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Repetitorium

IMPFUNGEN – TEIL 3

Welche Impfungen sind nach Ablauf des Säuglingsalters relevant? Welche existieren für bestimmte Risikogruppen? Bei Auslandsaufenthalten sind zudem Reiseimpfungen häufig notwendig. Sind Sie auf dem neuesten Stand?

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Faktisch wird zwischen Grundlegenden Impfungen, die Säuglinge und Kleinkinder routinemäßig erhalten sollten, Auffrischimpfungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beziehungsweise Nachholimpfungen bei Kindern und Erwachsenen mit fehlender Grundimmunisierung unterschieden.

Daneben gibt es Indikationsimpfungen bei erhöhter Gefährdung von Personen beziehungsweise bei Angehörigen von Risikogruppen sowie Reiseimpfungen gegen Erkrankungen, die in den Subtropen, Tropen etc. auftreten, wobei die von der WHO veröffentlichten Informationen über Gebiete mit besonderen Infektionsrisiken zu beachten sind. Grundlegende Impfungen ab dem ersten Lebensjahr sind Impfungen gegen den Meningokokken C-Serotyp, Masern, Mumps, Röteln sowie die Varizellen .

Meningokokken C Die Erkrankung wird durch das Bakterium Neisseria meningitis (Meningokokken, zwölf verschiedene Serotypen) ausgelöst, die sich nach einer Tröpfcheninfektion, etwa nach Anhusten, in Mund und Rachen ansiedeln. Neben harmloseren Verläufen können die Bakterien eine Meningitis (Hirnhautentzündung) verursachen, die bei einem hochakuten Ausbruch trotz intensiver Antibiotikabehandlung (Penicillin G, Cephalosporin der dritten Generation) innerhalb weniger Stunden bei zehn Prozent zum Tod, ansonsten zu bleibenden Schäden wie Hörverlust, Blindheit, Lähmungen oder Krampfanfällen führen kann.

Starkes Krankheitsgefühl, Schüttelfrost, Fieber, Erbrechen, Nahrungsverweigerung, Apathie, Unruhe, Nackensteifigkeit als typisches Zeichen einer eitrigen Hirnhautentzündung, Blutvergiftung, schwere Gerinnungsstörungen bis hin zu Organversagen sind bekannte Symptome. Ein Impfstoff steht beispielsweise gegen den Serotyp C, der insbesondere in England, Spanien und Deutschland gehäuft auftritt, zur Verfügung. Seitdem die STIKO im Jahr 2006 hier zu Lande für alle Kinder nach dem ersten Geburtstag eine Impfung mit einem konjugierten Meningokokken-C-Impfstoff empfohlen hat, gehen die Erkrankungsraten stetig zurück.

Für noch nicht geimpfte Kinder und Jugendliche wird ein Nachholen bis zum 18. Lebensjahr als sinnvoll erachtet. Für Reisende in bestimmte Zielgebiete, etwa den Saharagürtel, Entwicklungshelfer oder Personen mit Immundefekten sowie in seltenen Ausnahmefällen besondere gefährdete Kleinkinder wird nicht nur eine Impfung gegen den Serotyp C, sondern auch gegen andere Serotypen empfohlen. Hierzu existieren mittlerweile einige Polysaccharid- beziehungsweise Konjugatimpfstoffe gegen unterschiedliche Serotypen.

Masern Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion sehr leicht und hochansteckend von Mensch zu Mensch übertragen. Nach einer Inkubationszeit von acht bis zwölf Tagen treten hohes Fieber, bellender Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, circa zwei Tage später ein typischer Hautausschlag mit bräunlich-rosa Flecken im Gesicht, hinter den Ohren und später zusammenfließend auch am ganzen Körper auf. Häufige Komplikationen sind Mittelohr-, Lungenentzündung, seltener Hirnentzündung (Masernenzephalitis) mit vielfach Folgeschäden oder gar tödlichem Ausgang.

»Die Masernimpfung erfolgt mit abgeschwächten, lebenden Masernviren und ist risikoärmer als die möglicherweise folgenschwere Direkterkrankung.«

Extrem gefürchtet ist insbesondere eine SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) mit unaufhaltsam, schleichendem Zerfall des Gehirns. Zwischen Maserninfektion und SSPE-Diagnose vergehen im Mittel sieben Jahre. Medikamente können bis heute bei einer Maserninfektion lediglich die Begleiterscheinungen lindern.

