Gynäkologische Erkrankungen
PTA-Fortbildung

Weibliche Intimgesundheit: Juckreiz, Ausfluss, Bläschen, was ist da los?

Ob durch Krankheitserreger oder die Hormone: Im Laufe des Lebens kann eine Frau unter einer Vielzahl an Erkrankungen leiden, die ihre Geschlechts- und Fortpflanzungsorgane betreffen. Kaum eine bleibt völlig verschont. Ein Überblick.

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Veröffentlichung der Teilnahmebescheinigung:
01. April 2026

Hormonelle Erkrankungen

Die Endometriose oder das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) sind zwei weitere typische Krankheitsbilder bei Frauen im reproduktiven Alter. Beide gehen in vielen Fällen mit unerfülltem Kinderwunsch einher. PCOS ist einer der Hautpursachen für ungewollte Kinderlosigkeit. Liegt eine Endometriose vor, werden 40 bis 60 Prozent der Frauen nicht schwanger.

Obgleich beide Krankheitsbilder grundsätzlich in ärztliche Behandlung gehören und damit kein Fall für die Selbstmedikation sind, suchen die Betroffenen regelmäßig Hilfe in der Apotheke. Sowohl die Endometriose als auch das PCOS machen sich häufig mit sehr starken Regelschmerzen (Dysmenorrhö) bemerkbar, gegen die die Frauen freiverkäufliche Schmerzmittel oder Spasmolytika kaufen.

Endometriose

Etwa 10 bis 15 Prozent aller fertilen Frauen haben hierzulande eine Endometriose. Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle.

Über die Ursachen für die unkontrollierten Schleimhautwucherungen wird immer noch spekuliert, auch wenn eine genetische Beteiligung als erwiesen gilt. Die heute präferierte Vermutung geht davon aus, dass sich durch Mikrorisse (ausgelöst durch besonders starke Gebärmutterkontraktionen während der Menstruation) in der Schicht zwischen Muskulatur und Endometrium Gebärmutterschleimhautzellen herauslösen, die verschleppt werden und sich an anderen Stellen ansiedeln. Als Risikofaktoren gelten eine frühe Menarche vor dem 11. Lebensjahr und kurze Zyklen, die mit häufigen Blutungen einhergehen.

Die verirrten Gewebezellen können sich prinzipiell im gesamten Bauchraum ansiedeln:

  • innerhalb der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium),
  • im kleinen Becken außerhalb der Gebärmutter (z. B. auf dem Bauchfell, den Eierstöcken (Ovarien) oder Eileitern)
  • und außerhalb des kleinen Beckens (z. B. in Harnblase, Darm, Lunge, Zwerchfell, am Bauchnabel).

Wie das physiologische Endometrium bauen sich die verstreuten Gewebezellen zyklusabhängig auf und wieder ab. Allerdings können derartige Endometriumherde nicht nach außen abgeblutet werden. Vielmehr breiten sie sich aus, drücken auf Organe und lösen Entzündungen aus, die wiederum zu Verklebungen und Verwachsungen mit anderem Gewebe führen, was sehr schmerzhaft sein kann.

Die Symptome variieren abhängig von der Lokalisation der Herde. Zudem ist das Ausmaß der Beschwerden sehr unterschiedlich. Meist treten die Schmerzen anfänglich nur zyklusabhängig auf, später machen sie sich mit zunehmender Krankheitsdauer auch außerhalb der Regelblutung bemerkbar. Eine Endometriose kann aber auch völlig symptomfrei verlaufen.

Im Falle von Verklebungen der Ovarien ist Unfruchtbarkeit eine gefürchtete Folge. Verkleben Darm und Gebärmutter, lösen Verdauungsbewegungen ständige Unterleibsschmerzen aus. Typisch sind auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder Stuhlgang.

Schwierige Diagnose

Meist beginnt die Erkrankung bereits mit der ersten Regelblutung (Menarche) und bildet sich erst mit der nachlassenden Hormonproduktion nach der letzten Monatsblutung (Menopause) zurück. Dabei werden die Regelschmerzen im Verlauf der fertilen Phase zunehmend stärker.

Allerdings werden starke Regelschmerzen bei jungen Mädchen häufig als primäre Dysmenorrhö missgedeutet, da diese in dieser Altersgruppe typisch ist und somit für normal gehalten wird. Aber auch bei älteren Frauen dauert es nicht selten bis zu zehn Jahre, bis die korrekte Diagnose einer sekundären Dysmenorrhö aufgrund einer Endometriose gestellt wird. Dabei leidet schätzungsweise etwa die Hälfte aller Frauen mit stark schmerzhaften Regelschmerzen an einer Endometriose.

