Weibliche Intimgesundheit: Juckreiz, Ausfluss, Bläschen, was ist da los?
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01. April 2026
Genitalherpes
Weitere Krankheitserreger, die bei den STI eine Rolle spielen, sind Herpes simplex-Viren (HSV). Sie sind auch für den Herpes genitalis verantwortlich. Dieser gehört weltweit zu den häufigsten STI. Schätzungsweise infiziert sich jede fünfte Frau und jeder neunte Mann im Alter von 14 bis 49 Jahren.
Auslöser ist klassischerweise das HSV vom Typ 2 (HSV-2). Zunehmend gewinnt auch HSV-1, der Erreger des Lippenherpes, an Bedeutung. Dieser kann beim Oralsex durch Herpesbläschen an den Lippen auf die Genitalien übertragen werden. Eine Infektion erfolgt meist ab der Pubertät, also mit Beginn der sexuellen Aktivität.
Vor allem sind Frauen betroffen, da die weiblichen Schleimhäute empfindlicher als die männlichen sind. Die Übertragung auf die Vulvalippen (Labia vulvae, die sogenannten Schamlippen), auf die Vagina und den Gebärmutterhals (Zervix) findet bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr statt. Bei analem Geschlechtsverkehr kann das Virus zudem in den Enddarm, das Rektum gelangen; bei Oralverkehr an Lippen und Rachenschleimhaut.
Erst- und Zweitinfektionen
Im Gegensatz zum Lippenherpes macht sich der Genitalherpes in der Regel gleich beim ersten Mal mit ausgedehnten Hautläsionen bemerkbar. Vor allem bei Personen, deren Organismus zuvor noch keinen Kontakt mit HSV hatte. Erste Vorboten sind ein unangenehmes Gefühl sowie ein schmerzhaftes Jucken, Kribbeln oder Brennen im Intimbereich.
Es bilden sich gruppiert angeordnete Bläschen auf gerötetem Grund, die starke Schmerzen auslösen können. Sie reißen im Verlauf der Infektion ein und nässen. Bei erstmaligem Ausbruch heilen sie nach etwa zwei bis drei Wochen krustig ab, bei wiederholter Infektion bereits nach etwa zehn Tagen.
Erstinfektionen gehen meist noch mit schmerzhaft vergrößerten Lymphknoten in der Leiste einher. Daneben können sich Rücken- und Muskelschmerzen einstellen, die von einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Fieber begleitet sind. Entzündungen der Harnröhre (Urethritis) sind bei Primärinfektionen zudem häufig. Begleitsymptome wie Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr sind daher ebenso wie ein glasiger Ausfluss typische Anzeichen eines Genitalherpes.
Häufige Sekundärinfektionen sind typisch, wobei Trigger wie beispielsweise Stress, Sonnenlicht oder kleine Verletzungen eine Reinfektion begünstigen. Diese erfolgen umso häufiger, wenn das HSV-2 Auslöser des Genitalherpes ist.
Wiederkehrende Infektionen verlaufen in der Regel milder als der erste Ausbruch, zudem heilen sie im Durchschnitt schneller aus. Bis zu zwölf Rezidive im Jahr sind möglich, vor allem bei einem geschwächten Immunsystem. Auch hormonelle Schwankungen wie durch den Menstruationszyklus führen zu Reaktivierungen des Virus. Denn es überdauert ein Leben lang symptomlos in den sensorischen Nervenganglien im Bereich der Lendenregion und des Kreuzbeins symptomlos.
Schwere Verläufe
Schwere Verläufe sind zwar selten, aber umso mehr gefürchtet. Bei geschwächtem Immunsystem können sich lebensbedrohliche Hirnentzündungen entwickeln, die Herpes-Enzephalitis.
