Hyaluronsäure ist ein außergewöhnliches Molekül. Ein Gramm kann bis zu sechs Liter Wasser binden. Oder umgekehrt? Moment! © weicheltfilm / Istock / Thinkstock

Interview

„HYALURONSÄURE IST NICHT NUR EIN FALTENFÜLLER, SONDERN AUCH EIN ANTIOXIDANS“

Prof. Dr. Martina Kerscher ist Universitätsprofessorin an der Universität Hamburg im Fachbereich Chemie und Fachärztin für Dermatologie/Allergologie. Wir haben uns mit ihr über die wissenschaftliche Welt der Hyaluronsäure unterhalten

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DIE PTA IN DER APOTHEKE: Was macht das Gebiet der Dermokosmetik aus? Wo liegen seine Abgrenzungen zu Dermatologie oder Kosmetikchemie, wo Gemeinsamkeiten?

Prof. Dr. Martina Kerscher: Dermokosmetik beschreibt im Wesentlichen die Entwicklung, Erforschung und Anwendung von Topika (also Kosmetika), die aber nachgewiesene Wirkungen bei dermatologischen Fragestellungen, zum Beispiel bei empfindlicher Haut, bei trockener Haut oder bei Altershaut haben.

Kann man den Prozess der natürlichen Hautalterung wirklich aufhalten? Warum altert unsere Haut überhaupt?

Ja, man kann Hautalterung tatsächlich vermindern, zumindest den Teil der Hautalterung, der durch exogene Einflüsse, also durch das individuelle Exposom hervorgerufen wird. Zur Hautalterung allgemein tragen verschiedene Prozesse bei; ganz wesentlich ist etwa die Entstehung freier Radikale in der Haut, die durch körpereigene Schutzmechanismen nicht mehr vollständig neutralisiert werden können, und dann um Beispiel die Kollagensynthese vermindern. Freie Radikale entstehen vielfältig, am häufigsten durch UV Strahlung, durch negativen Stress oder auch durch den Konsum von Zigaretten.

Der Sektor an Anti-Aging-Produkten wächst immer weiter, was können PTA ihren Kundinnen in der Apotheke empfehlen, worauf sollen sie achten?

In jedem Fall sollte im Rahmen eines Anti Aging - „Therapieplanes“ ein Gesamtkonzept empfohlen werden; sehr gut bewährt hat sich meiner Erfahrung nach ein Protokoll, bei dem Kundinnen eine Tagespflege mit UV-Schutz (LSF UVB ≥ 20, auch mit UVA-Schutz) einsetzen, denn die UV-Strahlung ist für einen hohen Anteil an der exogenen Hautalterung verantwortlich. Kombiniert werden sollte der UV-Schutz in jedem Fall mit einem oder mehreren Antioxidantien, die zum Beispiel als Serum empfohlen und verabreicht werden können. Nicht vergessen dürfen wir die Hautbarriere, die durch Probiotika oder auch durch Feuchthaltefaktoren, die in einem Moisturizer enthalten sind, stabilisiert werden kann. Zudem sollte bei älteren Kundinnen der Kollagenstoffwechsel angekurbelt werden, beispielsweise durch Vitamin A, durch Proxylane oder pflanzliche Wachstumsfaktoren wie Madecassoside.

Hyaluronsäure kennen viele Kunden schon als Faltenfüller. Was kann das Polysaccharid noch?

Hyaluronsäure ist zudem ein Antioxidans, es vermindert also oxidativen Stress. Es kann große Mengen an Wasser binden und damit den Feuchtigkeitshaushalt sehr gut stabilisieren. Zudem verbessert es die Zell-Zell-Kommunikation, es beeinflusst die Wundheilung positiv und damit auch die Kollagensynthese; messbar ist das an einer Verbesserung der Elastizität der Haut sowie der Hautbarriere, verbunden mit einer messbaren Zunahme der Hautglätte.

Was raten Sie Kundinnen, die nach einem Anti-Aging-Produkt fragen und zugleich empfindliche und/oder trockene Haut haben?

Hier sollte man darauf achten, dass sehr gut verträgliche Substanzen eingesetzt werden, z. B. Hyaluronsäure-haltige Externa Niacinamid oder auch Peptide.

Welchen Extra-Tipp können PTA noch geben, um eine junge, gesunde Haut zu erhalten/bekommen?

Feuchtigkeitsspendende Masken können sehr gut unterstützend helfen, zudem auch hochkonzentrierte Antioxidanzien in Form von Seren oder Ampullen. Bei älterer Haut können auch Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel mit Kollagenpeptiden, elastizitätsverbessernd wirken.

Das Gespräch für DIE PTA IN DER APOTHEKE führte Nadine Hofmann

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