Alarm: Infektionen im und am Mund
22 Minuten
- 1Anatomie der Zähne
- 2Karies & Co.
- 3So fängt es an: das Zahnen
- 4Zähneputzen: Methoden
- 5Zahnpasta & Mundspülug
- 6Infektionen durch Bakterien & Pilze
- 7Aphthen & Herpes
- 8Lernerfolgskontrolle
01. März 2026
Häufiger Mundsoor
Prothesenträger haben häufig mit Druckstellen zu kämpfen. Sie werden vor allem durch Veränderungen des Kieferknochens hervorgerufen. Sie können aber auch durch Nahrungsmittelreste ausgelöst werden, die unter die dritten Zähne rutschen und sich dort festsetzen. Die Druckstellen sind nicht nur unangenehm, sie können auch sehr schmerzhaft werden, da sie mit kleinen Verletzungen des Zahnfleisches einhergehen und unbehandelt im weiteren Verlauf mikrobielle Infektionen nach sich ziehen können.
Problematisch sind zudem die feucht-warmen Nischen unter Prothesen, in denen sich durch Okklusionseffekte Pilze leicht ansiedeln und stark vermehren können. Symptome wie Schluckbeschwerden mit Brennen im Mund sowie weiße bis gelbliche Flecken und Beläge auf der Zunge oder im Rachen lassen auf einen Befall mit Hefen (Candida albicans) auf den Schleimhäuten im Mundraum schließen. Man spricht von einer Mundsoor.
Hefen sind bei zwei Drittel aller Menschen im oralen Mikrobiom zu finden. Sie zählen zu den fakultativ pathogenen Erregern. Das heißt, sie können sich unter besonderen Bedingungen stark vermehren und dann zu Infektionen führen.
Da es sich bei Prothesenträgern meist um ältere Menschen handelt, erhöht sich bei ihnen die Wahrscheinlichkeit für mikrobielle Infektionen im Mundraum. Senioren leiden altersbedingt vermehrt an Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer Immunschwäche.
Andere Ursachen für Pilzinfektionen im Mund
Säuglinge infizieren sich häufig durch unsachgemäß gereinigte Schnuller und Flaschensauger. Auch beim Stillen von einer infizierten Brustwarze werden Hefen übertragen. Seltener gelangen Pilze aus dem vaginalen Mikrobiom der Mutter während der Geburt auf die kindlichen Schleimhäute.
Bei einem Diabetiker wird durch die hohen Blutzuckerwerte das Wachstum von Candida albicans begünstigt, da der Zucker den Hefen als Nährstoff dient. Zudem schwächt die Erkrankung die Immunabwehr.
Zusätzlich kann eine Antibiose, die Einnahme von Glucocorticoiden oder eine Therapie mit Chemotherapeutika das vermehrte Ansiedeln von Mikroorganismen begünstigen. Auch Jüngere haben unter diesen Bedingungen ein erhöhtes Risiko für orale Candidosen.
- Corticoide unterdrücken das lokale und systemische Immunsystem. Vor allem bei der Anwendung inhalativer Corticoide (z. B. in Asthmasprays) kann sich der Pilzbefall leicht direkt in der Mundhöhle entwickeln.
- Bei einer Antibiose wird durch die Abtötung von Bakterien das Gleichgewicht des Mikrobioms im Mundraum gestört, sodass Pilze die Möglichkeit erhalten, sich stark zu vermehren und auszubreiten.
- Unter Chemotherapie ist das geschwächte Immunsystem nicht mehr in der Lage, effektiv die im Mundraum vorhandenen Candidapilze zu kontrollieren.
Probiotische Lutschtabletten
Das Lutschen probiotischer Tabletten soll die Zusammensetzung des Mikrobioms im Mundraum verändern. Die Lutschtabletten enthalten Bakterien wie beispielsweise Lactobacillus reuteri und Lactobacillus salivarius, die im Speichel natürlich vorkommen. Beide sollen eine hemmende Aktivität und eine bakterizide Wirkung gegen kariesfördernde Bakterien aufweisen. Zugleich sollen sie das natürliche Gleichgewicht der Keime im Mundraum wiederherstellen und damit die natürlichen Abwehrmechanismen des Mundes stärken. Eine Plaque-Neubildung und eine Besiedlung mit pathogenen Bakterien soll auf diese Weise gehemmt werden. Besonders profitieren von den probiotischen Lutschtabletten demnach Personen mit einer bestehenden Gingivitis oder Parodontitis sowie solche, die besonders anfällig für Zahnfleischinfektionen sind.
Mundsoor durch Druckstellen: immer therapiebedürftig
Mit Prothesenhaftmitteln lassen sich kleine Unebenheiten im Kiefer ausgleichen, sodass die Prothesen besser halten und folglich keine oder zumindest weniger Druckstellen, Zahnfleischverletzungen und feucht-warme Nischen entstehen. Die Produkte enthalten Quellstoffe (z. B. Alginate, Methylcelluose) und stehen als Haftcreme oder Haftpulver zur Verfügung.
Tinkturen oder Mundgele mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Pflanzenextrakten (z. B. aus Kamille, Rhabarberwurzel, Teebaumöl, Salbei, Myrrhe, Gewürznelken) lindern die damit einhergehenden Schmerzen. Zudem fördern sie ein schnelleres Abheilen der Druckstellen und bekämpfen leichte bakterielle Entzündungen.
Als Alternative stehen schmerzbetäubende Gele mit Lokalanästhetika (z. B. Lidocain, Polidocanol) zur Verfügung. Diese werden auch von Zahnspangenträgern geschätzt, bei denen schmerzhafte Druckstellen ebenfalls höufig vorkommen.
Antimykotika mit Miconazol und Nystatin sind Mittel der Wahl bei Mundsoor. Sie werden entweder als gut haftende Mundgele auf die befallenen Schleimhautareale appliziert oder kommen als Lutschtabletten oder Suspension zur Anwendung. Die flüssige Variante sollte vor dem Hinunterschlucken möglichst lange im Mund behalten werden, um die Mundhöhle vollständig zu benetzen.
Mundwinkelrhagaden
Mundsoor ist häufig mit Mundwinkelrhagaden vergesellschaftet. Mundwinkelrhagaden sind schmerzhafte, entzündliche Einrisse der Haut an den Mundwinkeln. Sie treten meist beidseitig auf und entstehen durch das Zusammenspiel von Feuchtigkeit, mechanischer Belastung und Hauttrockenheit.
Wenn die Haut an den Mundwinkeln häufig feucht wird – etwa durch Speichelfluss, Lippenlecken oder schlechtsitzende Zahnprothesen – quillt sie auf. Beim anschließenden Austrocknen reißt sie leicht ein, besonders durch Bewegung und Spannung. Beim Abheilen verkrustet sie.
Häufig heilen Rhagaden nur langsam ab, vor allem wenn sie mit Pilzen (meist Candida albicans) oder Bakterien (Staphylococcus aureus) infiziert sind. Ein Nährstoffmangel an Eisen, Zink oder Vitamin B2 sowie Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus können die Entstehung von Mundwinkelrhagaden begünstigen.
Die Behandlung von Mundwinkelrhagaden richtet sich nach ihrer Ursache. Mit Wundpflegesalben (z. B. mit Zink, Dexpanthenol) lässt sich die Haut beruhigen und die Heilung fördern. Bei nachgewiesenen Infektionen kommen zusätzlich antimykotische oder antibakterielle Cremes zur Anwendung. Wichtig ist außerdem, die Haut trocken und geschmeidig zu halten. Mangelzustände sollten gezielt ausgeglichen werden, um einem Wiederauftreten vorzubeugen.











