Schmerzen und ihre Behandlung
PTA-Fortbildung

Alarmsignal: Schmerz verstehen, Schmerzmittel einschätzen 

Von der Kopfschmerztablette bis zum Opioidpflaster reicht das Spektrum der Schmerzmittel in der Apotheke. Die fundierte Beratung der unterschiedlichen Kundengruppen zur richtigen Schmerztherapie ist eine zentrale Aufgabe von PTA und Apothekern. 

20 Minuten 1 Punkte

Nebenwirkungen meiden

Zur Dauertherapie sollten nur retardierte Darreichungsformen angewendet werden. Der längere Gebrauch von schnell wirkenden Tropfen (zum Beispiel von Tilidin oder Tramadol) jenseits der akuten Bedarfsmedikation erzeugt euphorisierende Effekte, die eine Sucht begünstigen. 

Patienten sollten gemeinsam mit dem Arzt die Wirkungen, aber auch die möglichen unerwünschten Wirkungen besprechen. Laut Leitlinie soll der Patient auch darauf hingewiesen werden, dass die Einnahme von Opioiden zu körperlicher Abhängigkeit führen kann (nicht muss). Die Kommunikation dieses Aspektes sollte behutsam stattfinden, um die Adhärenz des Patienten nicht zu gefährden.  

Wenn der Patient während einer andauernden Schmerztherapie nicht mehr auf das Opioid anspricht, kann ein Wechsel des Wirkstoffs nötig sein. So können Wirksamkeit und Verträglichkeit verbessert werden. Zu beachten ist, das neue Opioid auch wieder von einer 25 bis 50 Prozent niedrigeren Dosis aus aufzudosieren – und nicht sofort mit einer Äquivalenzdosis zu starten.

In der Apotheke

Auch Sie als PTA können auf die häufigsten Nebenwirkungen mit Präventionsvorschlägen hinweisen. Oft treten unter Opioiden Übelkeit, Benommenheit, Obstipation, trockener Mund, Schwäche, Kopfschmerzen, Juckreiz und vermehrtes Schwitzen auf. Insbesondere zu Therapiebeginn setzen diese Beschwerden ein, bilden sich aber bis auf die Obstipation und Hyperhidrose meist nach zwei bis vier Wochen zurück. 

Um die Adhärenz sicherzustellen, können Sie auf diese Eingangseffekte empathisch hinweisen, beispielsweise: „Sie haben ein sehr gutes und hochwirksames Schmerzmittel verordnet bekommen. Der Körper reagiert häufig auf dieses neue Arzneimittel mit Eingangswirkungen, wie zum Beispiel Schwindel, Verstopfung und Müdigkeit. Nach einiger Zeit gehen diese Beschwerden zurück. Oft bleibt die Verstopfung, dafür empfehle ich Ihnen vorsorglich ein Mittel zur Verbesserung der Verdauung. Falls dies nicht ausreicht, sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt nehmen.“ 

Opioid-induzierte Obstipation

Anwendungsbeobachtungen zeigen, dass Verstopfung der häufigste Grund für den Abbruch einer Opioid-Therapie ist. Problematisch ist, dass konventionelle Laxanzien oft nicht ausreichend wirken. Die Aktivierung der Opioidrezeptoren unter der Therapie führt zu Störungen der Darmmotilität, Sekretion und Schließmuskelfunktion, egal welche Darreichungsform des Opioides gewählt wird. So können Macrogole oder hydragog wirkende Laxanzien ihre Wirkung nicht vollständig entfalten, wenn die allgemeinen Funktionen durch die Rezeptoraktivierung gestört sind. 

Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzen bei einem erfolglosen Einsatz der typischen Laxanzien nach ein bis zwei Wochen auf eine Behandlung mit peripher aktiven µ-Opioid-Rezeptorantagonisten (PAMORA) zu wechseln. Die verschreibungspflichtigen Antagonisten Naloxegol und Methylnaltrexon hemmen spezifisch die peripheren µ-Opiod-Rezeptoren im enteralen Nervensystem und vermindern so die dortigen Nebenwirkungen der Opidoid-Analgetika. 

Die Therapie mit PAMORA verbessert nachweislich die Lebensqualität der Patienten und steigert so die Adhärenz der Opioid-Therapie. 

Naloxegol wird mindestens 30 Minuten vor der ersten oder zwei Stunden nach der ersten Mahlzeit eingenommen. Die Tablette kann auch zermörsert und als Suspension angewendet werden. Zu beachten sind Wechselwirkungen mit CYP 3A4-Inhibitoren. Methylnaltrexon wird subkutan vier- bis siebenmal pro Woche appliziert.

Atemdepression

Opioide erzeugen dosisabhängig eine verminderte, abgeflachte Atmung. Die Patienten erleben das als Kurzatmigkeit und Luftnot. Bei einer langsamen kontrollierten Dosisanpassung des Opioids ist dies aber nur ein geringes Risiko für Komplikationen.  

Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder Schlaf-Apnoe-Syndrom sollten auf atemdepressive Effekte aufmerksam gemacht werden.

Sturzgefahr

Wenn Opioid-Analgetika bei älteren Patienten neu verordnet werden, ist in der Apotheke auf mögliche Einschränkungen der Reaktionsfähigkeit, Schwindel und Benommenheit hinzuweisen. Sie sollten Menschen mit Polymedikation auch eine Medikationsanalyse anbieten, um mögliche arzneimittelbezogene Probleme zu identifizieren. Bleiben Eingangsbeschwerden bestehen, sollte an den Arzt verwiesen werden. 

Eine Dosisanpassung orientiert sich immer auch an der erforderlichen Analgesie. 

×