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Hautzustand

TROCKENE HAUT – WAS TUN?

Bei trockener Haut handelt es sich nicht nur um ein lästiges kosmetisches Problem. Denn die trockene Haut kann ihre wichtigen Funktionen nur unzureichend erfüllen, und das kann schlimme Folgen haben.

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Woran erkennen Sie trockene Haut? Äußerlich an Rötungen, schuppenden Stellen und an Fältchen bereits bei jüngeren Menschen. Sie schaut glanzlos und stumpf aus und hat raue Stellen. Große Poren und Fettglanz sind nicht zu erkennen. Befragt man Betroffene nach deren Hautgefühl nach dem Waschen, so berichten sie meistens von einem Spannungsgefühl und oft auch von Juckreiz. Mit Einverständnis der Kunden können Sie auch einen Test machen: Sie schieben vorsichtig Ihren mit einem Kosmetiktuch umwickelten Finger auf der Wangenhaut vom Ohr Richtung Nase. Bei trockener Haut bilden sich dabei Knitterfältchen.

Welche Folgen kann trockene Haut haben?Dazu müssen Sie sich die vielfältigen Aufgaben des größten menschlichen Organs nochmal vergegenwärtigen. Diese sind unter anderem die Barrierefunktion, die Temperaturregulation, der physikalische Schutz, der UV-Schutz und die Immunabwehr. All diese Funktionen kann trockene Haut nur unzulänglich erfüllen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Barrierefunktion. Damit diese in vollem Umfang erfüllt werden kann, bildet die oberste Hautschicht, die Epidermis, den Säureschutzmantel, auch Hydrolipidfilm genannt. Zum einen ist der Säureschutzmantel durch milde Säuren – wie die durch Milchsäurebakterien gebildete Milchsäure – leicht sauer, der pH-Wert beträgt etwa 5.

Leicht missverständlich in diesem Zusammenhang ist übrigens bei Wasch- und Pflegeprodukten der Ausdruck „hautneutral“. Damit ist gemeint, dass das jeweilige Produkt den gleichen pH-Wert wie die Haut besitzt, sich also in dieser Hinsicht nicht von der Haut unterscheidet. Das Produkt ist keineswegs im chemischen Sinn neutral, sonst hätte es einen pH-Wert von 7. Durch das leicht saure Milieu können alkalische (das bedeutet basische, laugige) Substanzen abgepuffert werden. Außerdem wird die Besiedlung mit problematischen Keimen verhindert. Man spricht von einer mikrobiellen Barriere, durch welche sich problematische Mikroorganismen wie Pilze oder Aknebakterien bei intaktem Zustand nur schlecht vermehren können.

Der zum Säureschutzmantel synonyme Ausdruck Hydrolipidfilm weist auf die Eigenschaft als Emulsion hin. Die wässrige Phase („Hydro“) bildet sich aus dem Schweiß der Haut, die ölige Phase („Lipid“) aus dem Talg. Im wässrigen Teil befinden sich die sogenannte NMFs. Die Abkürzung steht für „Natural Moisturizing Factors“, also natürliche Feuchthaltefaktoren. Zu ihnen gehören zum Beispiel Substanzen wie Harnstoff (Urea), Milchsäure sowie deren Salz, das Lactat. Diese NMFs sind entscheidend für den Wassergehalt in der obersten Hautschicht, der Epidermis. Da sie leicht herzustellen sind, werden sie gerne in Feuchtigkeitscremes verwendet. Im Bindegewebe der Haut befinden sich weitere feuchtigkeitsbindende Substanzen wie die Hyaluronsäure.

