Der menschliche Körper braucht Salz. Zu hohe Konzentrationen in der Haut scheinen allerdings mit Neurodermitis zusammenzuhängen. © HandmadePictures / iStock / Getty Images Plus

Entzündliche Hauterkrankungen | Neurodermitis

SALZ IN DER HAUT BEGÜNSTIGT ENTZÜNDUNG

Die genaue Ursache zur Entstehung von Neurodermitis ist bis heute noch ungeklärt. Die Haut reagiert empfindlicher, die Immunantwortet schießt übers Ziel hinaus und ein bisschen Genetik ist auch noch dabei. Wissenschaftler aus München bringen jetzt noch eine bekannte ionische Verbindung mit ins Spiel: Natriumchlorid.

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Kochsalz oder Natriumchlorid gehört für den Menschen zu den lebenswichtigen Mineralstoffen: Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 150 bis 300 Gramm der ionischen Verbindung, wovon täglich 3 bis 20 Gramm verloren gehen und dementsprechend wieder ersetzt werden müssen. Natrium- und Chlorid-Ionen sind an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt und damit unerlässlich für einen reibungslosen „Betriebsablauf“. Offensichtlich besitzt die Verbindung aber noch ganz andere regulatorische Eigenschaften, wie ein Team um Prof. Christina Zielinski von der Technischen Universität München (TUM) berichtete.

Natriumchlorid ist anscheinend in der Lage, T-Zellen, die keine allergischen Reaktionen auslösen, funktionell in TH2-Zellen umzuwandeln, die anschließend verstärkt die Botenstoffe Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13) produzieren. Diese beiden Interleukine begünstigen entzündliche, allergische Prozesse in der Haut, wie sie auch bei Neurodermitis ablaufen. Sinken die Kochsalz-Spiegel, sind auch die Zellveränderungen rückläufig und die allergische Reaktion geht wieder zurück. „Signale der Ionen aus dem Salz spielen somit eine Rolle für die Entstehung und Steuerung von TH2 Zellen“, sagt Christina Zielinski.

Tatsächlich fanden sich bei Neurodermitikern auch erhöhte Natriumchlorid-Werte in der Haut. Genauer gesagt konnten in den untersuchten Hautproben bis zu 30-fach höhere Natriumwerte ermittelt werden als in gesunder Haut. Bei diesem Ergebnis fiel Christina Zielinski direkt noch eine Einflussgröße auf die Entstehung von Neurodermitis ein: Staphylococcus aureus. „Es ist seit langem bekannt, dass Neurodermitispatienten eine starke Anreicherung des Bakteriums Staphylococcus aureus auf der Haut haben. Dieses Bakterium vermehrt sich unter salzigen Bedingungen, während Salz anderen Bakterien der Hautflora schadet“, erklärt die Fachärztin für Dermatologie und Leiterin des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung.

Ob jetzt eine salzreiche Ernährung Einfluss auf die Konzentrationen in den betroffenen Hautarealen der Neurodermitis-Patienten hat oder wie diese generell beinflussbar wären, darüber kann zurzeit noch keine Aussage getroffen werden. „Bislang konnten wir nicht nachweisen, wie die hohen Salzmengen in die Haut gelangen“, erklärt Zielinski. „Ebenso wenig wissen wir, ob man durch eine salzarme oder salzreiche Ernährung die Entstehung oder den Verlauf der Neurodermitis oder anderer allergischer Erkrankungen beeinflussen kann.“ Anschließende Studien könnten sich diesen Fragen widmen.

Farina Haase,
Apothekerin, Volontärin

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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