Cortison und Corticoide
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Glucocorticoide: Helfer mit schlechtem Ruf

Glucocorticoide gehören zu den wirksamsten Entzündungshemmern und werden häufig verschrieben. Viele fürchten jedoch Nebenwirkungen. Wie wirken die Präparate, worauf kommt es bei der Anwendung an und wie können Sie Ihren Kunden die Cortison-Angst nehmen?

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Corticoide und ihre Applikationswege

Corticoide werden je nach Indikation über unterschiedliche Applikationswege verabreicht. Sie können systemisch eingesetzt werden, zum Beispiel oral, intravenös oder intramuskulär, oder lokal/topisch, beispielsweise inhalativ, intranasal, dermal, ophthalmologisch, otologisch oder intraartikulär.

Therapie mit systemischen Glucocorticoiden

Systemische Glucocorticoide werden eingesetzt, wenn Entzündungs- oder Immunreaktionen wirksam kontrolliert werden müssen. Typische Anwendungsfelder sind rheumatische Erkrankungen, allergische Reaktionen, Autoimmunerkrankungen, Asthma bronchiale und COPD sowie chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn.

Auch in Notfallsituationen können systemische Glucocorticoide notwendig sein, beispielsweise bei schweren allergischen Reaktionen oder bei einer Nebennierenkrise. Diese kann entstehen, wenn bei bestehender Nebenniereninsuffizienz oder unter Hormonersatztherapie der akute Cortisolbedarf plötzlich stark ansteigt, wie bei fieberhaften Infekten, Operationen, Unfällen oder starkem Erbrechen. Betroffene benötigen dann rasch Hydrocortison.

Bei Verdacht auf eine Nebennierenkrise sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Hinweise auf eine Nebennierenkrise können sein:

  • Starke Erschöpfung
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen,
  • eichen einer Hypoglykämie wie Herzklopfen, kalter Schweiß und Hunger
  • Blutdruckabfall
  • Kreislaufschwäche
  • Verwirrtheit

Wirkstoffe zur systemischen Therapie

Zu den wichtigen systemisch verwendeten Wirkstoffen zählen

  • Hydrocortison
  • Prednison
  • Prednisolon
  • Methylprednisolon
  • Dexamethason
  • Betamethason

Das synthetische Hydrocortison entspricht dem körpereigenen Cortisol und wird häufig in der Ersatztherapie bei Nebenniereninsuffizienz eingesetzt. Prednison/Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason kommen dagegen häufig zum Einsatz, wenn stärker ausgeprägte antiphlogistische und immunsuppressive Wirkungen therapeutisch erwünscht sind.

Nebenwirkungen

Typische systemische Nebenwirkungen ergeben sich aus der breiten physiologischen Wirkung von Glucocorticoiden. Je nach Dosis und Therapiedauer können Glucocorticoide den Blutzucker erhöhen, Gewichtszunahme und Bluthochdruck begünstigen sowie den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen. Darüber hinaus können Osteoporose und Muskelschwäche auftreten; auch das Risiko für Infekte, Katarakt, Glaukom und depressive Symptome kann steigen.

Bei längerer Anwendung hemmen Glucocorticoide wie beschrieben zudem die Hypophysen-Nebennieren-Achse; der Körper bildet dann weniger eigenes Cortisol. Deshalb sollte eine längerfristige Therapie nicht abrupt enden, sondern ärztlich kontrolliert ausgeschlichen werden.

Bei korrekter Anwendung handelt es sich bei Glucocorticoiden um sehr nützliche und dabei sichere Arzneistoffe.

Wichtig für die Beratung

Orale systemische Glucocorticoide werden üblicherweise morgens eingenommen, um sich an der physiologischen Cortisolrhythmik zu orientieren. Manchmal werden Tagesdosen auch aufgeteilt, wobei die größere Dosis morgens gegeben wird. Ihre Kunden sollten die Dosis bei längerfristiger Therapie nicht eigenmächtig ändern. Besteht eine Nebenniereninsuffizienz, sollten sie einen Notfallausweis und ein Notfallset mit Hydrocortison mitführen.

Um den natürlichen Biorhythmus zu unterstützen, erfolgt die Einnahme von Cortison-Tabletten häufig morgens.

Bei der Einnahme von Glucocorticoiden können Wechselwirkungen auftreten, wie beispielsweise mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Antikoagulanzien, oralen Antidiabetika, Herzglykosiden oder Enzyminduktoren (Induktoren von CYP3A4 wie Barbiturate, Phenytoin und Rifampicin). Werden NSAR und Glucocorticoide zusammen eingenommen, erhöht sich das Risiko für gastrointestinale Blutungen. Bei einer längerfristigen Glucocorticoidtherapie (über mindestens 3 Monate) empfehlen Leitlinien zudem, eine ausreichende Zufuhr an Calcium und Vitamin D sicherzustellen, um das Osteoporose-Risiko zu senken.

Wird während der Glucocorticoidtherapie geimpft, kann die Immunreaktion des Körpers auf den Impfstoff abgeschwächt werden.

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