Durch ihre extreme Wasserbindungsfähigkeit verhilft sie der Haut zu einem straffen Erscheinungsbild. Früher konnte Hyaluronsäure nur aus Hahnenkämmen isoliert werden. Seit sie auch gentechnisch im Labor gewonnen werden kann, ist sie in der Kosmetikindustrie äußerst beliebt und auch für Vegetarier und Veganer kein Problem. Beim Talg handelt es sich um ein dickflüssiges Gemisch aus verschiedenen Lipiden. Besonders wertvolle Lipide sind Triglyceride, die ungesättigte Fettsäuren enthalten. Zu den essenziellen ungesättigten Fettsäuren gehört unter anderem die Linolsäure. Diese ungesättigte Fettsäure muss also unbedingt in der Nahrung enthalten sein und kommt in pflanzlichen Ölen wie Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Rapsöl und Leinöl vor.

Der höchste Gehalt findet sich in Traubenkernöl und Distelöl, Olivenöl hingegen enthält leider nur einen geringen Anteil an Linolsäure. Aus Linolsäure wiederum kann der menschliche Körper die für die Entzündungsabwehr und Barrierefunktion der Epidermis wichtige ungesättigte Fettsäure Gamma-Linolensäure herstellen. Diese kann aber auch aus der Nahrung aufgenommen werden, beispielsweise aus Nachtkerzensamenöl oder Borretschöl. Auch bei Reinigungs- und Pflegeprodukten für trockene Haut sind diese ungesättigten Fettsäuren wertvolle Inhaltsstoffe, die die Haut sowohl von innen als auch von außen optimal versorgen.

Was können Sie empfehlen?Der erste entscheidende Schritt ist die richtige Reinigung. Gerade hierüber machen sich die meisten Menschen die wenigsten Gedanken und dabei deshalb die größten Fehler. Als waschaktive Substanzen (Tenside) sind auf alle Fälle hautneutrale Syndets (synthetische Detergenzien) zur Erhaltung des Säureschutzmantels zu bevorzugen. In letzter Zeit hat sich in der Kosmetikindustrie der in Fachkreisen schon länger bekannte Ausdruck „Mizellenwasser“ verbreitet. Dabei handelt es sich um eine wässrige Lösung mit kugelförmigen Partikel aus hydrophilen (wasserliebenden) und lipophilen (fettliebenden) Bestandteilen. Beim Waschen verbinden sich die lipophilen Teile mit den fettartigen Schmutzteilchen und umschließen diese.

Das Wasser wiederum verbindet sich mit den hydrophilen Anteilen der Mizellen. Da auch körpereigene Substanzen mit abgelöst werden, muss darauf geachtet werden, dass alle Tensidreste zum Schluss mit Wasser abgespült werden. Um den Plastikverbrauch zu reduzieren, suchen immer mehr Kunden nach verpackungsfreien Alternativen. In diesem Zusammenhang greifen wieder mehr Menschen nach Seifen. Leider handelt es sich aber klassischerweise um alkalische Fettsäuresalze, auch wenn sie wegen ihrer pflanzlichen Beimischungen oft als Pflanzenseifen bezeichnet werden.

Sie sind stark alkalisch (pH 10 bis 11) und zerstören den Säureschutzmantel nachhaltig. Als Alternative bieten sich sogenannte Waschstücke an, die keine Seifen, sondern Syndets enthalten und einen schwach sauren pH-Wert aufweisen. Möchte Ihr Kunde wegen des erfrischenden Gefühls ein Gesichtswasser zum Tonisieren verwenden, so darf dieses keinesfalls Alkohol enthalten. Alkohol trocknet eine ohnehin schon trockene Haut zusätzlich aus. Das Gesichtswasser sollte hautneutral sein und beruhigende Wirkstoffe wie Allantoin oder das Hautvitamin Dexpanthenol beinhalten.

