen. Wie entscheidend der Anteil der ballaststoffreichen Ernährung an der Darmkrebsentstehung gegenüber anderen Faktoren wie zum Beispiel der genetischen Disposition oder der Zusammensetzung des Mikrobioms ist, wird noch immer erforscht. Fest steht aber, dass sich eine ballaststoffreiche Ernährung eindeutig positiv auf die Darmgesundheit auswirkt.

Die Bedeutung des Mikrobioms für die Gesundheit des Menschen wird zurzeit intensiv erforscht. Es hat Auswirkungen auf Bereiche im Körper, die auf den ersten Blick nicht zu erwarten waren. Das weiß man bereits jetzt. So ist inzwischen bekannt, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien sogar bei der Entstehung von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder psychischen Erkrankungen eine Rolle spielt.

Blutzuckerregulation

Durch die gitter- oder gelartige Struktur der Ballaststoffe dauert es länger bis die für den Blutzuckerspiegel relevanten kurzkettigen Kohlenhydrate wie Saccharose oder Lactose von den Verdauungsenzymen erschlossen werden können und danach über die Dünndarmwand ins Blut gelangen. Dadurch hat der Körper länger Zeit, sich darauf einzustellen und muss nicht schlagartig Hormone wie Insulin bereitstellen. Durch das nur langsam ausgeschüttete Insulin wird der Blutzuckerspiegel langsamer wieder gesenkt und Heißhungerattacken durch Unterzuckerung werden reduziert. Das kann dazu beitragen, der Volkskrankheit Diabetes vorzubeugen.

Reduktion von cholesterinbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In den aus löslichen Ballaststoffen gebildeten Gelen wird ein Teil des Nahrungscholesterins gebunden und anschließend mit dem Stuhl ausgeschieden. Dieser Anteil wird also nicht über die Dünndarmwand ins Blut resorbiert. Ballaststoffe binden aber auch von der Leber gebildete und von der Galle ausgeschiedene Gallensäuren und erhöhen dadurch auch deren Ausscheidung über den Stuhl. Die für die Fettverdauung benötigten Gallensäuren werden aus der Vorstufe Cholesterin für die Gallensäureproduktion im menschlichen Körper gebildet, wodurch sich der Cholesterinspiegel ebenfalls etwas senken kann. Wie groß dieser Effekt im Einzelfall ist, das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Im günstigsten Fall reduziert sich dadurch das durch Cholesterin-Ablagerungen an den Blutgefäßwänden (Plaques) bedingte Risiko für die Koronare Herzkrankheit (KHK) sowie für Herzinfarkte, Thrombosen oder Schlaganfälle.

Produkte aus der Apotheke

Nicht alle Kunden schaffen es trotz guter Beratung, sich im Alltag regelmäßig mit ballaststoffreichen Nahrungsmitteln zu ernähren. In diesen Fällen können Sie ihnen raten, ihre Nahrungsmittel mit Ballaststoffen aus der Apotheke wie Leinsamen oder Flohsamen anzureichern. Zeigen Sie mit Ihrem Wissen Ihre Beratungskompetenz. Erklären Sie Ihren Kunden beispielsweise, dass der größte Anteil der Ballaststoffe von Flohsamen in den Samenschalen steckt. Deshalb ist es besonders effektiv, statt der ganzen Samen reine Flohsamenschalen zu verwenden.

 Die etwas größeren Leinsamen lassen viele Ihrer Kunden gerne frisch in Ihrer Apotheke schroten, was für Sie eine willkommene Serviceleistung darstellen kann. Durch das Schroten werden allerdings die wertvollen ungesättigten Fettsäuren des Leinöls freigesetzt, die durch den Kontakt mit Sauerstoff schnell ranzig werden. Deshalb sollten Sie Ihren Kunden raten, die geschroteten Leinsamen nur im Kühlschrank aufzubewahren und innerhalb einer Woche aufzubrauchen. Möchte ein Kunde sein Gewicht reduzieren, können Sie ganze Leinsamen empfehlen, da diese nur unvollständig verdaut werden und das im Inneren des Samens enthaltene Öl weniger ins Gewicht fällt. Kunden, die individuell beraten werden, werden garantiert gerne wiederkommen.

Beratungstipp

Wenn Sie Ihre Kunden ermuntern wollen, mehr Ballaststoffe zu essen, sollten Sie diese nicht nur an die erhöhte Flüssigkeitsmenge erinnern, sondern auch zu einer schrittweisen Steigerung des Ballaststoffanteils raten. Denn die Darmbakterien müssen mit der größeren Ballaststoffmenge schritthalten können. Ansonsten kann es leicht zu Blähungen, Krämpfen oder schweren Verstopfungen durch Verkleisterung kommen, was alle guten Vorsätze schnell zunichtemacht.


Die Autorin versichert, dass keine Interessenkonflikte im Sinne von finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten bestehen, die von den Inhalten dieser Fortbildung positiv oder negativ betroffen sein könnten.

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