• Tiere in der Apotheke
  • Praxis

Haarausfall

© Die PTA in der Apotheke
© Die PTA in der Apotheke

„Alopezie“ ist auch in der Tierwelt der Fachbegriff für übermäßigen Haar- beziehungsweise Fellverlust. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Allergien, Parasiten oder Pilzerkrankungen.

Hund © cynoclub / fotolia.com
© cynoclub / fotolia.com

Vor allem zum Wechsel der Jahreszeiten ist Haarausfall durchaus ein vertrauter Anblick für Tierhalter. Dies ist meist kein Problem, solange das Fell insgesamt dicht und glänzend bleibt. Darüber hinaus gibt es vor allem bei Hunden ganz unterschiedliche Felltypen, die zu unterschiedlichen Zeiten Fell verlieren. Nordische Hunderassen wie Huskys haben zum Beispiel einen komplett anderen Fellwechsel als der Deutsche Schäferhund oder eine Kurzhaarrasse wie der Boxer.

Durch die Wohnungs-Haltung ist sowohl der Temperatur- als auch der Lichteinfluss über das Jahr gleichbleibend, sodass viele Tiere durchaus das ganze Jahr über Haare verlieren, ohne dass dies eine besondere Bedeutung hat. Verliert ein Vierbeiner jedoch auf einmal büschelweise Haare, möglicherweise begleitet von Juckreiz, Hautrötungen oder in Form von kreisrunden haarlosen Stellen, sollte der Besitzer aktiv werden. Mit dem normalen Wechsel zwischen Sommer- und Winterfell hat das in der Regel nichts mehr zu tun. Insbesondere wenn noch andere Tiere im Haushalt leben, sollte die Ursache rasch geklärt werden, um eine potenzielle Ansteckung zu vermeiden.

Verlust durch Floh und Co. Nicht selten liegt ein Parasitenbefall zugrunde, der mit Juckreiz und Hautveränderungen einhergeht. Die Canine Demodikose ist eine durch exzessive Vermehrung der Haarbalgmilbe Demodex canis ausgelöste parasitäre Hauterkrankung. Sie äußert sich durch Schädigungen im Haarwurzelbereich, Haarausfall und schuppigen Hautausschlag oder eitrige Sekundärinfektionen. Juckreiz ist hier nicht immer ausgeprägt.

Die Behandlung der generalisierten Demodikose kann langwierig sein. Da Vierbeiner oft allergisch auf den Speichel von Flöhen reagieren, kann es auch bei einem Flohbefall zu Juckreiz, Hautentzündungen und Haarausfall kommen. Auch Endoparasiten können zu Haarausfall führen. Hier ist insbesondere die Leishmaniose zu nennen. Diese durch Sandmücken verbreitete Erkrankung, von der vorwiegend Hunde aus dem Mittelmeerraum betroffen sind, zeigt sich äußerlich oft durch Hautläsionen und Fellverlust.

Pilzerkrankungen Dermatophytosen sind bei Hund und Katze weit verbreitet. Der häufigste Erreger ist der Dermatophyt Microsporum canis. Die Infektion erfolgt über bestimmte Pilzteile , die sich an Haaren oder Schuppen infizierter Tiere befinden. Sie können sich folglich durch Körperkontakt infizieren. Außerdem werden die Hautpilze durch die infizierte Umgebung der Tiere, wie Teppiche, Decken, sowie über Zubehör für die Tierpflege (Kämme, Bürsten) übertragen.

Pilzerkrankungen werden durch bestimmte Faktoren wie Stress, zuvor bestehende Hauterkrankungen auch durch Parasitenbefall, beengte Unterbringung bei wenig Auslauf, Wurmbefall sowie andere die Immunabwehr schwächende Erkrankungen begünstigt. Die klassischen, aber nicht immer vorhandenen Zeichen sind runde, sich nach außen ausbreitende und teilweise zusammenfließende Hautveränderungen. In Deutschland sind mehrere Impfstoffe gegen Hautpilze bei Hunden und Katzen zugelassen. Die Impfung kann zwar eine Ansteckung und Erkrankung nicht in jedem Fall verhindern, es kommt aber bei einer Erkrankung zu einer weniger schweren Ausprägung der Krankheitsanzeichen.

Hormonell bedingt Eine weitere Ursache für Haarausfall sind Störungen des Hormonoder Stoffwechselhaushalts, wie zum Beispiel Schilddrüsen- oder Nierenerkrankungen und Hyperadrenokortizismus. Hormonbedingter Haarausfall tritt häufig bei weiblichen Tieren auf, oft nach einem Wurf. Nach Kastrationen kann es vor allem bei Rüden zu einer Veränderung des Fells kommen. Bei Katzen kommen hormonbedingte Haut- und Haarveränderungen generell seltener vor als bei Hunden.

