Gelenkschmerz hat viele Gesichter
20 Minuten 1 Punkte
- 1Überblick & Lernziele
- 2Entzündung oder Verschleiß?
- 3Arthritis & Arthrose im Detail
- 4Schmerz verstehen
- 5Gelenkschmerz behandeln
- 6Ergänzende Optionen
- 7Lernerfolgskontrolle
01. November 2026
Weit verbreitet
Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland und ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) berichteten innerhalb der vergangenen zwölf Monate 48,1 Prozent der Frauen und 31,2 Prozent der Männer ab 65 Jahren über eine ärztlich diagnostizierte Arthrose.
Mit zunehmendem Lebensalter steigt nicht nur die Prävalenz der Erkrankung, sondern auch das Risiko für Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und funktionelle Beeinträchtigungen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.
Deutlich seltener, aber dennoch von großer klinischer Bedeutung, ist die rheumatoide Arthritis. Sie gilt als die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung. Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer.
Die chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten, manifestiert sich jedoch am häufigsten zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahrzehnt. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. In diesen Fällen spricht man von einer juvenilen idiopathischen Arthritis, der häufigsten chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung im Kindes- und Jugendalter.
Arthritis oder Arthrose?
Für die Betroffenen ist es häufig schwer, eine Arthrose von einer rheumatoiden Arthritis zu unterscheiden. Bei beiden Erkrankungen spielen Entzündungsprozesse eine Rolle, wenn auch nicht im gleichen Maße. Sie lösen starke Schmerzen aus, werden durch Gelenkschwellungen sichtbar und können in einer Gelenkzerstörung enden.
Kunden mit Gelenkbeschwerden ist auf jeden Fall ein Arztbesuch anzuraten. Nur durch eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente, gezielte Behandlung kann es gelingen, Entzündungsreaktionen und Schmerzen zu reduzieren, die Gelenkfunktion zu erhalten und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Hinweise auf eine rheumatoide Arthritis
Bei der rheumatoiden Arthritis manifestieren sich die Entzündungen in Form von
- symmetrisch auftretenden Schwellungen
- in mehr als zwei Gelenken
- für sechs Wochen und länger.
Anfangs sind oftmals die kleinen Finger- und Zehengelenke betroffen. Später greifen die Entzündungsprozesse auf größere Gelenke über. Die Gelenke schwellen an, schmerzen und sind steif. In der Regel zeigen sich die Symptome vor allem morgens für 60 Minuten und länger (z. B. ist dann der Faustschluss nicht möglich). Die Morgensteifigkeit kann schließlich bis zu fünf Stunden andauern und ist mit einer zunehmenden Bewegungseinschränkung sowie Gelenkdeformierung verbunden. Die Krankheit verläuft schubweise, wobei ein einzelner Schub mehrere Wochen oder Monate andauern kann.
Hinweise auf eine Arthrose
Während bei der Arthritis häufig zwei oder mehrere Gelenke gleichzeitig geschwollen sind, bildet sich bei einer Arthrose meist nur in einem Gelenk ein Erguss. Eine Arthrose kann prinzipiell alle großen und kleinen Gelenke betreffen, vor allem die, die ständig beansprucht werden oder großem Druck ausgesetzt sind.
Hauptsächlich sind die Gelenke von Hüfte (Coxarthrose) und Knie (Gonarthrose) geschädigt. Aber auch Schulter (Omarthrose) und Fingergelenke sind für die Entwicklung einer Arthrose anfällig.
Zu den frühen Symptomen einer Arthrose zählt der Anlaufschmerz. Dabei fühlen sich die Gelenke nach einer längeren Ruhephase (z. B. Nachtruhe, lange Autofahrten) zunächst steif an oder es stellen sich leichte Schmerzen bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen ein. Typischerweise bessert sich die Problematik durch Bewegung und geht spätestens nach 30 Minuten vorüber.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung klagen Betroffene über Ermüdungs- oder Belastungsschmerzen, die nach größerer oder anhaltender Belastung (z. B. Wanderung, Sport) auftreten. Arthrosepatienten sind meist auch wetterfühlig, vor allem verstärkt Kälte die Beschwerden. Mit zunehmender Zerstörung der Gelenke sind knirschende und knackende Geräusche, die sogenannten Krepitationen, beim Bewegen der Gelenke ein Charakteristikum.
Diagnostische Herausforderungen
Ärzte versuchen, eine eindeutige Diagnose beider Erkrankungen über Laborwerte und bildgebende Verfahren zu sichern. Die Diagnostik von Arthrose und rheumatoider Arthritis unterscheidet sich deutlich.
Während sich bei der rheumatoiden Arthritis häufig charakteristische Entzündungs- und Autoantikörpermarker nachweisen lassen, fehlen bei der Arthrose spezifische Laborparameter. Dies hängt eng mit den unterschiedlichen Krankheitsmechanismen zusammen.
So handelt es sich bei der rheumatoiden Arthritis um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der fehlgeleitete Immunreaktionen die Entzündung antreiben. Bei der Arthrose stehen dagegen degenerative Veränderungen des Gelenks im Vordergrund, bei denen entzündliche Prozesse den Krankheitsverlauf mitbestimmen.
Besonders aussagekräftig sind bei der rheumatoiden Arthritis die anticitrullinierten Protein-Antikörper (ACPA beziehungsweise CCP-Antikörper). Das sind Autoantikörper, die auf eine fehlgeleitete Immunreaktion deuten.
Weniger spezifisch sind Rheumafaktoren, da sie nicht bei allen Betroffenen vorkommen und sich auch bei anderen Erkrankungen oder gesunden Personen nachweisen lassen können. Ebenso sind Entzündungsmediatoren wie Interleukin-1 (IL-1), Interleukin-6 (IL-6) oder Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und ein erhöhtes C-reaktive Protein (CRP) nicht nur bei einer rheumatoiden Arthritis zu finden. Sie spielen auch bei der Arthrose eine Rolle.
Da charakteristische Laborwerte für eine Arthrose bislang fehlen, stützt sich ihre Diagnose vor allem auf die klinische Symptomatik sowie bildgebende Verfahren. Allerdings besteht häufig nur eine begrenzte Übereinstimmung zwischen den Beschwerden der Betroffenen und dem Ausmaß der im Röntgenbild sichtbaren Gelenkschäden.
So können bereits geringe strukturelle Veränderungen mit starken Schmerzen einhergehen, während umgekehrt ausgeprägte Gelenkveränderungen lange Zeit kaum Beschwerden verursachen. Aus diesem Grund wird die Erkrankung häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.
Letztendlich basiert die Diagnosestellung stets auf dem Zusammenspiel von klinischen Symptomen, Laborbefunden und bildgebenden Untersuchungen wie Röntgen, Magnetresonanztomographie und Ultraschall.











