Der Polio-Impfstoff in einer Hand mit blauem Einweghandschuh.
Das Poliovirus kommt auf der Welt nur in Afghanistan und dem Nachbarland Pakistan vor. © Manjurul / iStock / Getty Images Plus

Konflikte | Erkrankungen

IMPFKAMPAGNE GEGEN POLIO IN AFGHANISTAN

Afghanistan hat mit einer landesweiten Impfkampagne gegen Kinderlähmung begonnen. Fast zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren sollen den Polioimpfstoff erhalten, wie das Gesundheitsministerium am Montag in Kabul mitteilte. Während Corona in dem Land derzeit kaum eine Rolle spielt, hatten Polioerkrankungen 2020 im Vergleich zu den Vorjahren wieder zugenommen.

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Unklar war zunächst, ob die militant-islamistischen Taliban das Impfen in den von ihnen kontrollierten Bezirken dulden werden. Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar war am Sonntag mit den für Südasien zuständigen Spitzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks Unicef im Golfstaat Katar zusammengekommen, um über die Polioimpfung und andere Krankheiten zu beraten. Die Taliban sahen in vergangenen Impfkampagnen einen Versuch, geheime Informationen in einigen Provinzen zu sammeln.

Einer dpa-Recherche in den 34 Provinzen Afghanistans vom vergangenen August zufolge stehen knapp 40 Prozent der Bezirke unter voller Regierungskontrolle, mehr als die Hälfte sind umkämpft. Während der Impfkampagne werden etwa 65 000 Helfer fünf Tage lang von Tür zu Tür gehen, um die Kinder zu impfen.

Das Poliovirus ist weltweit ausgerottet, nur in Afghanistan und dem Nachbarland Pakistan tritt es noch auf. Auch in Pakistan war kürzlich eine Impfaktion für 40 Millionen Kinder angelaufen. Sie wurde vergangene Woche von einem Attentat überschattet: Unbekannte töteten in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa einen Polizisten, der Impfhelfer schützen wollte.

Quelle: dpa

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