Infektionen im und am Mund
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Alarm: Infektionen im und am Mund

Im Mund kann eine Menge los sein: Zahn- und Zahnfleischprobleme durch Bakterien, virale Infektionen oder ein Pilzbefall können Betroffenen zu schaffen machen. Was hilft, wenn es passiert ist, und wie sieht die optimale vorbeugende Mundhygiene aus?

22 Minuten

Schmerzhaftes Zahnen

Bereits Säuglinge können unter einem geröteten, gereizten und schmerzenden Zahnfleisch leiden. Zuweilen schwillt es auch leicht an. Ursache dafür ist der Zahndurchbruch.

  1. Meistens zeigt sich die erste weiße Zahnspitze der Milchzähne zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat. In der Regel brechen zuerst die unteren Schneidezähne (mittlere und seitliche) durch, kurz darauf folgen die oberen.
  2. Ungefähr ein Jahr später zeigt sich der erste Backenzahn, dann die Eckzähne.
  3. Bis zum 30. Lebensmonat, also mit zweieinhalb Jahren, ist das Milchgebiss mit 20 Zähnen meist komplett.

Für die Eltern ist der Zahndurchbruch zudem daran erkennbar, dass ihr Kind unruhig und auffallend quengelig wird. Meist steckt der Säugling auch die ganze Faust in seinen Mund und kaut darauf herum. Ein vermehrter Speichelfluss macht außerdem deutlich, dass sich der erste Zahn seinen Weg bahnt. Vom vielen Sabbern entwickeln viele Kinder einen roten Hautausschlag auf dem Kinn, der sich bis auf die Wangen ausbreiten kann.

Manche Kinder reagieren auf das Zahnen mit einer leicht erhöhten Temperatur. Steigt das Thermometer allerdings auf Werte über 38,5 Grad Celsius, dann ist das in der Regel kein normales Zahnungsfieber mehr. Vielmehr ist die kindliche Immunabwehr durch das Zahnen stark gefordert. Der Säugling wird infektanfälliger, sodass sich begleitend eine fieberhafte Erkrankung entwickeln kann.

Auch Hautausschläge am ganzen Körper sowie Durchfall und Erbrechen sind keine typischen Zahnungsbeschwerden, sondern eher Anzeichen eines Infektes. In diesen Fällen ist immer der Kinderarzt zu konsultieren, damit dieser die eigentliche Ursache für das Fieber findet und gegebenenfalls behandelt.

Zahnungshilfen, Zahngele & Co.

Das Zahnen lässt sich für den Nachwuchs auf verschiedene Art und Weise erträglicher machen. Altbewährt sind Beißringe und andere harte Gegenstände. Das Herumkauen auf etwas Festem lindert den Zahnungsschmerz durch Gegendruck. Gleiches machen Kinder, indem sie ihre Hand in den Mund nehmen und darauf herum beißen.

Wichtig: Die Dinge, die die Eltern ihren Kindern zum Beißen anbieten, müssen speichelecht und ungiftig sein. Besonders wirkungsvoll sind kalte Gegenstände. Sie dürfen allerdings nur im Kühlschrank gekühlt und nicht im Gefrierschrank gefroren sein, damit die Schleimhaut nicht daran kleben bleibt und abreißt.

Manchmal lindert es die Schmerzen des Säuglings bereits ausreichend, wenn die Eltern mit einem Finger oder einer weichen Zahnbürste über den geschwollenen Gaumen reiben. Die Zahnfleischmassage ist besonders wirkungsvoll, wenn zusätzlich ein kühlendes, schmerzstillendes Zahnungsgel auf die Zahnleiste aufgetragen wird. Es stehen verschiedene Präparate zur Auswahl, die speziell für die Kleinen gedacht sind. Ihre enthaltenen Pflanzenauszüge (z. B. Kamille, Salbei, Pfefferminze, Nelke) wirken antiseptisch und lindern teilweise den Schmerz.

Eine intensivere schmerzstillende Wirkung versprechen Zubereitungen mit einem Lokalanästhetikum wie Lidocain. Da Zahnungsgele in der feuchten Mundhöhle allerdings lediglich über eine relativ kurze Zeit haften, ist ihr schmerzstillender und lokalanästhetischer Effekt nur von kurzer Dauer. Zudem sollten die Eltern dem Säugling lokalanästhetische Präparate nicht direkt vor dem Stillen verabreichen. Er ist dann nicht mehr in der Lage, richtig zu trinken, da nicht nur der Gaumen, sondern zugleich die Zunge des Säuglings betäubt werden kann. Gleiches gilt für das Betupfen der Zahnleiste mit Nelkenöl, das ebenfalls lokalanästhetisch wirkt.

Bei sehr starken Schmerzen können kurzfristig Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen in altersentsprechenden Dosierungen gegeben werden. Besonders der Durchbruch der großen Backen- und Eckzähne ist oft derart schmerzhaft, dass sich das Kind nur noch mit Schmerzmitteln beruhigen lässt. Das Hervortreten der scharfen und flachen Schneidezähne ist meist weniger qualvoll.

Alternativmedizin

Homöopathisch sind Einzelmittel wie Belladonna, Chamomilla, Magnesium phosphoricum, Pulsatilla, Coffea oder Nux vomica gängig. Eine Alternative sind ausgewählte Kombinationspräparate, die als Globuli, Zäpfchen oder Tropfen zur Verfügung stehen. Ein bewährtes Komplexmittel enthält beispielsweise eine Fünferkombination aus Chamomilla recutita D6, Calcium phosphoricum D12, Magnesium phosphoricum C6, Calcium carbonicum C8 und Ferrum phosphoricum C8. Magnesium phosphoricum soll beim Zahnen vor allem plötzlich auftretende stechende Schmerzen lindern, Calcium carbonicum bei erschwerter oder verzögerter Zahnung unterstützen und Ferrum phosphoricum ist das Mittel für entzündete Schleimhäute, Unruhe, erhöhte Temperatur und Durchfall. Damit werden nicht nur verschiedene Problematiken, die beim Zahnen auftreten, erfasst. Zudem sind die Zahnungskügelchen im Gegensatz zu den klassischen Globuli zuckerfrei.

Vorsicht mit Hausmitteln bei Zahnungsbeschwerden

Der weitverbreitete Tipp, Säuglinge auf Karotten oder Brotkanten beißen zu lassen, birgt die Gefahr, dass sich das Kind daran verschluckt. Zudem kann der unter Umständen in den Nahrungsmitteln enthaltene Zucker Karies fördern, schon bei den ersten Zähnchen.

Ebenso ist die vor allem in anthroposophischen Kreisen verbreitete Empfehlung, den Kindern Bernsteinketten zur Linderung der Schmerzen umzuhängen, problematisch. Auch hier ist das Verschluckungsrisiko groß, wenn sich Perlen beim Darauf-Herumkauen lösen. Außerdem besteht Verletzungsgefahr, da einzelne Bernsteinstücke so scharfkantig sein können, dass sich das Kind im Mundraum verletzt.

Auch von Veilchenwurzeln, die früher eine gängige traditionelle und durchaus wirksame Empfehlung waren, ist eher abzuraten. Sie haben den Nachteil, dass sie bakteriell belastet sein können und Bakterien einen idealen Nährboden bieten. Daher weisen Sie bei ihrer Abgabe – falls doch unbedingt erwünscht – bitte immer darauf hin, die Wurzel regelmäßig auszukochen.

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