Nach § 6 Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind Masern sein 2001 meldepflichtig. Die WHO hat ihre Ausrottung als Ziel ausgegeben, was in Amerika, Australien und Skandinavien mittels Impfung auch erreicht wurde. In Ländern mit vergleichsweise niedrigen Impfraten, so auch in Deutschland, kommt es hingegen immer wieder zu Masernwellen, ja Epidemien. Nicht nur Kinder, auch Jugendliche und junge Erwachsene sind zunehmend betroffen. Schuld daran: Masern gehört hier zu Lande zu der am häufigsten verharmlosten „Kinderkrankheit“.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, daran zu erkranken sei „gesünder“ als die Impfung. Einige wohlmeinende Eltern veranstalten sogar „Masernpartys“, wenn ein Kind im Freundeskreis erkrankt ist, um ihre gesunden Kinder dort absichtlich zu infizieren. Die Impfung erfolgt jedoch mit abgeschwächten, lebenden Masernviren (Lebendimpfstoff) und ist vergleichsweise viel risikoärmer als die möglicherweise folgenschwere Direkterkrankung. Bevorzugt angewandt wird im Alter von 11 bis 14 Monaten der Dreier-Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR-Impstoff).

Bei der zweiten Impfdosis frühestens vier Monate danach, spätestens aber bis zum zweiten Geburtstag verwenden viele Kinderärzte auch gerne den MMRV-Impfstoff mit zusätzlichem Windpockenschutz. Auch nach 1970 geborene Erwachsene, die nicht nachweislich zwei Mal gegen Masern geimpft wurden, sowie ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche sollten die Impfung baldmöglichst nachholen lassen.

Mumps Ziegenpeter, eine durch Husten, Niesen (Tröpfcheninfektion), seltener durch Speichel (Kontaktinfektion) übertragene Virusinfektion, mit Fieber-, Kopf-, Gliederschmerzen und typischem Anschwellen der Ohrspeicheldrüsen (abstehendes Ohrläppchen) ist besonders wegen der schweren Komplikationen ernst zu nehmen. Bei jedem zehnten erkrankten Kind tritt eine Mumps-Meningitis (Hirnhautentzündung), seltener auch eine Enzephalitis auf. Typische Komplikation ist eine bleibende Schädigung des Hörnervs bis zur Taubheit.

Bei Mumpspatienten jenseits der Pubertät infizieren die Viren häufig auch andere Drüsen (Bauchspeicheldrüse, Hoden, Eierstock) mit der Folgegefahr von Unfruchtbarkeit, Sterilität. Medikamente gegen Mumps existieren nicht, lediglich Begleiterscheinungen können gelindert werden. Vollständiger Impfschutz wird hingegen mit zwei Serumgaben erreicht, in der Regel als MMR-Kombinationsimpfstoff.

Röteln Fieber, typische rote Hautflecken, Lymphknotenschwellungen sind Symptome einer durch das Rötelnvirus ausgelösten hochansteckenden Infektionskrankheit – via Tröpfcheninfektion leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Gefürchtet ist eine Rötelninfektion insbesondere während einer Schwangerschaft. Infizierte Ungeborene führen entweder zu einer Fehlgeburt oder die Kinder haben schwere Komplikationen mit ausgeprägten Fehlbildungen an Augen, Ohren, Herz und Gehirn (Rötelnembryofetopathie).

Auch hier gilt: Medikamente gegen Röteln existieren nicht, wohl aber ist eine vorbeugende Lebendimpfung verfügbar, die nach zweimaliger Durchführung lebenslange Immunität verspricht. Da nur die sichere Immunität der Mutter gegen das Rötelnvirus Schutz verspricht, sollten alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr, um eine gute Durchimpfungsrate der Bevölkerung zu erreichen auch die Jungen, gegen Röteln geimpft werden. Das Gleiche gilt für Erwachsene bei denen keine IgG-Antikörper gegen das Rötelnvirus nachweisbar sind, insbesondere dabei für gebährfähige Frauen. Mit Änderung des Infektionsschutzgesetzes zum 29. März 2013 sind Rötelnerkrankungen sogar meldepflichtig geworden – wie Pertussis (Keuchhusten), Mumps und Windpocken (Varizellen).

