Cortison und Corticoide
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Glucocorticoide: Helfer mit schlechtem Ruf

Glucocorticoide gehören zu den wirksamsten Entzündungshemmern und werden häufig verschrieben. Viele fürchten jedoch Nebenwirkungen. Wie wirken die Präparate, worauf kommt es bei der Anwendung an und wie können Sie Ihren Kunden die Cortison-Angst nehmen?

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Topische Glucocorticoide

Topische (externe) Glucocorticoide sind aus der Dermatologie kaum wegzudenken. Sie werden vor allem bei entzündlichen und juckenden Dermatosen eingesetzt, etwa bei atopischer Dermatitis, Kontakt- oder Handekzemen. Gerade bei diesen Erkrankungen sind externe Glucocorticoide geeignet, da sie nicht nur Symptome wie Rötung, Schwellung und Juckreiz lindern, sondern auch gezielt Entzündungs- und Immunreaktionen in der Haut dämpfen.

Vier Wirkstärkeklassen

Die Wirkstärke topischer Glucocorticoide wird üblicherweise in vier Klassen eingeteilt.

  • Klasse I umfasst schwachwirksame Substanzen wie Hydrocortison.
  • Klasse II umfasst mittelstarkwirksame Wirkstoffe wie Clobetasonbutyrat, Triamcinolonacetonid 0,1 Prozent oder Prednicarbat.
  • Klasse III umfasst stark wirksame Substanzen wie Mometasonfuroat, Betamethasonvalerat 0,1 Prozent oder Fluticason.
  • Klasse IV umfasst sehr stark wirksame Substanzen wie Clobetasolpropionat.

Schwachwirksame Vertreter eignen sich in niedriger Dosierung auch für die Selbstmedikation bei leichten entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen sowie bei Insektenstichreaktionen. Hydrocortison und seine Ester sind für die äußerliche Anwendung bis 0,25 Prozent in Packungsgrößen bis 50 Gramm sowie über 0,25 bis 0,5 Prozent in Packungsgrößen bis 30 Gramm zur kurzzeitigen, maximal zweiwöchigen Anwendung von der Verschreibungspflicht ausgenommen.

Therapeutischer Index

Um Nutzen und Risiko eines externen Glucocorticoids besser beurteilen zu können, hilft der sogenannte Therapeutische Index (TIX). Er setzt erwünschte Wirkungen eines Wirkstoffs ins Verhältnis zu unerwünschten Wirkungen.

Ein TIX-Wert ab 2 gilt als günstig, da die erwünschten Wirkungen überwiegen. Beispiele hierfür sind Mometasonfuroat und Prednicarbat.

Ein Wert um 1 spricht eher für ein ausgeglichenes Verhältnis von Nutzen und Risiko, etwa bei Hydrocortison, Triamcinolonacetonid oder Betamethasonvalerat.

Therapieschemata

Zur Behandlung können unterschiedliche Therapieschemata infrage kommen. Ziel bleibt immer, die Entzündung rasch zu kontrollieren, Rückfälle zu vermeiden und die Corticoidbelastung möglichst gering zu halten.

Bei einer Stufentherapie beispielsweise wählt der Arzt zunächst ein ausreichend wirksames topisches Glucocorticoid passend zum Schweregrad. Bessern sich die Beschwerden, wird die Therapie schrittweise auf schwächer wirksame Präparate umgestellt.

Bei der Intervalltherapie erfolgt die Anwendung topischer Corticoide nicht täglich, sondern in festgelegten Abständen.

Die sogenannte Tandemtherapie verbindet die antientzündliche Behandlung konsequent mit einer pflegenden Basistherapie, um die Hautbarriere zu stabilisieren und Rückfällen vorzubeugen.

Die Formulierung beeinflusst die Wirkung

Neben der richtigen Wahl des Wirkstoffs und der Therapieform ist auch die passende Formulierung entscheidend für den Therapieerfolg. Sie bestimmt, wie gut sich ein Präparat verteilen lässt und in welchem Maß der Wirkstoff in die Haut eindringt.

Lipophile Formulierungen und Wirkstoffe fördern die Hautpenetration. Deshalb kommen häufig die lipophileren Ester statt der entsprechenden Alkohole zum Einsatz, etwa Mometasonfuroat, Betamethasonvalerat, Clobetasolpropionat oder Methylprednisolonaceponat.

