Cortison und Corticoide
PTA-Fortbildung

Glucocorticoide: Helfer mit schlechtem Ruf

Glucocorticoide gehören zu den wirksamsten Entzündungshemmern und werden häufig verschrieben. Viele fürchten jedoch Nebenwirkungen. Wie wirken die Präparate, worauf kommt es bei der Anwendung an und wie können Sie Ihren Kunden die Cortison-Angst nehmen?

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Alternativen und unterstützende Maßnahmen

Trotz ihres breiten therapeutischen Anwendungsfeldes müssen Glucocorticoide nicht immer die einzige Behandlungsmaßnahme bleiben. Je nach Indikation lohnt es sich zu prüfen, wie sich die Therapie ergänzen lässt oder ob andere Präparate infrage kommen.

Bei atopischer Dermatitis stabilisieren Emollienzien mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen die gestörte Hautbarriere. Betroffene sollten sie bedarfsgerecht und regelmäßig (zweimal täglich) anwenden, auch im schubfreien Intervall. Zusätzlich hilft es, persönliche Auslöser zu erkennen und möglichst zu meiden, wie irritierende Reinigungsmittel oder hautreizende Textilien.

Die S3-Leitlinie nennt neben topischen Glucocorticoiden auch topische Calcineurin-Inhibitoren, Phototherapie und – bei schwereren Verläufen – auch systemische Therapien, die zum Einsatz kommen können. Dazu zählen je nach Situation Biologika und JAK-Inhibitoren.

Bei vielen anderen entzündlichen Erkrankungen lassen sich Corticoide dagegen meist nicht einfach ersetzen. Inhalative Corticoide dämpfen die Entzündung in den Bronchien und sind oft zentraler Baustein der Langzeittherapie bei Asthma. Eine gute Therapieführung kann aber dazu beitragen, die notwendige Dosis so niedrig wie möglich zu halten. Dazu gehören eine korrekte Inhalationstechnik, regelmäßige Schulungen und eine gute Adhärenz.

Auch orale Corticoide lassen sich nicht einfach so ersetzen. Bei einer Nebenniereninsuffizienz dienen sie der Substitution körpereigener Glucocorticoide; bei rheumatischen, autoimmunen oder anderen entzündlichen Erkrankungen können sie über längere Zeit oder wiederholt notwendig sein. Umso wichtiger ist es, dass Kunden verordnete Therapieschemata genau einhalten und die Arzneimittel nicht eigenmächtig absetzen.

Länger andauernde Glucocorticoidtherapien werden in der Regel nach ärztlicher Vorgabe ausgeschlichen und sollten nicht abrupt beendet werden. Wichtig bleibt außerdem, auf mögliche Warnzeichen zu achten und Risiken im Blick zu behalten, wie Magenbeschwerden, Blutdruck- oder Blutzuckerwerte oder das erhöhte Risiko für Infektionen und Osteoporose bei längerer Einnahme.

Wie der „Cortison-Angst“ begegnen?

Viele Ihrer Kunden fürchten als Folge der Therapie mit Glucocorticoiden Hautverdünnung, systemische Effekte oder „Abhängigkeit“ und wenden Präparate deshalb oft zu sparsam, zu kurz oder gar nicht an. Eine systematische Übersichtsarbeit zur atopischen Dermatitis fand Corticosteroid-Ängste bei 21,0 bis 83,7 Prozent der Betroffenen; Patienten mit solchen Ängsten hielten sich häufiger nicht an die Therapie.

Im Beratungsgespräch kann es daher hilfreich sein, die konkrete Sorge zu verstehen und dann gezielt aufzuklären. Hilfreich sind offene Formulierungen wie: „Was genau macht Ihnen bei Cortison Sorgen?“ oder „Haben Sie schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht?“

Die aktuelle S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis fordert ausdrücklich, auf Bedenken oder Ängste gegenüber Glucocorticoiden angemessen einzugehen.

Gerade die richtige Einordnung nimmt oft Druck aus dem Gespräch: Bei atopischer Dermatitis beispielsweise sollen topische Glucocorticoide vor allem akute Schübe behandeln; sie sollen also gezielt auf entzündete Hautareale in ausreichender Wirkstärke meist über einen definierten Zeitraum aufgebracht werden.

Sie können Ängste beispielsweise reduzieren, wenn sie Nutzen und Risiko konkret machen: „Zu wenig oder zu kurzes Auftragen kann den Schub verlängern. Richtig angewendet hilft das Präparat, die Entzündung rasch zu bremsen.“ Gleichzeitig sollten echte Risiken nicht verharmlost werden. Bei längerfristiger Anwendung hochdosierter Medikamente sollte man gezielt aufklären und für Risiken und Warnzeichen sensibilisieren.

Inhalative Corticoide wirken vorbeugend und müssen regelmäßig angewendet werden. So lässt sich beispielsweise erklären: „Das Bedarfsspray hilft schnell bei akuten Beschwerden. Das cortisonhaltige Spray schützt langfristig, damit es nicht so häufig zu Atemnot kommt.“

Corticoid-Nasensprays wirken lokal an der Nasenschleimhaut und sollen die allergische Entzündung dämpfen. Sie wirken nicht sofort, sondern entfalten ihren Effekt bei regelmäßiger Anwendung. Auch hier können Sie Ihre Kunden beruhigen: „Richtig angewendet bleibt die Wirkung vor allem lokal auf die Nase beschränkt.“

Hinzu kommt: Nicht jede Cortisontherapie bedeutet automatisch eine Dauerbehandlung; und wenn eine längere Behandlung nötig ist, folgt sie einem Plan mit möglichst niedriger Dosis, die zuverlässig wirkt.


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