Blutprodukte dokumentieren
PKA-Fortbildung

Das gilt für die Dokumentation von Blutprodukten

Blutprodukte – da schrillen vielen Apothekenmitarbeitern gleich die Ohren. Denn für sie gilt besondere Sorgfalt bei der Dokumentation. In dieser Fortbildung lernen Sie, was genau Blutprodukte sind und wie es mit der Bürokratie richtig klappt.

7 Minuten

Veröffentlichung der Teilnahmebescheinigung:
01. September 2023

7 Minuten

Was genau zählt unter den Aspekten der Dokumentation zu den sogenannten Blutprodukten? Hier hilft ein Blick in die Apothekenbetriebsordnung. Zum einen sind das Blutzubereitungen, die zum Beispiel als Blutkonserven (also als Blutersatz bei Bluttransfusionen in Krankenhausapotheken oder krankenhausversorgenden Apotheken) benötigt werden. Als zweites nennt die Apothekenbetriebsordnung Sera aus menschlichem Blut. 

In Sachen Lagerung werden Sera meistens gemeinsam in einem Atemzug mit Impfstoffen genannt. Aber es gibt auch für den Umgang in einer öffentlichen Apotheke weitere wesentliche Unterschiede.

Lernziele

In dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung erfahren Sie unter anderem:
+ bei welchen Arzneimitteln rund um das Thema Blut Sie zusätzlich dokumentieren müssen,
+ warum diese Extra-Dokumentation erforderlich ist, 
+ wie lange die Unterlagen aufbewahrt werden müssen.

Sera können Leben retten

Das Wort Sera ist die Mehrzahl von Serum und steht für den flüssigen Teil des Blutes. Also den Teil ohne die festen Bestandteile der Blutkörperchen und Blutplättchen und ohne das zur Gerinnung notwendige Fibrinogen. Aus dem Serum lassen sich fertige Antikörper, auch Immunglobuline genannt, gewinnen.

Diese Antikörper oder Teile von ihnen werden zur passiven Immunisierung gegen viele Infektionskrankheiten im Notfall eingesetzt. Sie können im Gegensatz zu den Impfstoffen ihre Wirkung sofort entfalten. 

Tetanus-Antikörper

Dazu gehört das in jedem Apothekenkühlschrank vorrätig zu haltende Tetanus-Antikörperpräparat. Ein Arzt spritzt es bei unklarem Impfstatus nach einer Hautverletzung mit Infektionsgefahr, um eine Wundstarrkrampf-Erkrankung zu verhindern.

Anti-D-Prophylaxe

Ein häufig gebrauchtes Antikörperpräparat ist die Anti-D-Prophylaxe. Sie verhindert die gefürchtete Rhesus-D-Faktor-Unverträglichkeit zwischen einer rhesus-D-Faktor-negativen Mutter und ihrem rhesus-D-Faktor-positivem ungeborenen Kind. Dies ist möglich, wenn der Vater rhesus-positiv ist und dies seinem Kind vererbt hat.

Das Immunsystem der Mutter würde bei Blutkontakt (also bei der Geburt, bei einer Fehlgeburt oder auch bei einem Schwangerschaftsabbruch) die Rhesusfaktor-Strukturen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen des ungeborenen Kindes als Fremdstoffe einstufen. Daraufhin würde die Mutter Abwehrstoffe gegen die kindlichen Blutkörperchen bilden. Bei einer weiteren Schwangerschaft könnte es dadurch zu schwersten Komplikationen mit Fehlgeburten oder zu lebenslangen Behinderungen des Kindes kommen.

Zum Glück kann dies durch Ermittlung der Blutgruppe bei den Vorsorgeuntersuchungen zu Beginn der Schwangerschaft verhindert werden. Die vorbeugende Gabe der spezifischen Antikörper gegen die Rhesusfaktor-Strukturen verhindert, dass das mütterliche Immunsystem sich gegen die Blutkörperchen des Kindes richtet. Die spezifischen Antikörper werden bei Bedarf gespritzt. Sie fangen die kindlichen roten Blutkörperchen ab, bevor das mütterliche Immunsystem aktiv werden kann.

Die Anti-D-Prophylaxe verhindert Komplikationen während der Schwangerschaft sowie bei zukünftigen Schwangerschaften.

Antikörper bei Immundefiziten

Bei schweren allgemeinen Immundefiziten können auch Präparate vom Arzt verordnet, die aus einer Mischung von verschiedenen Antikörpern menschlicher Herkunft bestehen. Sie werden dann intramuskulär gespritzt. 

Da es sich aber bei Antiköpern immer um Eiweißpräparate handelt, wird diese Therapie nur nach bewusster Abwägung eingesetzt, denn besonders auf Eiweiße reagieren viele Menschen oft stark allergisch. Außerdem hält eine solche passive Immunisierung im Vergleich mit einer aktiven Immunisierung auch nicht sehr lange an. Wenn es eine Möglichkeit zur aktiven Immunisierung durch eine Impfung gibt, wird diese fast immer vorgezogen.

Immunglobuline zur Prophylaxe?

Es gibt aber auch Krankheiten, gegen die es trotz jahrzehntelanger weltweiter Forschung noch immer keine gut wirksamen und gleichzeitig verträglichen aktiven Impfstoffe gibt. Zu diesen Krankheiten gehört die Malaria. Zwar gibt es inzwischen Impfstoffe, die vor allem in Westafrika auch großflächig angewendet werden, aber ihre Wirksamkeit ist mit etwa 30 Prozent nicht hoch. Sie wirken nur gegen den häufigsten Malaria-Erreger.

Man setzt sie vor allem in Westafrika ein, um bei der extrem hohen Ansteckungswahrscheinlichkeit das örtliche Gesundheitssystem durch die Reduktion der Erkrankungen zu entlasten. Als Reiseimpfung werden Sie nicht empfohlen. Auch ist kein hoffnungsvoller Kandidat für einen weiteren Malaria-Impfstoff in Sicht.

In Forscherkreisen hofft man eher, dass es in ein paar Jahren gezielte Antikörpermischungen zur passiven Immunisierung vor einer Reise in die Endemiegebiete geben wird. Auch wenn die Wirksamkeit dieser Immunglobuline nur für etwa sechs Monate anhält, ist die Funktion als Schutz auch für längere Aufenthalte gegeben. Bis es hoffentlich soweit ist, müssen die Reisenden in Hochrisikogebiete allerdings weiterhin eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe betreiben.

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