Ungleiche Behandlung für alle
20 Minuten 1 Punkte
- 1Was ist Gendermedizin?
- 2Warum Gendermedizin?
- 3Unterschiede zwischen Geschlechtern
- 4Immunsystem
- 5Herz & Stoffwechsel
- 6Schmerz
- 7Darm
- 8Arzneimitteldosierung
- 9Lernerfolgskontrolle
01. Januar 2027
Der kleine, große Unterschied
Wie unterscheiden sich also Männer und Frauen biologisch? Zum einen bezüglich ihrer genetischen Ausstattung: In jeder Zelle finden sich bei Frauen in der Regel zwei X-Chromosomen, bei Männern ein X- und ein Y-Chromosom – das bedeutet: Gene, die auf dem Y-Chromosom liegen, besitzen Frauen nicht. Und dass Gene, die auf dem X-Chromosom liegen, theoretisch doppelt vorhanden sind.
Damit das nicht passiert, beziehungsweise zur „Dosisanpassung“ der X-chromosomalen Gene, wird während der frühen Embryonalentwicklung eines der X-Chromosomen teilweise inaktiviert. Es wird zusammengedrückt und bildet das sogenannte Barr-Körperchen (X-Inaktivierung).
Völlig inaktiv ist dieses Chromosom jedoch nicht, es können also bestimmte genetische Informationen bei Frauen doppelt vorhanden sein. Daraus ergibt sich eine abweichende Enzymwirkung, wodurch weibliche Organismen manche Substanzen schneller oder langsamer abbauen können
Hormone
Zum anderen unterscheiden sich Menschen unterschiedlicher Geschlechter in ihrer Sexualhormonausstattung, denn Frauen produzieren mehr Östrogene und Männer mehr Testosteron, beide besitzen damit auch eine andere Rezeptorverteilung und -dichte und damit eine unterschiedliche Organwirkung.
Während ein erhöhter Östrogenanteil vor Krankheiten wie Fettleber, Schlaganfall, Infektionen oder Herzinfarkt schützen kann, sorgt Testosteron dafür, dass Männer eine bessere Knochengesundheit aufweisen oder Schmerz weniger intensiv wahrnehmen.
Körperbau
Und die Anatomie? Frauen sind in der Regel kleiner, leichter, besitzen insgesamt einen höheren Körperfett- und einen niedrigeren Wasser- sowie Muskelmassenanteil und ihre Organe werden stärker durchblutet. Das wirkt sich auf die Verteilung körpereigener und körperfremder Stoffe im Körper aus und damit auch auf Stoffwechselprozesse, die Immunantwort und die Organgesundheit.
Wussten Sie, dass …
- die FDA 2013 die empfohlene Standarddosis von Zolpidem für Frauen um 50 Prozent reduzieren musste, da es häufiger zu Nebenwirkungen kam?
- Frauen rund 10 Prozent häufiger an Schlaganfällen versterben als Männer?
- trotz empfohlener Standardverfahren lediglich 35 Prozent der klinischen Studien weltweit ihre Ergebnisse nach Geschlecht aufteilen (Stand 2022)?
- nur 25 bis 40 Prozent der Teilnehmenden in kardiovaskulären Studien weiblich sind?
- sich sportliche Betätigung bei Frauen schneller auf die Herzgesundheit auswirkt als bei Männern? Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche senken bei Frauen das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 22 Prozent – bei Männern um 17 Prozent.
- Frauen mit Diabetes mellitus nach der Menopause ein 40 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt und ein 25 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall tragen als gleichaltrige Männer?











