Algen und Spirulina
Das neue Superfood?
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- 1Das unterschätzte Lebensmittel aus dem Wasser
- 2Jod als Motor der Schilddrüsenfunktion
- 3Lernerfokgskontrolle
01. September 2026
Algen sind mehrzellige Lebewesen, die Fotosynthese betreiben und meistens im Wasser leben. Die Bezeichnung kommt vom lateinischen Wort „alga“ und kann auch mit Seegras oder Tang übersetzt werden. Sie kommen in vielen Gewässern natürlich vor, in Urlaubsgebieten auch oft unerwünscht. Dabei können sie nicht nur die Badefreuden der Urlauber stören, sondern ganze Ankerplätze von Schiffen überwuchern und dadurch große wirtschaftliche Schäden verursachen. Diese Probleme werden durch die Klimaerwärmung weiter zunehmen. Aber Algen spielen auch für die Ernährung der Weltbevölkerung eine immer größere Rolle. Vor allem in Ostasien und in Küstengebieten Europas und Amerikas werden Algen als Lebensmittel verzehrt, was wegen der steigenden Zahl an Menschen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dafür werden nicht nur natürliche Vorkommen genutzt, es werden auch über 200 verschiedene Algenarten in Kulturen angebaut.
Lernziele
In dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung lernen Sie
- was Nahrungsergänzungsmittel mit Spirulina sind und was sie bewirken,
- wie der Verzehr von Algen zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen kann und
- welche gesundheitliche Bedeutung Algen für die Jodversorgung haben.
Als Lebensmittel genutzt
Zu den Braunalgen gehören viele Algen-Arten, von denen Wakame in Japan besonders gefragt ist. Daraus wird die beliebte Miso-Suppe gekocht, sie erhält durch die Algen ihr kräftiges Aroma.
Rotalgen findet man in vielen Lebensmitteln. So wird das Geliermittel Carrageen aus gewaschenem und in alkalischer Lösung gekochtem Knorpeltang (Irländisch Moos) oder Seetang gewonnen. Carrageen wird in Milchshakes oder Kakao-Getränken, aber auch in Light- und Schlankheitsprodukten verarbeitet. Laut Lebensmittelverordnung gilt Carrageen als Zusatzstoff und muss auf der Verpackung mit der Nummer E 407 gekennzeichnet sein. In Nasensprays wirkt Carrageen befeuchtend und schleimhautberuhigend. Dadurch soll das Medizinprodukt auf physikalische Weise dazu beitragen, dass Viren das Eindringen in den Körper bei regelmäßiger Befeuchtung erschwert wird. Auch die Kosmetikindustrie nutzt schon lange die genannten Eigenschaften von Irländischen Moos, sogar eine ganze Kosmetikserie ist danach benannt. Neben vielen weiteren Rotalgenarten ist der Purpurtang, der auch als Nori bezeichnet wird, besonders in Japan und der japanischen Küche beliebt. Der Purpurtang wird zuerst getrocknet, danach geröstet und gewürzt und in Form von quadratischen, papierartigen Platten verkauft. Aus diesen Platten werden die auch in Mitteleuropa sehr beliebten Sushi-Rollen hergestellt.
Der bekannteste Vertreter der Grünalgen ist der Meersalat. Er ist leicht zu erkennen, denn er ähnelt optisch Salatblättern. Als Lebensmittel wird er direkt verwendet oder auch als Bestandteil von Brotteig, um das Brot länger frisch zu halten.