Topische Glucocorticoide weisen eine starke Lipophilie, hohe Rezeptoraffinität und geringe Bioverfügbarkeit auf.

Die Wahl der Formulierung sollte sich auch am Hautzustand und an der betroffenen Körperregion orientieren.

  • Bei leichter bis mäßiger Hauttrockenheit sind Cremes häufig besser geeignet: Sie lassen sich leicht verteilen, ziehen besser ein und fetten weniger.
  • Bei ausgeprägter Xerose oder chronisch-trockenen Hauterkrankungen sind Salben oftmals sinnvoll, da sie okklusiver wirken und den Feuchtigkeitsverlust reduzieren können.
  • Für behaarte Areale bieten sich flüssige Zubereitungen oder Sprays an, da sie sich dort leichter applizieren lassen.
  • Zusätzlich kann der kühlende Effekt eines Sprays bei ausgeprägtem Juckreiz als angenehm empfunden werden.

Lokale Anwendung: dünn, aber ausreichend

Glucocorticoide zur topischen Anwendung sollten dünn, aber ausreichend aufgetragen werden. Als praktische Dosierhilfe eignet sich die sogenannte Fingerspitzeneinheit (Finger Tip Unit = FTU).  Eine FTU entspricht ungefähr der Menge Salbe oder Creme, die vom letzten Fingerglied eines Erwachsenen bis zur Fingerspitze reicht, also etwa 0,5 Gramm.

Nach dem Auftragen sollten die Hände gründlich gewaschen werden, sofern sie nicht selbst behandelt werden. Die Behandlungsdauer muss genau eingehalten werden. Aufgrund des Depoteffekts in der Haut reicht bei vielen topischen Glucocorticoiden eine einmal tägliche Anwendung aus.

Auch die tägliche Basispflege sollte konsequent fortgeführt werden: Hautpflegeprodukte stabilisieren die Barrierefunktion der Haut und helfen, Rückfälle zu vermindern. Zwischen Basistherapeutikum und wirkstoffhaltigem Präparat sollten Ihre Kunden jedoch einen zeitlichen Abstand einhalten, damit das Glucocorticoid nicht unbeabsichtigt verdünnt oder verteilt wird.

Besondere Vorsicht beim Auftragen ist im Gesicht, an den Augenlidern und im Genitalbereich geboten. Dort ist die Haut besonders dünn und kann Wirkstoffe stärker aufnehmen, wodurch das Risiko für Nebenwirkungen steigt. Bei Hautfalten ist zudem zu beachten, dass sich Wärme und Feuchtigkeit stauen können, wodurch die Wirkstoffaufnahme zusätzlich verstärkt werden kann.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Bei sachgerechter, zeitlich begrenzter Anwendung bleibt das Risiko für unerwünschte Wirkungen meist gering. Dennoch können lokale Nebenwirkungen auftreten, wie

  • Hautirritationen,
  • eine Verdünnung der Haut (Hautatrophie),
  • sichtbar erweiterte Äderchen (Teleangiektasien),
  • streifenförmige Hautatrophien (Striae),
  • eine entzündliche Hautveränderung um den Mund (periorale Dermatitis),
  • Akne- oder Rosazea­ähnliche Hautveränderungen sowie
  • Hypopigmentierung.

Systemische Effekte sind bei korrekter äußerlicher Anwendung selten, aber nicht vollständig auszuschließen. Das Risiko steigt vor allem, wenn hochpotente Präparate großflächig, über längere Zeit oder unter Okklusion angewendet werden.

Topische Glucocorticoide eignen sich nicht für jede gerötete oder juckende Hautstelle. Je nach Präparat und Befund können Rosazea, periorale Dermatitis, Impfreaktionen oder unbehandelte Hautinfektionen gegen eine Anwendung sprechen.

Topische Glucocorticoide richtig anwenden

  • Nur auf betroffene Areale auftragen
  • Dünn, aber ausreichend dosieren
  • Finger Tip Unit (FTU) als Dosierhilfe nutzen
  • Nicht abrupt „aus Angst“ zu früh beenden
  • Gesicht, Augenlider, Genitalbereich: nur nach ärztlicher Vorgabe
  • Okklusion/Pflaster verstärken die Wirkung

Beratung: Anwendungsdauer, Körperstelle und Wirkstärke prüfen. Eine FTU reicht etwa für zwei erwachsene Handflächen. Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung: ärztlich abklären.

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