Know-how für den sicheren Stich
7 Minuten
01. März 2026
Durch eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist es Apothekern unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, Menschen ab 18 Jahren gegen Grippe (Influenza) und ab 12 Jahren gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Dazu müssen Apotheker eine sechsteilige, jeweils mehrstündige theoretische und praktische Schulung unter ärztlicher Leitung nach den Richtlinien der Bundesapothekerkammer (BAK) in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer mit einzelnen Leistungskontrollen ablegen. Dann ist der Apotheker oder die Apothekerin qualifiziert zur Durchführung der beiden Schutzimpfungen.
Lernziele
In dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung lernen Sie unter anderem,
- welche Impfungen in öffentlichen Apotheken bereits durchgeführt werden dürfen,
- was das Infektionsschutzgesetz und die Apothekenbetriebsordnung vorschreiben und
- was Sie als PKA zu einem reibungslosen Ablauf der Impfung beitragen können
Warum ist eine Schutzimpfung gegen Influenza sinnvoll?
Influenza ist der Fachbegriff für Grippe. Wegen der Namensähnlichkeit wird der grippale Infekt von Ihren Kunden häufig mit einer echten Grippe verwechselt. Bei der Influenza handelt es sich aber um eine schwere, von vielen erheblich unterschätzte Infektion der Atemwege, an der in Deutschland jedes Jahr 4 bis 16 Millionen Menschen erkranken. Die Inkubationszeit ist mit ein bis zwei Tagen sehr kurz, weshalb sich Grippewellen sehr schnell ausbreiten können. In den Jahren 1918 bis 1919 sind an der sogenannten Spanischen Grippe weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen gestorben, eventuell sogar noch mehr, auch weil durch unkontrollierte Ausbrüche die Gesundheitssysteme massiv überlastet waren. Ein großes Problem stellt die hohe Variabilität der Influenza-Viren dar. Dies kommt einmal durch die hohe Fehlerrate bei der schnellen Vermehrung der Erbinformation der Viren durch viele Punktmutationen zustande, dem sogenannten Antigen-Drift. Das trifft aber auf viele Viren zu. Hinzu kommt in diesem Fall noch eine Besonderheit im negativen Sinne: Wenn verschiedene Influenza-Viren in einer Zelle vorhanden sind, dann können sich ihre einzelnen Erbbestandteile neu zusammenbauen. Dadurch entstehen ganz neue Influenza-Viren mit auch nach außen ganz neuen Eigenschaften. Dann werden sie vom Immunsystem nicht mehr erkannt, man spricht vom Antigen-Shift. Und das ist der Grund, weshalb jedes Jahr neue, nach den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammengesetzte Schutzimpfstoffe verabreicht werden müssen.
Für wen wird die Influenza-Impfung empfohlen?
Weil gerade ältere Menschen besonders schwer an Influenza erkranken können, wird generell eine Impfung ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen altert das Immunsystem, es wird träger. Der Fachausdruck hierfür ist Immunseneszenz. Das alternde Immunsystem kann sich nicht mehr so gut wie früher auf neue Infektionserreger einstellen. Für die Altersgruppe ab 60 Jahren wird deshalb ein Hochdosisimpfstoff von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Er erhöht den Reiz zur Antikörperbildung. Darüber hinaus nehmen bei zunehmendem Alter auch Grunderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu, die sich durch eine Infektion erheblich verschlechtern können. Auch ohne weitere Vorerkrankungen kann besonders der ältere Körper so geschwächt werden, dass weitere Erreger wie Pneumokokken nicht mehr abgewehrt werden können und sich dadurch eine gefährliche bakterielle Pneumonie (sekundäre Lungenentzündung) dazugesellt. Eine Pneumokokken-Impfung darf zurzeit aber nur vom Arzt vorgenommen werden. Aber auch andere Organe können durch das Infektionsgeschehen im Rahmen einer Influenza-Infektion direkt betroffen sein: So ist das Risiko für einen Herzinfarkt im Zusammenhang mit einer Influenza- Infektion bis zu 10-mal höher, das Risiko für einen Schlaganfall bis zu 8-maL. Auch Menschen unter 60 Jahren mit Vorerkrankungen, Heimbewohnern und Schwangeren ab dem 2. Trimenon wird standardmäßig eine Influenza-Impfung empfohlen. Schwangere schützen damit auch noch nach der Geburt ihr Neugeborenes, denn die gebildeten Antikörper halten als Nestschutz noch eine Weile vor. Einer weiteren Bevölkerungsgruppe, zu der auch Sie gehören, wird aus beruflichen Gründen zur jährlichen Influenza-Schutzimpfung geraten: Es ist das medizinisch-pharmazeutische Personal und das Pflegepersonal. Sie sind nicht nur selbst durch viele unvermeidbare Kontakte mit Kranken einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Sie können einen beachtlichen Anteil der Bevölkerung so auch vor einer Ansteckung schützen. Außerdem wirkt es bei der Aufklärung zur Impfung auf ihre Kunden beruhigend, wenn das Apothekenteam selbst geimpft ist und als gutes Beispiel vorangeht. All das gilt auch für den privaten Bereich: Auch hier sollte jeder über eine Impfung nachdenken, der mit vulnerablen Personen zusammenlebt, sehr häufig Kontakt pflegt oder arbeitet.
Personen unter 60 Jahren werden mit einem Normdosis-Präparat geimpft, das Antigene von drei Virusstämmen enthält. Es ist wie auch der Hochdosisimpfstoff somit trivalent. Einige Jahre empfahl die STIKO auch die Produktion und Verwendung von tetravalenten Impfstoffen.
Wann wird noch gegen Corona geimpft?
Auch nach dem Ende der Pandemie zirkuliert das Virus und kann einzelne Personen schwer treffen. Die Krankheitsausbrüche sind allerdings zeitlich und regional begrenzt, man spricht von einer Endemie. Die STIKO geht dabei inzwischen von einer hohen Basisimmunität in der Bevölkerung aus. Diese besteht bei dieser Krankheit, wenn man dreimal Kontakt mit den Antigenen des Erregers SARSCoV-2 hatte, wobei mindestens ein Kontakt in Form einer Impfung stattgefunden haben sollte. Bei Personen im Alter von 18 bis 59 Jahren, die diese Voraussetzungen erfüllen und keine relevanten Grunderkrankungen haben, erwartet man, dass bereits die Basisimmunität vor schweren Verläufen und Langzeitfolgen schützt. Da der Erreger aber weiterhin stark mutiert und vom Immunsystem dann nicht mehr so gut erkannt werden kann, wird Bevölkerungsgruppen, denen ein schwerer Verlauf der Erkrankung droht, eine jährliche Auffrischimpfung empfohlen. Das sind Personen ab 60 Jahren, Personen mit relevanten Grunderkrankungen, Personen mit hohem Infektionsrisiko im Berufsalltag sowie Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Welcher Impfstoff für wen in welcher Dosierung verwendet werden sollte, findet sich auf der Homepage der STIKO.











