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Was ist eigentlich …

… ZIEGENPETER?

Natürlich ist nicht Heidis Peter gemeint, der mit seinen Ziegen munter durch die Berge zieht. Hinter dem volkstümlichen Namen verbirgt sich eine klassische Kinderkrankheit, die nicht ganz ungefährlich verlaufen kann.

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WEs ist schon eine sehr eigene Bezeichnung für eine Krankheit. Die Erklärung liegt vermutlich in dem äußeren Erscheinungsbild, das Erkrankte nach Infektion an den Tag legen: Die Ohrspeicheldrüsen schwellen stark an, wodurch die Ohren deutlich abstehen und selbst anschwellen. Erkrankte Kinder sehen dann ein bisschen wie Ziegen aus und auch ein bisschen einfältig, wie ein Tölpel, eine weitere Bezeichnung für die Krankheit, für die „Peter“ früher gerne synonym verwendet wurde (z. B. bei Miesepeter oder Dummpeter). Schon sind wir bei Ziegenpeter, der mundartlichen Bezeichnung für Mumps.

Au, Backe! Paramyxovirus heißt der Übeltäter, der diese klassische Kinderkrankheit auslöst. Der Erreger kommt ausschließlich beim Menschen vor, wird durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen, wobei sich erste Symptome nach 12 bis 25 Tagen zeigen. Diese können zwar sehr unterschiedlich ausfallen, doch in den meisten Fällen zeigt sich die Krankheit zunächst durch eine einseitige Schwellung der Speicheldrüse im Kieferwinkel – das Kind bekommt die typische dicke Backe.

Kopfbewegungen, Kauen und Schlucken gestalten sich dann sehr schmerzhaft. Nach einigen Tagen schwellen dann auch weitere Drüsen an, beginnend auf der anderen Kieferseite verteilen sie sich schlimmstenfalls über den gesamten Körper. Die kleinen Patienten bekommen (zum Teil hohes) Fieber, die schmerzhaften, geröteten Schwellungen nehmen zu, in bis zu 50 Prozent aller Fälle treten zusätzlich Atemwegsinfekte mit Halsschmerzen auf.

Es kann kompliziert werden Und zwar dann, wenn zum Beispiel die Bauchspeicheldrüse betroffen ist. Die Mumps-Pankreatitis äußert sich mit Appetitlosigkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen und Fettstühlen. Meist heilt die Drüse folgenlos ab, es kann sich aber auch ein manifester Diabetes mellitus entwickeln. Leichte Kopfschmerzen und Übelkeit können Anzeichen einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis) sein. Ist das gesamte Gehirn betroffen, reagieren Kinder mit starken Schmerzen und Erbrechen und es hat sich eine Mumps-Enzephalitis manifestiert.

Eine Meningitis heilt meist problemlos wieder ab, mögliche Folgen einer Enzephalitis können aber auch Schwerhörigkeit oder Epilepsie sein, im schlimmsten Fall sogar der Tod. Eine Komplikation, die vorwiegend Jungen nach der Pubertät betrifft, ist die Mumps-Orchitis, die Entzündung einer oder beider Hoden. Die Nekrose der samenbildenden Zellen kann zur Zeugungsunfähigkeit führen. Die Komplikationsrate von Mumps ist recht hoch, 50 bis 70 Prozent aller Infektionen ziehen weitere Folgen mit sich. Die restlichen Betroffenen haben normalerweise drei bis acht Tage nach Auftreten der Symptome alles überstanden.

Aktueller Stand Die Zahl der Mumpsinfektionen geht seit Einführung der Impfung immer weiter zurück. Doch mit der aufkommenden Kritik an frühkindlichen Impfungen nehmen auch die Mumps-Fälle wieder zu. Mumps wird zusammen mit Röteln und Masern (MMR) zweimal geimpft, einmal zwischen dem 12. und 15. Monat und ein zweites Mal möglichst vor dem zweiten Geburtstag.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 03/19 auf Seite 32.

Farina Haase, Apothekerin/Redaktion

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