Spirulina ist gar keine Alge
Das Nahrungsergänzungsmittel Spirulina hingegen wird anders als von den meisten Kunden gedacht gar nicht aus Algen gewonnen, sondern aus Cyanobakterien. Zwar wurden sie früher zu den Blaualgen gezählt und sie werden oft auch noch immer so genannt, es sind aber in Wirklichkeit Cyanobakterien, also einzellige Lebewesen. Der Name Blaualgen hat sich gut etabliert und sich bis jetzt in vielen Bereichen vor allem wegen der blauen Farbe gehalten. Als klar war, dass es sich um Bakterien handelt, gab es in der Bezeichnung weitere Änderungen: Der lange geführte Gattungsname Spirulina wurde durch Anthrospira ersetzt. Weil in der Zwischenzeit aber im Handel für Nahrungsergänzungsmittel der Name Spirulina erfolgreich eingeführt war, wurde diese Bezeichnung beibehalten.
Haben Algen Vorteile für die Ernährung?
Algen können einen wertvollen Beitrag für die Ernährung leisten, denn sie enthalten neben Kohlenhydraten auch Proteine, die das Nadelöhr in der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln darstellen. Besonders in Küstenregionen und Landschaften mit großen Binnenseen könnten Algen als Proteinlieferant außerdem dazu beitragen, dass dort die Überfischung reduziert wird, wodurch sich Fischpopulationen erholen könnten und die Artenvielfalt dadurch weniger geschädigt wird. Algen besitzen im Vergleich zu den meisten Fischen einen niedrigeren Fettgehalt. Das ist in Ländern der Industrienationen von Vorteil, da dort viele Menschen von Diabetes, Übergewicht oder sogar Adipositas betroffen sind. In dieser Hinsicht ist auch der große Ballaststoffgehalt der Algen von Nutzen, denn er trägt zum Sättigungsgefühl bei, ohne den Energieinhalt der Mahlzeiten zu erhöhen.
Auch das Fettsäuremuster vieler Algen kann für eine gesunde Ernährung bereichernd sein, da Algen oft reich an ungesättigten Fettsäuren sind, besonderes an Omega-3-Fettsäuren. Dadurch sind sie bei vielen Veganern und Vegetariern, die keinen Fisch verzehren, eine willkommene Alternative. Auch einige Vitamine sind in Algen enthalten, manche in Form ihrer Vorstufen wie Beta-Carotin als Vorstufe von Vitamin A. Allerdings kommen einige Vitamine wie das wichtige Vitamin B12 nur in wenigen Algen wie Nori vor, und das auch nur in schwankenden Konzentrationen. Algen eignen sich deshalb nicht zur Vitamin-B12-Supplementierung.
Ballaststoffe liegen im Moment in der Ernährung wieder sehr im Trend. Sie sorgen auch dafür, dass die in den Algen enthaltenen Kohlenhydrate nur langsam aus dem Nahrungsbrei herausgelangen, resorbiert werden und ins Blut gelangen. Dadurch werden Blutzuckerspitzen abgepuffert und die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse verlangsamt, wodurch der Blutzuckerspiegel weniger schnell sinkt. Somit kommt es zu weniger Heißhungerattacken und einer Überlastung der Bauchspeicheldrüse wird vorgebeugt. In den sozialen Medien werden Ballaststoffe auch gerne mit dem englischen Wort „Fiber“ bezeichnet, das klingt positiver als das negativ besetzte Wort Ballast. „Fiber“ lässt sich auch mit Faser übersetzen und lässt vermuten, dass es sich dabei grundsätzlich um unverdauliche Cellulosefasern handelt. Ballaststoffe sind vom Aufbau aber nicht einheitlich, es gibt neben den faserartigen auch wasserlösliche. Die in Algen enthaltenen Ballaststoffen wie Alginate sind nicht faserartig, sondern wasserlösliche Gelbildner. Gegen ihren Verzehr ist auch nichts einzuwenden. Wenn Sie eine Ernährungsberatung durchführen, können Sie vorschlagen, im Sinne einer abwechslungsreichen Ernährung eine Algen-Mahlzeiten mit faserartigen Ballaststoffen aus Vollkorngetreide zu ergänzen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene einen Richtwert von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag, was von einem Großteil der Bevölkerung nicht erreicht wird.











