Arzneimittel im Straßenverkehr
PTA-Fortbildung

Arzneimittel im Straßenverkehr

Medikamente sind oftmals ein Segen für kranke Menschen. Doch sie haben auch Nebenwirkungen. Was, wenn diese die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen? Ab wann müssen Sie Kunden darüber aufklären, dass sie besser nicht mehr selbst fahren? 

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ADHS-Medikamente

Indirekte Sympathomimetika sind Arzneistoffe, die die Konzentration von Katecholaminen im zentralen Nervensystem erhöhen. Dies betrifft vor allem Dopamin und Noradrenalin. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die Wirkstoffe Methylphenidat, Lisdexamphetamin und Dexamphetamin. Sie werden vor allem zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt. 

Mögliche Nebenwirkungen, besonders zu Beginn der Behandlung, sind Nervosität, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen, in seltenen Fällen auch Konzentrationsstörungen und verschwommenes Sehen. Treten solche Beschwerden auf, sollte kein Fahrzeug geführt werden. 

Jedoch: Mehrere Studien zeigen, dass eine korrekt eingestellte Therapie mit Methylphenidat die für das Autofahren wichtigen Fähigkeiten häufig sogar verbessert. Unter anderem wurden eine gesteigerte Aufmerksamkeit, eine bessere Konzentrationsfähigkeit, eine geringere Ablenkbarkeit sowie eine verbesserte Impulskontrolle nachgewiesen. 

Dies gilt jedoch nur für Menschen mit ADHS – wer Amphetamine und seine Derivate missbräuchlich benutzt, für den gilt: Diese Wirkstoffe können durch ihre Wirkung auf das zentrale Nervensystem zu Euphorie, Blutdrucksteigerung und Fahrunsicherheit führen. 

Und denken Sie auch immer daran, dass rezeptfreie Grippemittel Pseudoephedrin enthalten können – diese vermindern ebenfalls das Reaktionsvermögen beim Autofahren.

Antidepressiva

Die Auswirkungen von Antidepressiva auf die Fahrtüchtigkeit sind sehr unterschiedlich. Während einige kaum Auswirkungen zeigen, können andere zu deutlichen Einschränkungen führen: beispielsweise die trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin, Doxepin und Imipramin. Typische Effekte, vor allem zu Beginn der Behandlung, sind eine ausgeprägte Müdigkeit, eine verlangsamte Reaktionszeit, Konzentrationsstörungen, verschwommenes Sehen und Schwindel. 

In einer niederländischen Studie konnte gezeigt werden, dass die Einnahme moderner Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder von Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) das Risiko eines Verkehrsunfalls in etwa verdoppelt, wobei SSRI im Allgemeinen als die verkehrsmedizinisch günstigste Gruppe der Antidepressiva gilt. 

Alkohol sollte während der Einnahme von Antidepressiva generell vermieden werden, da er die sedierende Wirkung der Medikamente verstärkt. 

MAO-Hemmer wie Moclobemid hemmen das Enzym Monoaminooxidase (MAO), das für den Abbau von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin verantwortlich ist. Dadurch steigen die Konzentrationen dieser Botenstoffe im zentralen Nervensystem an. Mögliche Beeinträchtigungen reichen von Schwindel über Benommenheit bis Konzentrationsstörungen. 

Insbesondere zu Therapiebeginn kann es zu einer verminderten psychomotorischen Leistungsfähigkeit kommen. Nach stabiler Einstellung bestehen jedoch häufig keine relevanten Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit mehr. 

Mirtazapin, ein noradrenerges und serotonerges Antidepressivum, hat durch seine starke H1-Blockade eine ausgeprägte sedierende Wirkung. Dies kann negative Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben. Eine Besonderheit von Mirtazapin ist, dass bei niedrigen Dosierungen die sedierende Wirkung häufig stärker ausgeprägt ist als bei höheren Dosierungen, da die antihistaminerge Wirkung dominiert. Daher wird es auch häufig als schlafförderndes Mittel zur Nacht eingesetzt.

Antiepileptika

Diese Medikamentengruppe sorgt im besten Falle dafür, dass Menschen mit Krampfleiden wieder am Autoverkehr teilnehmen können – sofern sie richtig eingestellt sind. Die Erkrankung ist also verkehrsmedizinisch bedeutsamer als das Medikament. Während die Epilepsie-Wirkstoffe Lamotrigin, Levetiracetam, Valproinsäure, Carbamazepin, Gabapentin sowie Pregabalin am Anfang der Behandlung Schwindel, Schläfrigkeit und Konzentrationsstörungen zur Folge haben können, kann nach erfolgreicher Einstellung die Teilnahme am Straßenverkehr wieder möglich sein. 

Epileptiker dürfen dann wieder Auto fahren, wenn sie für einen definierten Mindestzeitraum lang anfallsfrei waren. Wichtig auch hier: Während der Einstellungsphase nicht selbst fahren.

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