Pärchen auf dem Boden © GeorgeRudy / iStock / Thinkstock
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Emotionen

LIEBE

Schon der französische Autor Marcel Aymé (1902–1967) behauptete, dass „Liebe der angenehmste Zustand teilweiser Unzurechnungsfähigkeit ist“. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dies weitgehend.

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Liebe macht blind – so lautet ein altes und oft zitiertes Sprichwort. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass an der Redewendung etwas dran ist: Wer frisch verliebt ist, ist für die Reize fremder Personen unempfänglich. Liebende sehen alles durch die rosarote Brille und der Blick für die Fehler und Schwächen des Objekts der Begierde ist getrübt. Anhand der Aussage „Liebe macht blind“ wird deutlich, dass man in der „Alltagspsychologie“ von einem Antagonismus zwischen „Denken“ und „Gefühl“ ausgeht: Danach beeinträchtigen Emotionen wie Liebe die rationale Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Arten der Liebe Laut Duden handelt es sich bei der Liebe um „ein starkes und inniges Gefühl der Zuneigung“. Jedoch stellt Zuneigung noch keine Liebe dar, der Unterschied liegt in der Exklusivität: Menschen haben in der Regel nichts dagegen, wenn Freunde andere Freunde haben, aber sehr wohl, wenn der Partner noch weitere Personen liebt. Liebe gilt auch als ein Mittel zum Zweck, um Bindungen zwischen zwei Menschen zu stabilisieren. Man differenziert verschiedene Formen wie Mutterliebe, Geschwisterliebe, Partner- oder gar Gottesliebe. Es ist zwar stets dieselbe emotionale Empfindung gemeint, dennoch unterscheiden sie sich.

Gefährlicher Zustand Die Forscherin Donatella Marazziti von der Universität Pisa hat vor einigen Jahren die Biochemie verliebter Personen untersucht. Sie fand heraus, dass Verliebte sich ähnlich wie Zwangspatienten verhalten. Was sich bei Menschen mit Zwang in Handlungen äußert, zeigt sich bei Liebenden in den Gedanken, die nur noch um eins kreisen und zwar um die angehimmelte Person. Bei beiden Personengruppen stellte die Psychiaterin einen auffällig niedrigen Serotonin-Spiegel fest.

Auch die amerikanische Anthropologin Professor Helen Fisher bestätigte, dass sich Verliebte kopflos verhalten und teilweise so, als hätten sie den Verstand verloren. Die Hirnforscher Semir Zeki und Andreas Bartels vom University College in London untersuchten die Hirnaktivität von Verliebten mit Hilfe eines Kernspintomographen und bemerkten, dass genau die Areale, die mit Depressionen im Zusammenhang standen, weniger aktiv waren, wenn die Probanden Bilder der Liebsten betrachteten. Zusätzlich wurde die Erregung in Hirngebieten, die für eine kritische Beurteilung anderer wichtig waren, ebenfalls heruntergefahren.

Der Sexualforscher und Paartherapeut Professor Michael Berner aus Bad Säckingen erklärte, dass ein Hormoncocktail aus Noradrenalin, Oxytocin und Dopamin Liebende in den Ausnahmezustand versetzt. Oxytocin ist ein Hormon, welches bei Bedarf aus dem Hypophysenhinterlappen ausgeschüttet wird, und unter anderem Einflüsse auf das Sexualverhalten ausübt. Durch die Zufuhr von Oxytocin (über ein Nasenspray) konnten beim Menschen folgende positive Verhaltenskonsequenzen beobachtet werden:

  • Steigerung des Vertrauens
  • häufiger Blickkontakt
  • besseres Erinnerungsvermögen für Gesichter
  • großzügigeres Verhalten
  • empathisches Verhalten
  • Angst- und Stressreduktion.


Die Wissenschaftlerin Professor Beate Ditzen aus Heidelberg untersuchte in ihrer Studie die Wirkung von Oxytocin an 47 Paaren. Einige Probanden erhielten das Hormon als Nasenspray, andere ein Placebo-Spray. Die Versuchspersonen sollten dann über ein Konfliktthema streiten, wobei sie mit einer Videokamera aufgenommen wurden. Das Resultat war, dass Paare unter Oxytocin-Einfluss liebevoller miteinander umgingen und weniger heftig reagierten.

Was bedeutet der Spruch „Liebe geht duch den Magen?“ Heißt es, dass ein romantisches Essen den Weg zum Herzen ebnet?

Wolke 7 Liebe und Verliebtheit haben viele Gemeinsamkeiten: Man empfindet Freude über das Zusammensein, sehnt sich nach der Anwesenheit des Partners oder spürt ein Bedürfnis nach Zärtlichkeit. Verliebte sind nervös und haben Herzklopfen, wenn sie ihrem Objekt der Begierde gegenüberstehen. Nach einiger Zeit klingen diese „Symptome“ allerdings ab und das Verliebtsein geht in Liebe über oder die Beziehung endet.

Studien zufolge hält das Verliebtsein zwei bis vier Jahre an, danach folgt in der Regel eine Bindungsphase, in der ein Paar die Lebenseinstellungen und Werte miteinander abgleicht und Zukunftspläne aufstellt. Auch in dieser Phase spielt das Hormon Oxytocin eine bedeutsame Rolle: Der Botenstoff bindet Paare aneinander und fördert monogames Verhalten. Während sich das Verliebtsein durch körperliche Empfindungen kennzeichnet, sind Vertrauen und Verantwortung hingegen die Grundlagen der Liebe.

Liebe ist Arbeit Wechselseitige Liebe ist zwar die Voraussetzung für eine Partnerschaft, dennoch reicht sie nicht aus, um eine Beziehung dauerhaft aufrechtzuerhalten, denn auch Eigenschaften wie Empathie, Verlässlichkeit und Konfliktfähigkeit sind bedeutsam. Damit Liebe Bestand hat, müssen sich die Partner immer wieder miteinander beschäftigen und gemeinsame Dinge erleben. Auch eine gute Kommunikation ist wichtig: Liebende sollten über Dinge sprechen, die sie bewegen, und stets zeigen, dass sie an der Bindung interessiert sind.

Die negative Seite Liebe kann auch süchtig oder abhängig machen. Zerbricht sie, weil sich der Partner beispielsweise trennt, treten Entzugssymptome wie depressive Verstimmungen, „Herzschmerz“, Appetitlosigkeit oder Kreislaufstörungen auf. Für Menschen mit Liebeskummer scheint ein Leben ohne den Geliebten nicht vorstellbar, sodass bei Verlassenen Trauer, Verzweiflung und Wut aufkommt. Betroffenen hilft es meist, wenn sie sich erst einmal ausweinen können und im Anschluss analysieren, was in der Beziehung schief gelaufen ist.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 05/18 ab Seite 110.

Martina Görz, PTA und Fachjournalistin

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