Lupe am Hals © kei907  / stock.adobe.com
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LEBENSGEFAHR IM HALS

Früher war sie zwar deutlich häufiger, eine Diphtherie-Infektion ist aber auch heute noch eine Erkrankung, die Kinder und Erwachsene leider immer wieder in lebensbedrohliche Situationen bringt. Eine Impfung kann vorbeugen.

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Anfang des 19. Jahrhunderts prägte ein französischer Arzt den Begriff Diphtherie, der sich aus dem griechischen Wort „diphtéra“ für „Lederrollenpaar“ und der Endung „itis“ für einen entzündlichen Vorgang zusammensetzt. Daraus entstand im Französischen der Name „Diphtérie“. Genau genommen beschreibt das Wort die „Halsbräune“, die sich als lederartige, braune Beläge auf dem Kehlkopf und in der Luftröhre manifestiert. Diese Beläge bestehen aus abgestorbener Schleimhaut und Blutbestandteilen. Bekannt war die Krankheit zunächst als „Rachenbräune“, sie wurde später als Krupphusten oder Croup (aus dem Schottischen für „Heiserkeit“) bezeichnet. Mehr dazu erfahren Sie unter SL01, Suche „Diphtherie“.

Was löst die Krankheit aus? Die ersten Anzeichen sind nicht sofort als spezifische Diphtheriesymptome zu identifizieren. Die Krankheit wird durch ein Bakterium ausgelöst, das sich auf dem Weg über ausgehustete oder ausgenieste Tröpfchen von einem Menschen auf den anderen überträgt. Man kann sich also im Grunde überall anstecken. Betroffen sind in erster Linie die oberen Atemwege und die Rachenschleimhaut zumeist von Kindern und Jugendlichen.

Nachdem die Krankheit in vielen Fällen tödlich verlief, wurde sie auch als „Würgeengel der Kinder“ bezeichnet, was Sie auf SL02, „Krankheiten“, „A – D“, „Diphtherie“, nachlesen können. Demnach tritt diese Erkrankung vornehmlich im Herbst und im Winter in gemäßigten Klimazonen auf und wird durch das Bakterium Corynebacterium diphteriae ausgelöst. Dieses Bakterium produziert das Diphtherie-Toxin, das die Symptome auslöst.

Welche Symptome gibt es? Die häufigste Form der Diphtherie, die Rachen-Diphtherie, beginnt mit Halsschmerzen und Fieber. Betroffene haben aufgrund der Beläge auf den Mandeln, Pseudomembranen genannt, meist einen süßlich-fauligen Mundgeruch. Schluckbeschwerden, begleitendes Fieber, geschwollene Lymphknoten und allgemeines Krankheitsgefühl bilden die Basis für die Diagnose „Diphtherie“. Gefährlich wird es, wenn auch der Kehlkopf befallen wird. Nach anfänglichem heftigen Husten kann die Schwellung der Schleimhäute sich so dramatisch entwickeln, dass es zu Erstickungsanfällen kommt.

SL03, „Krankheiten“, „Alle Krankheiten“, „D – Diphtherie“, beschreibt die Symptome ausführlich. Es gibt Fälle, bei denen sich das Gift im Körper verteilt und Organe befällt. So können Entzündungen des Herzens und Nervenlähmungen die Folge sein. Bei Säuglingen kann es zur blutigen Nasen-Diphtherie kommen oder es bilden sich krustige Beläge am Naseneingang, die das Luftholen erschweren. Studieren Sie unter SL04, „Kinder“, „Husten/Diphtherie“, mehr zu den verschiedenen Formen und Symptomen der Diphtherie.

Wie wird die Diagnose gestellt? Um effizient gegen die Erkrankung vorgehen zu können, ist eine frühzeitige Diagnose von großer Bedeutung. Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und fünf Tagen. Zunächst geht ein Arzt von den von außen zu erkennenden Symptomen aus. SL05, „Krankheiten“, „D – Diphtherie“, „Anzeichen …“, stellt dar, wie der Verlauf der Krankheit von den ersten leichten Anzeichen bis zu eindeutigen schweren Symptomen ist. Haben sich bereits die charakteristischen Beläge gebildet, sollte man nicht versuchen, diese zu entfernen, auch wenn man subjektiv meint, dass dies dem Patienten Erleichterung bringen könnte.

Das Ergebnis sind meist offene, blutende Wunden. Es gibt über die bereits erwähnten Rachen- und Nasen-Diphtherien auch die sogenannte Haut- oder Wunddiphtherie, die eher in tropischen Ländern vorkommt und in unseren Breitengraden vornehmlich Obdachlose, Alkoholiker oder Drogenabhängige befällt. Hierbei dringen die Erreger über Hautverletzungen in den Körper ein, verursachen Wunden, die sich entzünden und anschwellen.

Bei der Systemischen Diphtherie, die über den Rachen oder eine Wunde den Körper befällt, ist der gesamte Körper des Patienten betroffen. Erbrechen, schwere Luftnot, hohes Fieber und Nervenlähmungen sind diagnoserelevante Symptome. Für eindeutige Zuordnungen werden Abstriche vom Rachen und/oder der Nase genommen und mikrobiologisch analysiert. Die Ergebnisse liegen nach circa drei bis vier Tagen vor.

Und nach der Diagnose? Stellt ein Arzt die Diagnose „Diphtherie“, muss umgehend gehandelt werden, da diese Krankheit hochinfektiös ist. SL06, „Empfehlungen“, „HNO-Infektionen“, „Diphtherie“, stellt eindeutig klar, dass bei Krankheit und erst recht bei Todesfällen absolute Meldepflicht besteht. Ein Verdacht auf Diphtherie reicht bereits aus, um eine Krankenhauseinweisung und dortige Isolierung des Patienten zu rechtfertigen.

Die Behandlung erfolgt mittels Antitoxin und Antibiotika wie Penicillin oder Erythromycin, was SL07, „Krankheiten A-Z“, „D - Diphtherie“, „Therapie“, bestätigt. Beatmung und engmaschige Überwachung, gerade im Hinblick auf eine mögliche Ausbreitung im gesamten Körper, sind zwingend. Bei der Behandlung muss von einer Dauer von circa 50 Tagen ausgegangen werden, SL08, „Krankheiten“, „D - Diphtherie“, „Die Länge der Behandlungen“.

Wie gefährlich ist Diphtherie heutzutage? Zum Glück sind wir heute in der Lage, prophylaktisch gegen Diphtherie zu impfen. Beim aktuellen Impfschutz geht es um die Grundimmunisierung und Auffrischung innerhalb von zehn Jahre. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass ihr Kind oder ihre Kinder ausreichend immunisiert sind. SL09, Suche „Diphtherie-Impfung“, informiert eingehend zum Thema Schutzimpfung gegen Diphtherie und sollte von Eltern sehr ernst genommen werden.

Sollten Sie also im Alltag Verdachtsmomente haben oder einfach grundsätzlich Ihre Kunden informieren wollen, verweisen Sie unter anderem auf diese Seite. Diphtherie ist eine schwere Erkrankung und führt in vielen Fällen zum Tod. Daher sollte sehr sorgsam mit Verdachtsmomenten umgegangen werden, damit es niemals zum Schlimmsten kommen kann.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 09/18 ab Seite 66.

Ursula Tschorn, Apothekerin Wolfram Glatzel, Autor und Redakteur

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