Alarm: Infektionen im und am Mund
22 Minuten
- 1Anatomie der Zähne
- 2Karies & Co.
- 3So fängt es an: das Zahnen
- 4Zähneputzen: Methoden
- 5Zahnpasta & Mundspülug
- 6Infektionen durch Bakterien & Pilze
- 7Aphthen & Herpes
- 8Lernerfolgskontrolle
01. März 2026
Schmerzhafte Aphthen
Aphthen können äußerst schmerzhaft sein. Die kleinen Läsionen manifestieren sich typischerweise an der Mundschleimhaut, können aber auch an Lippe, Zunge und Gaumen auftreten. Dabei handelt es sich um nicht ansteckende, häufig flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die von einem roten Wundrand umgeben sind. Meist sind sie etwa linsengroß und heilen innerhalb von wenigen Tagen spontan und narbenlos ab (Minor-Aphthen).
Seltener sind es bis zu 30 Millimeter große Geschwüre, die mit einer Gewebezerstörung und Narbenbildung einhergehen (Major-Aphthen). Diese Läsionen benötigen einige Wochen, bis sie komplett wieder verschwunden sind.
Schließlich gibt es noch herpetiforme Aphthen (Stomatitis herpetiformis), die in einer großen Anzahl (bis zu 100) zeitgleich auftreten. Sie sind nur stecknadelknopf groß und persistieren sieben bis zehn Tage. Obwohl sie Herpes-Läsionen ähneln, werden sie nicht von Herpes-simplex-Viren ausgelöst.
Die genaue Ursache für eine Aphthenbildung ist unbekannt, wobei eine familiäre Häufung festzustellen ist. Frauen sind häufiger als Männer betroffen, weshalb hormonelle Ursachen diskutiert werden. Manchmal sind es auch einfach nur schlechtsitzende Prothesen oder Zahnspangen, die Aphthen bedingen. Ebenso kann der Kontakt mit zu heißen oder scharfkantigen Lebensmitteln die entzündlichen Läsionen auslösen. Bei manchen Betroffenen scheint Stress und Schlafmangel eine Rolle zu spielen.
Zudem werden Aphthen mit Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten (z. B. Zöliakie) in Zusammenhang gebracht. Mitunter sind sie aber Zeichen einer Systemerkrankung (z. B. Systemischer Lupus erythematodes, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Daher sollten Sie Kunden mit häufig wiederkehrenden oder hartnäckigen Aphthen immer den Gang zum Arzt anraten, der dann eine weitere Diagnostik einleitet.
Aphthen behandeln
Prinzipiell lassen sich die schmerzhaften Läsionen nur symptomatisch behandeln. Dafür stehen Lokaltherapeutika aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung.
- Zu den Klassikern zählen schmerzlindernde und lokalbetäubende Substanzen wie Lidocain, Polidocanol, Benzocain oder Benzydamin, die als Gele, Lutschtabletten, Mundspüllösungen oder Sprays zur Anwendung kommen.
- Unter den pflanzlichen Zubereitungen haben sich vor allem Kamillen- und Rharbarberwurzel-Extrakt sowie Myrrhen- oder Ratanhiatinktur bewährt. Sie verfügen meist über entzündungshemmende, adstringierende und antiseptische Eigenschaften zugleich.
- Daneben können Mundspüllösungen mit Chlorhexidin, Hexitidin, Octenidin oder Povidon-Jod aufgrund ihrer antiseptischen Wirkung Linderung verschaffen.
- Speziell gegen Aphthen werden Hafttabletten mit Triamcinolon rezeptfrei angeboten. Die kleinen Tabletten werden mit ihrer orangen, wirkstoffhaltigen Seite direkt auf die Aphthe aufgebracht. Nach etwa zwei bis drei Minuten bildet sich ein gelartiger Film über dem Schleimhautdefekt, aus dem der antientzündliche Wirkstoff langsam freigegeben wird.
- Ebenso bilden Zubereitungen mit Hyaluronsäure eine schützende, schmerzlindernde Schicht und fördern die Regeneration der lädierten Schleimhaut.