Nicht auslaugenEin weiteres Problem bei trockener Haut ist, dass heutzutage das Waschverhalten nicht nur zur Reinigung dient, sondern Vollbäder auch zur Entspannung oder für therapeutische Zwecke als Erkältungsbäder oder bei Muskelverspannungen angepriesen werden. Die Haut trocknet aber leider dabei schnell aus. Auch das Duschen dient nicht mehr allein zur Reinigung, sondern ist für die meisten Menschen auch ein regelmäßiges, mindestens tägliches Erfrischungsritual. Für Menschen mit trockener Haut stellt dies aber eine zusätzliche Belastung dar, da hierbei alle Hautpartien, nicht nur die schmutzigen, von der Entfettung betroffen sind. Falls Ihr Kunde auf häufiges Duschen oder Baden nicht verzichten kann oder will, sollten Sie ihm zu milden Syndets raten.

Bei sehr trockener Haut empfehlen sich Duschöle. Auch wenn nach dem möglichst kurzen Duschen mit nicht zu heißem Wasser (höchstens 36 °C) ein leichter Fettfilm auf der Haut zurückbleibt, muss an besonders dünnen, empfindlichen Stellen wie an den Schienbeinen zusätzlich eine Körperlotion aufgetragen werden. Außerdem sollten Sie Ihre Kunden auf die Rutschgefahr in der Duschwanne nach dem Duschen hinweisen. Medizinische Ölbäder hingegen wirken nicht reinigend. Sie dienen der Behandlung der sehr trockenen Haut und ziehen beim Verlassen der Badewanne einen Ölfilm über die Haut, die nicht abgetrocknet, sondern nur vorsichtig trocken getupft werden soll. Auch hier ist es wichtig, auf die Rutschgefahr hinzuweisen.

Nach der Reinigung kommt die Pflege.Ziel dabei ist es, der Haut Feuchthaltefaktoren und Lipide zukommen zu lassen. Für das Gesicht bietet sich als Tagespflege eine fettreiche Creme auf O/W-Basis an, da W/O-Cremes auf der Haut glänzen und deshalb als Nachtcremes besser akzeptiert werden. Welche Creme bevorzugt wird, ist bei vielen Menschen auch von der Jahreszeit abhängig. Weil im Winter die Lipide des Talgs dickflüssiger sind, können sie sich auf der Haut weniger gut verteilen, weshalb die Haut noch trockener wird und eine reichhaltigere Creme benötigt wird. Im Sommer hingegen bevorzugen die meisten eine leichtere Creme. Als Wirkstoffe in feuchtigkeitsspendenden Tagescremes können sie neben den bereits erwähnten NMFs auch die Inhaltsstoffe von Aloe Vera sowie Vitamin E (Tocopherol) empfehlen.

Kommt noch Juckreiz hinzu, hilft zusätzlich Polidocanol in einer Konzentration von 1,4 bis 4 Prozent. Potenzielle Allergene wie Konservierungsstoffe, Farb- und Parfümstoffe sollten gemieden werden. Nachtcremes sind bei trockener Haut sehr zu empfehlen, da ihre Inhaltsstoffe über Nacht in der Regenerationsphase der Haut besonders gut aufgenommen werden können und das Glänzen der reichhaltigen W/O-Creme auch als weniger störend empfunden wird. Neben den genannten Wirkstoffen können in der ölhaltigen Phase weitere wertvolle fette Öle, Ceramide und auch Vitamin A (Retinol) verarbeitet sein.

Lichtschutzfaktoren sind in Nachtcremes natürlich nicht notwendig. Als Ergänzung bieten viele Pflegeserien Feuchtigkeitsmasken an, die zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich angewendet werden können. Peelings sollten höchstens einmal pro Woche und nur vorsichtig verwendet werden. Ein Feuchtigkeitskonzentrat, oft auch Serum genannt, kann zusätzlich unter die Tages- oder Nachtcreme gegeben werden. Zum Schluss ein letzter, häufig vergessener Tipp für Ihre Kunden: Genug trinken, denn das versorgt den Körper von innen mit Feuchtigkeit!

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 09/19 ab Seite 109.

Ute Kropp, Apothekerin und PKA-Lehrerin

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