Besondere Vorsicht ist in der Schwangerschaft geboten, da eine Erstinfektion in circa 50 Prozent der Fälle eine Fehlgeburt auslöst. Zudem ist das Virus unter der Geburt gefährlich. Es kann von einer infizierten Mutter auf das Neugeborene übergehen und den Herpes neonatorum auslösen. Der kann beim Kind möglicherweise führen zu einem lokalisierten Befall
- des Gehirns (Herpes-Enzephalitis),
- der Lunge (Pneumonie) oder
- der Leber (Hepatitis).
Breitet sich das Virus im ganzen Körper aus, ist eine lebensgefährliche Herpes-Sepsis möglich. Überlebt das Kind die Infektion, kann es im Laufe seines Lebens an neurologischen oder kognitiven Ausfällen sowie epileptischen Anfällen leiden.
Genitalherpes ist kein Fall für die Selbstmedikation. Bei Verdacht auf Genitalherpes sollten Sie Betroffene sofort an den Arzt weiterleiten, damit dieser gleich innerhalb der ersten 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome orale Virustatika verordnen kann. Bewährte Wirkstoffe sind Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir, die mehrmals täglich eingenommen werden. Gute Zusatzempfehlungen zur Linderung der schmerzhaften Beschwerden sind Sitzbäder mit jodhaltigen Lösungen oder Eichenrindenextrakt.
HPV-Infektionen
Auch die weitverbreiteten Infektionen mit Humanen Papillomaviren (HPV) müssen frühzeitig einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden. Von den rund 200 verschiedenen Virustypen sind einige in der Lage, bösartige (maligne) Zellveränderungen auszulösen. Zu diesen Hochrisiko-Typen zählen beispielsweise Typ 16 und 18. Mit ihnen werden Tumoren am Gebärmutterhals (Zervix), Penis, After sowie auch im Rachen (Pharynx) in Verbindung gebracht.
Andere Virustypen, die gutartige (benigne) Erkrankungen im Genital- und Analbereich auslösen, sind als Niedrigrisiko-Typen klassifiziert. Sie sind für ungefährliche Warzenbildungen verantwortlich, beispielsweise für Feigwarzen, die auch als Genitalwarzen oder Kondylome bezeichnet werden.
Da die Viren sehr leicht über kleinste Mengen virushaltiger Körperflüssigkeiten oder winzige Hautschüppchen weitergegeben werden, schätzt das Robert Koch-Institut (RKI), dass sich alle sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit ihnen anstecken. Aber nicht alle Ansteckungen führen zu Infektionen. Oftmals kann das Immunsystem die Viren abwehren.
Benigne Feigwarzen
Bei den Feigwarzen handelt es sich um Papeln; flache Knötchen verschiedener Größe (wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter). Sie können unterschiedlich gefärbt sein: rötlich, bräunlich oder auch weißlich-grau. Sie treten an Vagina, Penis und After einzeln oder in kleinen Gruppen auf.
Prinzipiell sind Kondylome zwar gutartig, aber beim Sex mitunter sehr schmerzhaft und zudem äußerst ansteckend. Eine Behandlung ist daher unbedingt erforderlich. Sie erfolgt entweder topisch mit antiviralen oder immunstimulierenden Zubereitungen (z. B. Imiquimod 5 Prozent) oder operativ durch eine Drahtschlinge (Elektrokauterisation), Ausschabung (Kürettage) oder Lasertherapie.
Maligne Tumoren
Da die HPV-Infektion größtenteils keine Beschwerden verursacht, bleibt die Ansteckung meistens lange unbemerkt. Ein Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entwickelt sich in der Regel im Laufe vieler Jahre über mehrere Vorstufen hinweg, die als CIN bezeichnet werden: zervikale intraepitheliale Neoplasien.
Ein Teil dieser Neoplasien ist nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisbar. Vor allem bilden sich häufig leichte Zellveränderungen wieder zurück. Sollten sich stärker ausgeprägte Veränderungen (höhergradige Neoplasien) entwickelt haben, kann es sich aber um Krebsvorstufen handeln, bei denen im Allgemeinen ein kegelförmiges Ausschneiden des Gebärmutterhalses (Konisation) erfolgt.