Je später allerdings die Diagnose erfolgt, desto komplizierter verläuft nicht nur die Erkrankung, umso problematischer gestaltet sich auch die Therapie. Durch die immer wiederkehrenden Schmerzen kann sich ein komplexes Schmerzsyndrom entwickelt haben, das die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Zudem können die Schleimhautwucherungen inzwischen großflächig und ungünstig lokalisiert sein, sodass eine interdisziplinäre Behandlung erforderlich wird

 Darüber hinaus wird diskutiert, ob bestimmte Endometriose-Subtypen – beispielsweise die ovarielle Endometriose oder tief infiltrierende Formen – unbehandelt langfristig mit einem erhöhten Risiko für einen bösartigen Tumor (z. B. des Eierstocks) einhergehen. Daher sollte eine Frau, die in der Apotheke immer wieder von sehr starken Regelschmerzen und/oder ungewollter Kinderlosigkeit berichtet, immer an einen Gynäkologen weitergeleitet werden. Dieser kann in günstigen Fällen bereits selbst bei der gynäkologischen Tast- und Ultraschalluntersuchung eine Endometriose diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen einleiten.

Häufig bringt aber nur eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit anschließender Untersuchung einer Gewebeprobe endgültige Gewissheit. Für derartige Untersuchungen kann die betroffene Frau an spezielle Endometriosezentren überwiesen werden, die häufig in Kliniken verortet sind.

Analgetika und Spasmolytika

Ein zentraler Behandlungsbaustein ist die Schmerztherapie. Dabei spielen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) eine bedeutende Rolle. Freiverkäufliche Dosierungen (z. B. 400 mg Ibuprofen, 250 mg Naproxen) helfen nicht immer ausreichend, häufig müssen die Frauen auf verschreibungspflichtige Varianten zurückgreifen (z. B. Ibuprofen 600 mg, Naproxen 500 mg).

Ärzte verordnen bei Endometriose auch Metamizol, da es neben der analgetischen Komponente auch über spasmolytische Eigenschaften verfügt. In Einzelfällen erfordern die starken Schmerzen sogar Opioide.

Als Spasmolytikum steht ohne Rezept Butylscopolamin zur Verfügung. Es lässt die glatte Muskulatur der Gebärmutter erschlaffen. Meist bringt es aber allein keine ausreichende Linderung, sondern muss mit einem Analgetikum kombiniert werden. Die fixe Kombination aus Butylskopolamin mit Paracetamol ist allerdings bei Endometriose nicht zielführend. Das Spasmolytikum sollte vielmehr vorzugsweise als Monopräparat gewählt werden, das dann mit einem NSAR der Wahl zur Anwendung kommt.

Endometriose-Betroffene können von antientzündlichen Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren oder Curcumin profitieren.

Hormonell eingreifen

Frauen, die zusätzlich verhüten möchten, profitieren von hormonellen Kontrazeptiva. Nicht nur die hormonsensible Gebärmutterschleimhaut innerhalb der Gebärmutterhöhle wird in ihrer Aktivität gedrosselt, sondern auch die verstreuten extrauterinen Endometriumherde. So nehmen die Beschwerden ab.

Erste Wahl sind laut Leitlinie reine Gestagen-Präparate für die orale Applikation (ohne Pillenpause), wobei Dienogest als einziges Gestagen explizit zur Endometriose-Therapie zugelassen ist. Zweite Wahl ist die Einlage eines gestagenhaltigen Intrauterinpessars mit Levonorgestrel. Ferner kommen einphasige Estrogen-Gestagen Kombinationspräparate in Frage, wobei das Langzyklus-Schema präferiert wird.

Eine weitere zugelassene Option ist die Verordnung von Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH)Analoga wie zum Beispiel Nafarelin. Sie blockieren die Ausschüttung des Follikel stimulierenden Hormons (FSH) aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). So unterdrücken sie die Östrogenproduktion in den Eierstöcken, sodass sich keine Schleimhaut mehr aufbaut.

GnRH-Analoga werden als Nasenspray oder per Injektion appliziert. Ihre Anwendung ist allerdings in der Regel auf drei bis sechs Monate beschränkt, da die Patientin durch den Östrogenmangel klimakterische Symptome entwickelt, was das Osteoporose-Risiko erhöht.

Polyzystisches Ovarialsyndrom

Ebenso ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Etwa 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen. Typischerweise beginnt die Erkrankung zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Häufig bleibt es längere Zeit unerkannt und wird erst entdeckt, wenn Frauen trotz Kinderwunsch längere Zeit nicht schwanger werden.

