Blasenprobleme in den Griff bekommen
21 Minuten 1 Punkte
- 1Harnwegsinfektionen
- 2Unkompliziert – kompliziert
- 3Therapieoptionen
- 4Rezidive
- 5Reizblase & Inkontinenz
- 6Lernerfolgskontrolle
01. Juli 2026
Unter einer Harnwegsinfektion versteht man eine Entzündung der Harnwege. Sie gehört zu den häufigsten bakteriell verursachten Infektionskrankheiten. Je nach Lokalisation der Entzündung lassen sich Infektionen der unteren und oberen Harnwege unterscheiden.
Lernziele
Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung unter anderem,
- was obere von unteren Harnwegsinfektionen unterscheidet,
- welches die typischen Übertragungswege für Harnwegsinfektionen sind,
- in welchen Fällen ein Arztbesuch erforderlich ist,
- welche Therapieoptionen zur Verfügung stehen,
- wie man Rezidiven vorbeugen kann,
- welche Symptome für eine Reizblase typisch sind und
- wie eine Reizblase medikamentös und nichtmedikamentös behandelt wird.
Obere und untere Harnwegsinfektionen
Wenn die Harnwege entzündet sind, dann sind es überwiegend die unteren: also die Harnblase (Vesica urinaria) und/oder die Harnröhre (Urethra). Eine Infektion der Blase wird als Blasenentzündung (Zystitis) bezeichnet. Oft geht sie mit einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis) einher. Typischerweise haben die Betroffenen das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen, können aber nur geringe Urinmengen abgeben (Pollakisurie). Das Entleeren der Blase ist sehr schmerzhaft und wird von einem Brennen begleitet (Dysurie). Der Urin ist trüb und kann durch Blutbeimengungen rötlich verfärbt sein. Zudem weist er meist einen eigentümlichen Geruch auf.
Bei Infektionen der oberen Harnwege sind Erreger von der Blase über die Harnleiter (Ureter) zum Nierenbecken (Pelvis renalis) hinaufgestiegen. Am häufigsten entzünden sich Nierengewebe und Nierenbecken, was als Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) bezeichnet wird. Seltener liegt eine Harnleiterentzündung (Ureteritis) vor. Kennzeichen für Nierenbeckenentzündungen sind zusätzlich zu den klassischen Beschwerden einer Blasenentzündung:
- Fieber (über 38 Grad Celsius)
- Schüttelfrost
- Flankenschmerz
- Schmerzen beim Abklopfen der Nierengegend
Typisch Frau
Vor allem leidet das weibliche Geschlecht unter Harnwegsinfektionen. Frauen sind aufgrund anatomischer Gegebenheiten viermal häufiger betroffen als Männer. Mindestens jede zweite Frau leidet im Laufe ihres Lebens mindestens einmal darunter und bei etwa einem Viertel der Betroffenen treten die Beschwerden nach kurzer Zeit wiederholt auf.
Grund dafür ist die kurze weibliche Harnröhre und deren Nähe zum Darmausgang, was ein Aufsteigen von Darmbakterien in die Harnblase begünstigt. Escherichia coli (E. coli) stellt mit fast 80 Prozent den häufigsten Erreger für Harnwegsinfekte dar, gefolgt von Staphylococcus saprophyticus und Proteus mirabilis. Die Keime kommen im Darm physiologisch vor und haben dort keinen Krankheitswert. Gelangen sie allerdings über die Harnröhre in die Blase, docken sie mithilfe fadenförmiger Anhängsel (Fimbrien) an die Zellen der Blasenwand an, vermehren sich und lösen eine Entzündung der Blasenschleimhaut aus.
Sehr viel seltener spielen Klebsiellen, Enterokokken oder Pseudomonas eine Rolle. Letztere gelten als Problemkeime, die Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen) oder andere komplizierte Infektionen auslösen.
Honeymoon-Zystitis
Lokale Unterkühlung (z. B. durch nasse Badekleidung, Sitzen auf kalten Steinen), eine falsche Genital- und Analhygiene oder eine zu geringe Trinkmenge können das Verschleppen und Ansiedeln der Erreger begünstigen. Ein typisches Phänomen ist auch das vermehrte Auftreten von Blasenentzündungen nach häufigem oder intensivem Geschlechtsverkehr, weshalb auch von der Honeymoon-Zystitis gesprochen wird. Keime werden mechanisch in Richtung Blase geschoben, wo sie in der gereizten Schleimhaut einen idealen Nährboden finden.
Spermizide Cremes erhöht dabei das Risiko für eine Infektion, da sie ebenso wie alkalische Seifen und Intimsprays den physiologischen sauren pH-Wert der Vagina ins Alkalische verschieben. Während ein saures Vaginalsekret vor der Besiedelung der Schleimhäute durch pathogene Bakterien, Pilze oder Protozoen schützt, fördert ein alkalischer pH-Wert eine Vermehrung der Krankheitserreger und damit die Entstehung von Harnwegsinfektionen.
Zudem gehen Phasen der hormonellen Umstellung häufig mit Blasenentzündungen einher. In der Schwangerschaft weitet sich durch den veränderten Progesteronspiegel die Harnröhre, sodass die Erreger leichter eindringen können. In den Wechseljahren verschiebt sich der pH-Wert des Vaginalsekrets in den alkalischen Bereich. Gleichzeitig werden durch die abnehmende Östrogenproduktion die Blasenschleimhäute (Urothel) dünner und trockener – und damit leichter zur Angriffsfläche für die Erreger.











