Cytisin/Diät

SCHLANK BLEIBEN MIT NIKOTIN

US-Forscher haben den Wirkungsmechanismus für die appetitzügelnde Wirkung von Nikotin entschlüsselt. An ihre Erkenntnisse knüpft sich die Hoffnung auf schlankmachende Medikamente ohne Abhängigkeitspotenzial.

Seite 1/1 1 Minute

Seite 1/1 1 Minute

Dass Nikotin schlank hält, merken Raucher spätestens, wenn sie versuchen ihr Laster aufzugeben. Der Verzicht ist für die meisten mit einer deutlichen Steigerung des Appetits und einer Gewichtszunahme verbunden. Aufgrund seiner schädlichen Wirkungen ist Rauchen aber kein empfehlenswerter Schlankmacher. Und auch die Nikotinsubstitution kommt aufgrund des Abhängigkeitsrisikos nicht infrage.

Bislang ging die Forschung davon aus, dass die anorektische Wirkung von Nikotin über das Belohnungssystem im Gehirn vermittelt wird. Die Chancen, ein anderes nikotinähnliches Medikament zu finden, das schlank, aber nicht abhängig macht, wurden deshalb als gering eingestuft. Eine Entdeckung, die Marina Picciotto von der Yale University in New Haven/Connecticut gemacht hat, eröffnet jedoch eine neue Perspektive. Das Labor der Forscherin hatte ursprünglich die Wirkung von Cytisin, einem selektiven Agonisten am Nikotinrezeptor, auf die Depression untersucht. Dabei fiel eine ungewöhnlich starke Gewichtsabnahme der Versuchstiere auf. Die Mäuse verloren innerhalb von 30 Tagen 15 bis 20 Prozent ihres Körpergewichts.

Die Forscher vermuteten, dass diese Wirkung auf eine direkte Wirkung von Cytisin auf das Sättigungszentrum zustande kommen könnte. Es befindet sich im Hypothalamus. Tatsächlich konnten die Forscher auf den dortigen POMC-Neuronen den speziellen Subtyp des Nikotinrezeptors nachweisen, an dem Cytisin bindet. Ein anderer Wirkstoff, der diesen Rezeptor blockiert, verhinderte, dass es unter der Cytisintherapie zu einer Gewichtsabnahme kam.

Da sich die Rezeptoren im Belohnungssystem von denen auf den POMC-Zellen unterscheiden, könnten die Forscher den Ansatzpunkt für eine neue anorektische Therapie gefunden haben. Ob Cytisin sich zu diesem Zweck eignet, ist unklar. Der Wirkstoff wird in einigen osteuropäischen Ländern als Medikament zur Raucherentwöhnung angeboten. Laut der Cochrane Tobacco Addiction Group gibt es auch eine klinische Studie, die diese Wirkung stützt.

Die anorektische Wirkung von Cytisin wurde am Menschen bisher offenbar nicht untersucht. Die Entdeckung der spezifischen Rezeptoren dürfte aber die Suche nach weiteren Substanzen anregen. Ein Bedarf an anorektischen Medikamenten ist kaum anzuzweifeln, mussten in den letzten Jahren doch gleich mehrere Medikamente wegen schwerer Komplikationen vom Markt genommen werden. Quelle: aerzteblatt.de

×