Definitionsgemäß handelt es sich um ein PCOS, wenn mindestens zwei der drei folgenden Symptome vorliegen:

  • Störungen des Zyklus mit Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) oder zu seltene Blutungen (Oligomenorrhö),
  • zu hohe Androgen-Werte
  • im Ultraschall sichtbare polyzystische Ovarien.

Bei den Zysten eines PCOS handelt es sich um Eibläschen (Follikel), die nicht heranreifen und nicht zum Eisprung kommen. Meist finden sich mehr als zehn dieser Follikelzysten gleichzeitig am Eierstock, weshalb sie im Ultraschall in Form einer Perlenkette erscheinen. Häufig leiden PCOS-Patientinnen auch an einer Dysmenorrhö.

Ursache sind aus dem Gleichgewicht geratene Hormone. Zum einen schüttet die Hypophyse zu viel luteinisierendes Hormon (LH) aus, was mit einer gesteigerten Androgenproduktion im Ovar einhergeht. Folge sind sichtbare Symptome wie Akne, ein gesteigerter Haarwuchs am Körper (Hirsutismus), Haarverlust am Kopf (Alopezie) und eine eventuelle Androgenisierung im Erscheinungsbild der Frau.

Zum anderen produziert die Hypophyse zu wenig FSH, was zur Ausbildung unreifer Follikel führt, die am Ovar stagnieren und nicht springen.

Darüber hinaus ist eine Insulin-Resistenz typisch, die zur Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 mit (und ohne) Übergewicht, kardiovaskulären Erkrankungen und Fettstoffwechselstörungen (metabolisches Syndrom) führt. Das Zuviel an Insulin lässt zudem den Testosteronspiegel ansteigen, was den Androgeneffekt noch zusätzlich verstärkt.

Therapieoptionen

Meistens bilden sich die Zysten von selbst zurück und sind nicht behandlungsbedürftig. Frauen mit einem PCOS sollten sich dennoch regelmäßig gynäkologisch untersuchen lassen. Prinzipiell besteht die Gefahr, dass sich durch das Gewicht der Zyste das Ovar verdreht, wodurch es nicht mehr durchblutet wird und absterben kann. Derartige Torsionen erfordern eine Notfalloperation. Um diese zu vermeiden, werden große Zysten, die sich durch Beschwerden bemerkbar machen, rechtzeitig minimalinvasiv entfernt.

Zudem deuten Daten darauf hin, dass Frauen mit PCOS ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall aufweisen.

Ist eine Therapie erforderlich, erfolgt sie entsprechend der Symptomatik. Eine Dysmenorrhö wird mit NSAR behandelt. Bei unerfülltem Kinderwunsch bekommt die Frau meist Clomifen verordnet, einen Estrogenrezeptor-Modulator. Liegt aktuell kein Kinderwunsch vor, werden die Zyklusstörungen und Androgenisierungserscheinungen in der Regel mit kombinierten oralen Kontrazeptiva therapiert, die antiandrogen wirksame Gestagene (z. B. Cyproteron, Chlormadinon, Dienogest, Drospirenon) enthalten.

Leidet die Frau trotz der Hormontherapie weiterhin unter Hirsutismus, ist die zusätzliche Gabe von spezifischen Antiandrogenen wie Cyproteron möglich. Off-label wird zudem meist noch Metformin verordnet. Das orale Antidiabetikum wirkt als sogenannter Insulin-Sensitizer, der sich positiv auf die Insulin-Resistenz (Blutzuckersenkung), das Lipidprofil (Triglyceridsenkung) und das Körpergewicht der Betroffenen auswirkt.

Hormonabhängige Veränderungen des Brustgewebes

Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren geht zu Anfang durch ein verzögertes und gestörtes Heranreifen der Follikel mit einer verringerten Produktion von Progesteron im Ovar einher. Damit liegt ein Überschuss an Estradiol vor, was als relative Östrogendominanz bezeichnet wird. Folge sind Veränderungen des Brustgewebes, die sich durch Wassereinlagerungen und Spannungsgefühle in der Brust (Mastodynie) bemerkbar machen.

Manchmal lassen sich beim Abtasten der Brust auch kleine knotenartige Verdichtungen erspüren. Allerdings sind dies nur in seltenen Fällen bösartige Gewebeveränderungen. Vielmehr handelt es sich häufig um kleinere oder größere Zysten. Der Gynäkologe erkennt diese im Ultraschall als flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die sich scharf vom umliegenden Gewebe und damit von soliden Knoten abgrenzen lassen.


Die Autorin versichert, dass keine Interessenkonflikte im Sinne von finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten bestehen, die von den Inhalten dieser Fortbildung positiv oder negativ betroffen sein könnten. 

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