Varizellen (Windpocken) Hochansteckend ist auch das Varizella-zoster-Virus, dass via Tröpfcheninfektion oder über die Luft („Wind“-Pocken), seltener direkten Körperkontakt nach einer Inkubationszeit von 10 bis 21 Tagen schubweisen Hautausschlag mit roten, infektiösen Bläschen führt. Diese stark juckenden Bläschen trocknen später ein und verkrusten.

Eine Behandlung der Erkrankung erfolgt rein symptomatisch mit Juckreizlinderung und guter Hautpflege, damit sich die Bläschen nicht entzünden oder eine bakterielle Superinfektion auftritt. Die Viren bleiben nach der Abheilung teils allerdings in den Nervenschaltstellen und können bei Abwehrschwäche wieder aktiv werden und Herpes zoster (Gürtelrose) hervorrufen.

Noch mehr Wissen gefragt?
+ www.impfen-info.de – gut strukturierte Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA)
+ www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen_node.html – Informationsangebot des Robert Koch-Instituts zu Impfungen, inklusive einer Impfhotline speziell für Fachpersonal
+ www.dgk.de – die Seite des Deutschen Grünen Kreuzes. Sucheingabe „Impfen“ oder direkt unter
http://dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten.html. Es existieren zahlreiche Artikel und Links, auch international.

Je älter der Patient, desto schwerer ist in der Regel der Krankheitsverlauf. Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten als Komplikationen häufiger Gehirn- oder Lungenentzündung auf, bei Immungeschwächten sind bleibende Schäden oder gar ein tödlicher Ausgang möglich. Bei Schwangeren kann eine Infektion zu einer schweren Schädigung des Ungeborenen führen. Eine zweimalige Impfung mit Lebendimpfstoff, meist als MMRV-Kombinationsimpfstoff zusammen mit der Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln gegeben, schützt hingegen zuverlässig.

Auch Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren, die als Kind nicht geimpft wurden und keine Windpockenerkrankung durchgemacht haben, wird seitens der STIKO die Impfung empfohlen. Für ausgewählte Personengruppen, etwa für Senioren, Kinder oder Personen, die einer besonderen Infektionsgefahr ausgesetzt sind, können weitere Impfungen sinnvoll sein.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird durch den Stich infizierter Zecken übertragen. Bei einem typischen zweiphasigen Krankheitsverlauf zeigt sich nach 7 bis 14 Tagen zunächst ein grippeähnliches Krankheitsbild, mit zum Teil hohem Fieber, Kreuz- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei circa zehn Prozent folgt nach einer symptomfreien Woche dann die zweite Krankheitsphase mit schwerem Krankheitsgefühl, neurologischen Beschwerden, Befall des Zentralnervensystems und in Folge Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) beziehungsweise Poliomyelitis, ähnlich einer schweren Kinderlähmung. Bleibende Schäden und Todesfälle sind möglich.

Zur ursächlichen Behandlung der FSME existieren keine Medikamente, wohl aber existiert eine Schutzimpfung, die allen Menschen empfohlen wird, die sich vorübergehend oder dauerhaft in FSME-Risikogebieten aufhalten. In Deutschland sind dies insbesondere Bayern und Baden-Württemberg. Ansonsten sollten Land- und Forstarbeiter, Jäger, aber auch Urlauber, die sich häufig in freier Natur aufhalten (Camper, Spaziergänger, Radfahrer, Angler) und nicht zu vergessen die zahlreichen Hobbygärtner eine Impfung in Erwägung ziehen. Gleiches gilt für Reisen in FSME-Gebiete: So sind etwa Tschechien, die Slowakei, Ost- und Mitteleuropa, Russland, aber auch Teile Asiens stark von FSME betroffen. Die aktive FSME Impfung (Totimpfstoff, mit abgetöteten FSME-Viren) kann bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr verabreicht werden.

Influenza Auch gegen die echte Grippe, hervorgerufen durch Influenzaviren (ständig sich verändernde Serotypen) existiert eine Schutzimpfung, die hier zu Lande bevorzugt in den Herbst-/Wintermonaten durchgeführt wird. Empfohlen wird diese Impfung vorzugsweise Personen, die ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Erkrankungsfolgen haben. Dies sind Kinder und Erwachsene mit Grundleiden (Asthma, Diabetes, HIV; Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber-Nieren-Schäden, Multiple Sklerose etc.), über 60-Jährige, medizinisches Personal, aber auch werdende Mütter.

