Algen und Spirulina
Das neue Superfood?
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- 1Das unterschätzte Lebensmittel aus dem Wasser
- 2Jod als Motor der Schilddrüsenfunktion
- 3Lernerfokgskontrolle
01. September 2026
Weitere Inhaltsstoffe – Jod
Allerdings müssen Sie auch das Spurenelement Jod im Auge behalten. Für den menschlichen Körper ist Jod essenziell, es kann also vom Körper nicht selbst hergestellt werden, wird aber gebraucht und muss unbedingt zugeführt werden. Der größte Teil des aufgenommenen Jods befindet sich in der Schilddrüse und wird für die Bildung der verschiedenen Schilddrüsenhormone benötigt. Sie kennen aus der Apotheke das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin in Form von Tabletten. Bei ausreichender Jodzufuhr produziert die Schilddrüse eines Erwachsenen bis zu 100 µg L-Thyroxin täglich, was für die Funktion sämtlicher Organe, aber auch für die Knochenbildung, den Temperaturhaushalt, die Herz- und Hirnfunktion sowie viele weitere Körperfunktionen unerlässlich ist. Bei Jodmangel in der Schwangerschaft kann es durch einen Mangel an Schilddrüsenhormonen zu irreversiblen Schädigungen des Kindes im Mutterleib kommen. Bis weit in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren vor allem Süddeutschland und einige Alpenländer Jodmangelgebiet, wodurch einige Ihrer älteren Kunden von Jodmangelfolgen in jüngeren Jahren betroffen sein könnten. 1981 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Deutschland als Jodmangelgebiet eingestuft und eine Kampagne zur Versorgung mit Jodsalz gestartet. Vorher durfte jodiertes Speisesalz nur als diätisches Lebensmittel bei Schilddrüsenerkrankungen durch Jodmangel eingesetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde es prophylaktisch in privaten Haushalten, bei der Lebensmittelproduktion und in der Gastronomie verwendet. Auch für die Futtermittelherstellung wird seit dieser Zeit jodiertes Speisesalz verwendet, weshalb auch Milchprodukte, Eier und Fleisch zur Jodversorgung beitragen. Die Jodversorgung verbesserte sich durch die erfolgreiche Kampagne kontinuierlich, wodurch Deutschland seit 2007 nicht mehr als Jodmangelgebiet gilt. Dennoch ist die Bevölkerung für das Thema Jod sensibilisiert und für jodhaltige Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel leicht zu gewinnen. Hinzu kommt der Trend, dass der Verzehr von tierischen Lebensmitteln bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zurückgeht und pflanzliche Alternativen beliebter werden. Vielen ist die geringere Aufnahme von Jod dabei bewusst und sie möchten dies mit Algen ausgleichen.
Zu viel ist gefährlich
Keine Panik: Eine kurzfristig erhöhte Jodzufuhr gilt als unproblematisch, sogar bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Erst eine längerfristig erhöhte Jodzufuhr kann bei Erkrankten zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit Herzrasen, Nervosität, Schwitzen und Schlaflosigkeit führen.
Anders sieht es bei hochdosierten Kaliumjodidtabletten zur Vorbeugung zur Aufnahme von radioaktivem Jod nach Atomkatastrophen aus. Das wurde 40 Jahre nach dem Atomreaktor-Unfall von Tschernobyl wieder in das öffentliche Interesse gerückt. Denn damals wurde auch radioaktives Jod freigesetzt und hat vor alle in der Nähe des Reaktors zu einer Erhöhung der Anzahl an bösartigen Schilddrüsentumoren geführt. Mit Hilfe von hochdosiertem nicht-radioaktivem Jods soll die Schilddrüse so abgesättigt werden, dass radioaktives Jod nicht mehr aufgenommen werden kann, der Fachausdruck hierfür ist Jodblockade. Das darf aber nur nach ausdrücklicher Anweisung der Katastrophenschutzbehörden erfolgen, da der richtige Zeitpunkt der Einnahme entscheidend ist.
Schwankender Jod-Gehalt in Algen
Besonders wenn Algen aus natürlichen Seen oder aus dem Meer stammen, schwankt der Gehalt. In getrockneten Produkten wurden mehrfach Jodkonzentrationen bis zu 11 mg (=11 000µg) Jod pro Gramm Lebensmittel nachgewiesen, damit entspricht ein Gramm Lebensmittel bereits dem empfohlenen Tagesbedarf. Das trifft besonders auf Algen natürlicher Herkunft zu, da diese Algen sich bis zur Ernte oft sehr lange im Wasser befinden und dabei viel Jod aufnehmen. Obwohl die meisten Kunden intuitiv den Ausdruck „aus natürlicher Herkunft“ bevorzugen, sollten Sie zum Kauf von Zuchtalgen aus Aquakulturen raten. Diese Algen wachsen nur wenige Monate in kontrollierten Gewässern heran, wodurch sich der Jodgehalt in bestimmten Grenzen hält.
Auch Schwermetalle wie Arsen, Blei und Cadmium können in Algen in bedenklichen Konzentrationen vorkommen. Auch in dieser Hinsicht sind Algen aus Aquakulturen zu bevorzugen.
Algen als Nahrungsergänzungsmittel
Hier sind nicht nur ihr Mineralstoff- und Spurenelementgehalt und der Gehalt an Vitaminen von Interesse. In der Werbung wird auch oft der hohe Gehalt an Proteinen als Wundermittel zum Aufbau von Muskeln oder von Haut, Haaren und Nägeln angepriesen. In einzelnen Kapseln, Tabletten oder wenigen Gramm Pulvern kann aber nicht annähernd die notwendige Eiweißmenge stecken, denn ein erwachsener Mensch von 70 kg Körpergewicht benötigt täglich mindestens 56 Gramm. Deshalb sollten Sie bei Ihrer Beratung darauf hinweisen, dass Nahrungsergänzungsmittel zwar bestimmte Mikronährstoffe supplementieren können, der Eiweißbedarf aber durch Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Fleisch oder pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Nüsse gedeckt werden muss.
Können Cyanobakterien noch mehr als Algen?
Für die Ernährung und als Nahrungsergänzungsmittel ist Spirulina ähnlich einzuordnen wie Algen, Spirulina enthält aber weniger Jod. Wie bei Algen auch, sollten Lieferungen aus Kulturen bevorzugt werden, da die Grenzwerte von Schwermetallen dort leichter kontrolliert und eingehalten werden können. Auch sind nicht alle enthaltenen Vitamine wertvoll, so liegt Vitamin B12 in einer für den Menschen unwirksamen Form vor (Pseudovitamin B12).
Aber Cyanobakterien wie Spirulina können tatsächlich mehr: Sie bilden den natürlichen Farbstoff für blaue Gummibärchen!
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