Wird bereits ein Karzinom diagnostiziert, wird eine leitliniengerechte Therapie durchgeführt. Sie umfasst verschiedene Bausteine, zum Beispiel Operation, Strahlen-, oder Chemotherapie.
Screening-Programm für Frauen
Um Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals rechtzeitig zu erkennen, führt der Gynäkologe regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen am Gebärmuttermund durch, dem vaginalen Anteil des Gebärmutterhalses. Je nach Alter der Frauen sieht das Programm zur Früherkennung zwei unterschiedliche Angebote vor.
Alle Frauen zwischen 20 und 34 Jahren, die gesetzlich versichert sind, haben in Deutschland einen Anspruch auf einen jährlichen kostenfreien Abstrich vom Gebärmutterhals. Bei diesem nach dem griechischen Arzt Papanicolaou genannten Pap-Abstrich werden die entnommenen Zellen unter dem Mikroskop auf Zellveränderungen untersucht und beurteilt.
Die Befunde reichen von Pap I (unauffällig, keine Veränderungen) bis zu Pap V (Vorstadien oder hohe Wahrscheinlichkeit für Krebs). Die meisten Frauen haben einen Pap II oder Pap IIa, die noch als normale Befunde gelten. Sie beschreiben die typische zelluläre Situation am Gebärmutterhals mit harmlosen entzündlichen und degenerativen Veränderungen.
Frauen ab 35 Jahren wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung (Ko-Test) angeboten, die einen Pap-Abstrich sowie eine Untersuchung auf HP-Viren (HPV-Test) umfasst. Mit dem HPV-Test lassen sich Infektionen mit den HP-Viren in den Zellen des Gebärmutterhalses über das Erbmaterial der Erreger, also über ihre DNA oder RNA nachweisen.
Da der Ko-Test ab 35 Jahren sicherer als der Pap-Abstrich allein ist, reicht es aus, ihn alle drei Jahre durchzuführen. Bei Frauen unter 35 Jahren wird ein zusätzlicher regelmäßiger HPV-Test hingegen nicht empfohlen. Er wird als weniger sinnvoll erachtet, da sich jüngere Frauen nachweislich öfter mit HPV infizieren, die Infektion in den meisten Fällen jedoch folgenlos ausheilt. Der HPV-Test würde bei ihnen daher zu einer nicht notwendigen Übertherapie führen.
HPV-Impfung
Eine effektive Prophylaxe vor der Entstehung von Feigwarzen und vor einem Großteil der Gebärmutterhalskrebserkrankungen ermöglicht die HPV-Impfung. Da eine HPV-Infektion meist bald nach Aufnahme der sexuellen Aktivität erfolgt, sollte die vollständige Impfserie idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung als Standardimpfung für Mädchen (seit 2007) und Jungen (seit 2018) im Alter von neun bis 14 Jahren. Wird die Impfung versäumt, soll sie spätestens bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Dementsprechend tragen die Krankenkassen die Kosten für die HPV-Impfung bis zum 18. Geburtstag.
Auch wenn die Impfung in jungen Jahren am effektivsten ist, wird sie auch noch später – und damit auch für Mädchen und Jungen, die bereits Geschlechtsverkehr hatten – als sinnvoll erachtet und angeraten. Einige Krankenkassen übernehmen daher noch die Kosten bis zum vollendeten 27. Geburtstag als Mehrleistung.
Für die Anzahl der erforderlichen Impfstoffdosen ist das Alter bei Beginn der Impfserie entscheidend.
- Wird die Impfserie im Alter von 9 bis 14 Jahren gestartet, ist ein 2-Dosen-Impfschema mit einem Impfabstand von fünf Monaten zugelassen.
- Bei Nachholimpfungen im Alter von über 14 Jahren oder bei einem Impfabstand von weniger als fünf Monaten zwischen der ersten und zweiten Dosis ist eine dritte Impfstoffdosis erforderlich.
- Eine Auffrischimpfung ist nach derzeitiger Kenntnis nicht notwendig.