Eine Impfung wird in jedem Stadium der Schwangerschaft als unbedenklich eingestuft, grundsätzlich bei gesunden Frauen aber ab dem zweiten Trimenon empfohlen. Da sich die Grippeviren sehr schnell verändern können, sollte die Impfung jedes Jahr mit dem aktuellen Impfstoff, der die wichtigsten, erwarteten Grippevirusvarianten enthält, erneuert werden.

Das typische Krankheitsbild der Influenza ist plötzliches sehr schweres Krankheitsgefühl mit absoluter Erschöpfung, hohem Fieber, Schüttelfrost und heftigen Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten. Gefürchtet sind aber die Komplikationen wie eine akute Herz- und Kreislaufschwäche, Herzmuskelentzündung, bakterielle Zweitinfektionen, etwa eine Lungenentzündung, die manchmal innerhalb weniger Stunden tödlich sein kann.

Teil 1 finden Sie hier, zu Teil 2 gelangen Sie hier.

ZUSATZINFORMATIONEN

HPV (Humanes Papillomvirus)
Seit Juli 2007 empfiehlt die STIKO für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV). Das humane Papillomavirus (es gibt mehr als 100 verschiedene Typen) ist verantwortlich für die häufigste sexuell übertragbare Infektion.

Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen beziehungsweise Männer stecken sich im Laufe ihres Lebens mit HPV an. Die Ursprungsinfektion verläuft insbesondere in jungen Jahren meist recht harmlos, wird häufig sogar nicht bemerkt. Letztlich sind durch hervorgerufene Zellveränderungen die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 jedoch weltweit für 70 Prozent aller späteren Zervixkarzinome (Gebärmutterhalskrebs) verantwortlich. Die Papillomatypen 6 und 11 erzeugen eher Genitalwarzen (Feigwarzen).

Auf dem Markt sind gegenwärtig in Deutschland zwei HPV-Vakzine: Ein bivalenter Impfstoff primär gegen die HPV-Typen 16 und 18 und ein tetravalenter Impfstoff, der zudem die Typen 6 und 11 umfasst. Ein neuer rekombinanter nonavalenter Impfstoff, der zusätzlich weitere gefährdende HPV-Typen, die auch andere Krebserkrankungen erzeugen können, abdeckt, befindet sich noch in der klinischen Erprobung.

Da die Impfstoffe nur vorbeugend und nicht therapeutisch wirken, das heißt, bestehende Infektionen mit ihnen nicht behandelt werden können, ist eine Impfung laut STIKO vor dem ersten Sexualkontakt sinnvoll. Über den Sinn, mögliche sehr seltene Nebenwirkungen (Gebärmutterversagen) und die tatsächliche krebsverhütende Wirkung der Impfung, die drei Mal hintereinander im Abstand von einem beziehungsweise zwei und sechs Monaten durchgeführt werden muss, wird auch in Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert.

Dass Trekkingtouristen und Entwicklungshelfer in fremden Ländern anderen Infektionsgefahren ausgesetzt sind als Geschäftsreisende oder Badeurlauber im Vier-Sterne-Hotel liegt auf der Hand. Für Reisende ist deshalb grundsätzlich eine reisemedizinische Beratung empfehlenswert, die dabei auch länderspezifische Impf-Empfehlungen umfasst. Beim Gesundheitsamt, bei speziellen reisemedizinischen Beratungsstellen, etwa lokalen Reisemedizinischen Impfzentren und Tropeninstituten, häufig an Universitäten angesiedelt, aber auch dem Centrum für Reisemedizin (www.crm.de), inklusive „CRM Travel.Net“, einer Vernetzung von Apothekern, Ärzten und Reisebüros, oder dem Reisemedizinischen Infoservice „fit for travel“ (www.fit-for-travel.de), dem Privaten Tropeninstitut Dr. Gontard (www.tropeninstitut.de) sind die benötigten Informationen, teils auch die Impfungen erhältlich.

Insbesondere gegen Gelbfieber, Tollwut, Cholera und Typhus existieren noch Impfungen, die teils bei Einreise in bestimmte Länder verlangt werden, teils bei Seuchen auftreten nützlich sind. An Impfungen gegen verschiedene andere Krankheiten, so die Malaria, AIDS (HIV-Virus) etc. wird zwar intensiv geforscht, ein Durchbruch gelang hierbei jedoch bis heute noch nicht.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 03/14 ab Seite 84.

Dr. Eva-Maria Stoya, Apothekerin / Journalistin

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