- Wundheilungsfördernd wirken auch Zubereitungen mit Dexpanthenol. Sie kommen entweder unverdünnt als Lösung zum Auftragen oder als Mundspüllösung zur Anwendung. Eine Alternative ist Dexpanthenol in Tabletten, die man langsam im Mund zergehen lässt
- Zudem sind Medizinprodukte zum Auftragen oder Sprühen mit Hyaluronsäure und Dexpanthenol in Kombination erhältlich, die explizit für Aphthen ausgelobt sind und sich wie ein unsichtbares Pflaster auf die schmerzhaften Läsionen legen.
Für alle Zubereitungen gilt, dass sie möglichst nach den Mahlzeiten zur Anwendung kommen sollten, um eine lange Verweildauer zu erzielen. Eine Ausnahme ist mit Lokalanästhetika möglich. Werden sie vor dem Essen aufgetragen, lindern sie die Schmerzen beim Schlucken, was die Nahrungsaufnahme erleichtern kann.
Lippenherpes und Mundfäule
Zu den viralen Infektionen im und am Mund zählt Lippenherpes (Herpes labialis). Hauptverursacher ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), seltener kann durch oro-genitalen Kontakt das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) von den Geschlechtsorganen auf die Lippe übertragen werden.
Herpes simplex-Viren manifestieren sich als juckende, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Bevorzugt werden die Bereiche am Übergang von Schleimhaut zu normaler Haut infiziert, sodass sich die Bläschen besonders am Übergang zum Lippenrot und in den Mundwinkeln präsentieren. Seltener entwickeln sich schmerzhafte Aphthen im Mund, die auch als Mundfäule (Stomatitis aphthosa) bezeichnet werden.
Herpes labialis zeigt einen charakteristischen Verlauf, wobei Dauer und Schweregrad individuell unterschiedlich sind. Eine Episode dauert unbehandelt etwa sieben bis zwölf Tage und untergliedert sich in sieben Phasen:
- Prodromalphase
- Erythemphase
- Papelphase
- Vesikelphase
- Ulzerationsphase
- Verkrustungsphase
- Abheilungsphase
Die Infektion verläuft selbstlimitierend, wobei das Virus aber nicht vernichtet wird. Es zieht sich vielmehr nach der erfolgten Reaktivierung wieder entlang der Nervenbahnen in die Nervenknoten (Ganglien) ihres Wirts zurück, zum Beispiel in die Ganglien des Rückenmarks oder des Trigeminus.
Dort überdauert es in einer Art Ruhezustand (Latenzstadium), ohne den Wirt zu schädigen. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa bei Stress, Infektionskrankheiten oder durch andere Erkrankungen, die die Abwehr schwächen, werden die schlafenden Herpesviren wieder aktiv und damit virulent. Bis dahin können Wochen, Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte vergehen.
Mit antiviralen Topika (z. B. Aciclovir, Penciclovir, Melissenextrakt, Docosan-1-ol, Zinksulfat) lassen sich die Symptome lindern und der Krankheitsverlauf verkürzen, vorausgesetzt, sie werden beim ersten Spannungsgefühl aufgetragen. Eine vollständige Eliminierung der Viren ist aber auch medikamentös nicht möglich. Vielmehr unterbinden sie ein Eindringen der Viren in die Wirtszellen, reduzieren ihre Vermehrung und fördern ein Abheilen der Läsionen.
Spiralin, ein spezieller Mikroalgen-Aktivstoff, legt sich wie ein unsichtbarer pflegender Schutzfilm über die Lippen und unterstützt die Regeneration der Haut während und nach einem Ausbruch.
Vorsicht mit Hausmitteln bei Lippenherpes
Teebaumöl, das bei Lippenherpes als natürliche Option angepriesen wird, birgt ein hohes allergisches Potenzial und ist somit nicht empfehlenswert. Ebenso ist von Hausmitteln wie Zahnpasta, Heilerde oder alkoholischen Lösungen abzuraten. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Zudem können sie die Haut zusätzlich austrocknen oder reizen und sich damit unter Umständen negativ auf den Heilungsverlauf auswirken. Vielmehr sollte die empfindliche Lippenhaut immer – auch prophylaktisch – gut gepflegt werden. Dafür eigenen sich Lippenpflegestifte mit einem hohen Lichtschutzfilter.
Die Autorin versichert, dass keine Interessenkonflikte im Sinne von finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten bestehen, die von den Inhalten dieser Fortbildung positiv oder negativ betroffen sein könnten.











