Arthrose, Arthritis, neuropathische Schmerzen
PTA-Fortbildung

Gelenkschmerz hat viele Gesichter

Arthrose und rheumatoide Arthritis zählen zu den häufigsten Ursachen chronischer Gelenkschmerzen. Entzündliche und degenerative Prozesse, aber auch Veränderungen des Nervensystems tragen zum Schmerz bei. Erweitern Sie Ihr Hintergrund- und Beratungswissen mit dieser Fortbildung.

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Arthritis im Detail

Die diagnostischen Unterschiede spiegeln die grundlegend verschiedene Krankheitsentstehung wider. Daher lohnt zunächst ein genauer Blick auf die rheumatoide Arthritis als chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung. 

Sie wurde früher als chronische Polyarthritis bezeichnet und beruht wie fast alle entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Dadurch werden Autoimmunreaktionen gegen körpereigene Strukturen ausgelöst. Es entwickeln sich chronische Entzündungsprozesse, die vor allem die Gelenke betreffen. 

Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine genetische Veranlagung und verschiedene Umweltfaktoren gemeinsam zur Krankheitsentstehung beitragen. 

Rheumatischer Formenkreis 

Hinter dem Begriff verbergen sich über 100 verschiedene Krankheitsbilder, die sich nicht nur auf den Bewegungsapparat beschränken. Es handelt sich vielmehr meist um Systemerkrankungen, bei denen nahezu alle Organe betroffen sein können. 

Grundsätzlich werden entzündliche von nicht-entzündlichen Rheumaformen unterschieden. Zur ersten Gruppe zählen beispielsweise die rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondylarthritis, Kollagenosen oder Vaskulitiden. In der zweiten Gruppe befindet sich die Arthrose als eine degenerative Rheumaform sowie weichteilrheumatische Erkrankungen wie beispielsweise eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis), Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis), schmerzhafte Muskelverhärtungen oder das Fibromyalgie-Syndrom. 

Bei letzteren Erkrankungen sind die Schmerzen auf gelenknahe Weichteile wie Muskeln, Sehnen, Bänder oder Schleimbeutel beschränkt. 

Bei der rheumatoiden Arthritis richtet sich die fehlgeleitete Immunreaktion vor allem gegen die Gelenkinnenhaut (Synovialis). Die daraus resultierende chronische Entzündung verdickt die Synovialmembran und führt zu einer vermehrten Bildung von Gelenkflüssigkeit. Dadurch schwillt das Gelenk an, schmerzt und wird in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. 

Wiederkehrende Entzündungsschübe beeinträchtigen zudem die Stabilität des Gelenks, da sich Gelenkkapsel und Bänder dehnen. Im weiteren Krankheitsverlauf greift die Entzündung auf den Gelenkknorpel und Knochen über, wodurch es zu fortschreitenden Gelenkschäden bis hin zur irreversiblen Gelenkzerstörung kommen kann. 

Da es sich bei der rheumatoiden Arthritis um eine Systemerkrankung handelt, beschränken sich die Beschwerden nicht auf die Gelenke. Vor allem können ein Zustand ausgeprägter körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung (Fatigue), der mit einer verminderten Leistungsfähigkeit einhergeht, sowie die fortschreitenden Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Arthrose im Detail

Die Arthrose als häufigste Gelenkerkrankung galt lange als reine Verschleißkrankheit. Heute weiß man jedoch, dass neben den degenerativen Veränderungen auch entzündliche Prozesse wesentlich zur Entstehung und zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen. 

Entzündungsfördernde Zellen setzen Zytokine und andere Mediatoren frei, die den Abbau des Gelenkknorpels begünstigen und den Krankheitsprozess weiter antreiben. Daher wird die Arthrose inzwischen als entzündlich-degenerative Gelenkerkrankung verstanden. 

Die Entstehung der Arthrose ist multifaktoriell. Neben 

  • natürlichen Alterungsprozessen spielen 
  • genetische Faktoren, 
  • Gelenkfehlstellungen (z. B. angeborene Hüftdysplasie), 
  • Vorschäden sowie 
  • langjährige Fehl- oder Überbelastungen 

eine wichtige Rolle. 

Auch Adipositas zählt zu den bedeutendsten Risikofaktoren. Dabei wirkt sich nicht nur die erhöhte mechanische Belastung auf die Gelenke aus. Fettgewebe produziert zudem entzündungsfördernde Botenstoffe, die die Gelenkdegeneration zusätzlich fördern können. 

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Verlust des Gelenkknorpels sowie zu Veränderungen weiterer Gelenkstrukturen. Der Gelenkspalt verschmälert sich zunehmend, die Knorpeloberflächen werden rau und verlieren ihre stoßdämpfenden Eigenschaften.

In fortgeschrittenen Stadien reiben die Gelenkflächen verstärkt aneinander, wodurch der Knorpel weiter abgetragen wird und schließlich auch der darunterliegende Knochen geschädigt werden kann. 

Als Reaktion auf die veränderten Belastungsverhältnisse bilden sich zum Druckausgleich häufig knöcherne Anbauten, die Osteophyten, die zu sichtbaren Gelenkverdickungen und Deformierungen führen können. 

Die strukturellen Veränderungen gehen mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer zunehmenden Beeinträchtigung der Gelenkfunktion einher. Darüber hinaus können Reizzustände der Gelenkkapsel sowie der Sehnen- und Bandansätze auftreten. 

Von einer aktivierten Arthrose spricht man, wenn zusätzlich entzündliche Prozesse im Gelenk vorliegen. Typische Zeichen sind Schwellung, Überwärmung, Rötung und eine deutliche Zunahme der Beschwerden. 

Charakteristisch für die Arthrose ist ihr schleichender Verlauf. Da Knorpelgewebe keine Schmerzrezeptoren besitzt und die Beschwerden zu Beginn häufig nur gering ausgeprägt sind, bleibt die Erkrankung oftmals lange unbeachtet. Zudem ordnen viele der Betroffenen die sich einstellenden Erscheinungen häufig nicht gleich als Zeichen einer Arthrose ein, da sich die Beschwerden vermeintlich uncharakteristisch darstellen. Erste Symptome werden nicht selten vielmehr als normale Alterserscheinungen oder vorübergehende Überlastungsreaktionen fehlgedeutet.  

Mit Fortschreiten der Erkrankung nehmen jedoch Schmerzen und Funktionseinschränkungen zu. Während die Beschwerden anfangs vor allem unter Belastung auftreten, können sie später auch in Ruhe bestehen. Diese Symptomatik kann über Jahre hinweg anhalten und sich immer wieder mit beschwerdefreien Phasen abwechseln. 

Im fortgeschrittenen Stadium führen die strukturellen Gelenkveränderungen häufig zu dauerhaften Schmerzen, Fehlstellungen, Bewegungseinschränkungen sowie irreversiblen Funktionseinschränkungen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. 

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