Betankung eines Flugzeuges am Flughafen © Chalabala / iStock / Getty Images Plus
Hier wird es noch aufgetankt. Kerosin ablassen mĂŒssen Crews vor allem dann, wenn eine Maschine nach dem Start ungeplant umkehrt und fĂŒr die Landung zu schwer ist.

Umweltbelastung

KEROSIN ABLASSEN: SO SCHÄDLICH IST ES WIRKLICH FÜR MENSCH UND NATUR

Kerosin ablassen: Das musste die Besatzung eines Boeing-Flugzeugs zuletzt ĂŒber MĂŒnchen – rund 60 Tonnen. Solche TreibstoffschnellablĂ€sse passieren hĂ€ufiger als gedacht. Wie oft Kerosin abgelassen wird, warum es nötig ist und was es fĂŒr die Umwelt bedeutet.

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Beim Beinahe-UnglĂŒck eines Boeing-Flugzeugs am Wochenende in MĂŒnchen musste die Besatzung rund 60 Tonnen Kerosin ablassen. Das passiert hĂ€ufiger, als man denkt, wie eine Liste des Luftfahrtbundesamtes zeigt. Allein im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Behörde 15 FĂ€lle, in denen Maschinen im deutschen Luftraum Kerosin ablassen mussten. Sechs davon betrafen Bayern zumindest teilweise.

Insgesamt weist die Liste, die bis Anfang 2018 zurĂŒckgeht, 203 VorfĂ€lle aus – mehrere Dutzend davon passierten ganz oder teilweise ĂŒber Bayern. Wie viel Kerosin die Crews ablassen, schwankt stark: Teils sind es nur einige Hundert Kilogramm, in einem Fall aber auch 100 Tonnen. Werte um die 50 Tonnen sind dabei keine Seltenheit. Offizieller Grund fĂŒr das Kerosin-Ablassen sind meist technische Probleme.

Darum mĂŒssen Flugzeuge ĂŒberhaupt Kerosin ablassen

Hintergrund der Praxis ist, dass Flugzeuge beim Start in der Regel mehr Gewicht tragen können als bei der Landung. MĂŒssen sie nach dem Start zu einem lĂ€ngeren Flug ungeplant umkehren, sind sie mit vollen Tanks oft zu schwer. Um sicher zu landen, mĂŒssen sie erst leichter werden – und deshalb Kerosin ablassen. Die Entscheidung darĂŒber trifft laut Luftfahrtbundesamt allein die Besatzung des Flugzeugs.

Wo eine Maschine Kerosin ablassen darf, klĂ€ren die Fluglots*innen. Sie identifizieren einen geeigneten Luftraum, „der ein möglichst geringes Verkehrsaufkommen aufweist und möglichst abseits großer StĂ€dte liegt“, heißt es bei der Behörde.

Treibstoff ablassen: Vorgaben zu Höhe und Luftraum

Auch fĂŒr die Höhe gelten klare Regeln, wenn Flugzeuge Kerosin ablassen: „Das Kerosin muss in einer Höhe von mindestens 1800 Metern (6000 Fuß) abgelassen werden. In der Regel erfolgt dies jedoch in grĂ¶ĂŸeren Höhen zwischen vier und acht Kilometern. Außerdem muss wĂ€hrend des Ablassens und fĂŒr 15 Minuten danach der Luftraum frei von durchfliegendem Verkehr bleiben.“

Doch was bedeutet es fĂŒr die betroffenen Regionen, wenn Maschinen ĂŒber ihnen Kerosin ablassen?

Wie hoch ist die Umweltbelastung durch Kerosin?

„TreibstoffschnellablĂ€sse haben nach dem aktuellen Kenntnisstand keine kritischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt“, heißt es auf den Seiten des Umweltbundesamtes. In einem dort veröffentlichten Positionspapier von Ende 2020 empfiehlt die Behörde allerdings auch, nach Möglichkeit bei den Ablassgebieten abzuwechseln. Wie stark Kerosin die Umwelt tatsĂ€chlich belastet, hĂ€ngt vor allem davon ab, wie sich der Treibstoff verteilt.

So verteilt sich der Kerosin in der Umwelt

Hintergrund der eher niedrig eingeschĂ€tzten Belastung ist, dass sich das Kerosin ĂŒber eine große FlĂ€che verteilt und die Umwelt damit nur punktuell erreicht. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zufolge lassen die Besatzungen den Treibstoff meist binnen 5 bis 30 Minuten ab – also ĂŒber eine Strecke von 40 bis 220 Kilometern. Zudem verteilt sich das zu Tröpfchen versprĂŒhte Kerosin auf dem Weg zum Boden weiter und verdunstet teilweise. Wie viel davon am Boden und damit in der Umwelt ankommt, hĂ€ngt unter anderem von Ablasshöhe, Temperatur und Wind ab – und damit auch davon, wo und wie hoch die Crews das Kerosin ablassen.

Quelle: dpa

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