Alopezie durch Allergie Bei Veränderungen an Fell oder Haut muss auch an Futtermittelunverträglichkeiten und Allergien gedacht werden. Auch ein Mangel an bestimmten Nährstoffen ist möglich, jedoch bei der Ernährung durch handelsübliches Alleinfutter für Hunde unwahrscheinlich, da die Hersteller den Nährstoffbedarf in der Regel vollständig abdecken. Es könnte aber sein, dass durch Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts bestimmte Nährstoffe nicht ausreichend resorbiert werden.

»Ein Tierarzt kann Hilfestellung zur artgerechten Haltung und richtigen Fütterung geben, um Haarausfall des Tierfells vorzubeugen.«

Akrale Leckdermatitis bei Hunden Als ALD bezeichnet man eine häufig vorkommende Verhaltensstörung, die vor allem bei großen Hunderassen auftritt. Die Hunde belecken oder kratzen eine Körperstelle unablässig. Durch die raue Zunge entstehen so innerhalb kürzester Zeit Hautveränderungen, die durch Juckreiz zu weiterem Lecken stimulieren. An diese vorgeschädigte Haut können sich Bakterien und Pilze anlagern und zu Sekundärinfektionen führen, die wiederum Juckreiz oder Schmerzen auslösen.

Eine Leckdermatitis kann durch Stress, Langeweile, Verlustängste, Bewegungsmangel, Konflikte mit anderen Haustieren oder den Tierhaltern ausgelöst werden. ALD treten am häufigsten an den Vordergliedmaßen auf. Durch das Lecken wird die Haut innerhalb kürzester Zeit haarlos. Die unter den Haaren liegende Haut verdickt sich durch den ständigen Reiz und fühlt sich hart und erhaben an. Häufig färbt sich der äußere Rand des Leckekzems dunkel (Hyperpigmentation).

Psychogene Leckalopezie bei Katzen Hier handelt es sich um eine Verhaltensstörung bei Hauskatzen, die sich in einem krankhaft gesteigerten Putztrieb äußert und eine Hautentzündung mit Haarausfall hervorruft. Sie ähnelt damit der Akralen Leckdermatitis der Hunde. Die Psychogene Leckalopezie tritt bei Katzen aller Altersgruppen, Rassen und beider Geschlechter auf. Als Hauptursache wird ein empfundener Verlust der Kontrolle über das eigene Territorium angesehen.

Dies kann beispielsweise auftreten, wenn neue Personen oder Tiere in den Haushalt aufgenommen werden oder ihn verlassen, ein Umzug erfolgte oder das Tier vorübergehend in einer anderen Umgebung, zum Beispiel in einer Katzenpension, gehalten wurde. Auch andere Stress- und Konfliktsituationen kommen infrage. Die Diagnose der Erkrankung muss durch eine gründliche Ausschlussdiagnostik abgesichert werden. Die Behandlung erfolgt durch eine Verhaltenstherapie und/oder Psychopharmaka. Ein Tierarzt kann Hilfestellung zur artgerechten Haltung und richtigen Fütterung geben, um Haarausfall des Tierfells vorzubeugen.

Reagieren Hunde und Katzen allergisch auf Futter oder Einstreu, ist es wichtig, Sorten auf Verträglichkeit zu testen. Bei einer Leckalopezie aus Langeweile hilft oftmals, sich häufig mit dem Tier zu befassen und ihm ausreichend Auslauf zu geben. Eine regelmäßig durchgeführte Fellpflege kann dem Haarausfall ebenfalls deutlich vorbeugen. Hierbei kann gleichzeitig ein Gesundheitscheck durchgeführt werden, indem auf kleine Verletzungen, Ektoparasiten oder Knoten in der Unterhaut geachtet wird.

Beim Bürsten des Fells werden nicht nur lose Haare und Verfilzungen herausgebürstet, sondern auch die Haut massiert und dadurch gut durchblutet, sodass die Talgdrüsen des Tieres angeregt werden und neues schützendes Haar produziert wird.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/15 ab Seite 118.

Dr. Astrid Heinl-Zapf, Tierärztin

Weitere Informationen

Das könnte Sie interessieren

Platzhalter PTA © DIE PTA IN DER APOTHEKE
Folgeerkrankung Demenz weiter
Einmal Schleudergang, bitte weiter
Hübsch gesteckt weiter
Gene und Ernährung weiter
Wenn 99 Prozent nicht genug sind weiter
Die innere Uhr weiter