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Kinderkrankheiten

MUMPS

Parotitis epidemica oder umgangssprachlich Ziegenpeter ist eine akute, ansteckende Infektionskrankheit und wird durch den Erreger Paramyxovirus parotitis verursacht.

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Das Virus verteilt sich durch Tröpfcheninfektion , durch direkten Schleimhautkontakt und selten über kontaminierte Gegenstände (wie Spielzeug). Nach einer Inkubationszeit von 16 bis 18 Tagen zeigen sich schmerzhafte Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen sowie Fieber und Erkältungssymptome.

Aufgrund der vorliegenden Flüssigkeitsansammlung im Gewebe neben den Ohrläppchen stehen die Ohren der Betroffenen ab. Zunächst liegt die Entzündung einseitig vor, befällt später jedoch beide Drüsen. Die betroffenen Kinder klagen typischerweise über Ohrenschmerzen, Beschwerden beim Kauen und Schmerzen bei Kopfbewegungen.

Gefahr der Komplikation Normalerweise klingt die Erkrankung nach etwa sieben bis zehn Tagen von alleine wieder ab. Danach besteht eine lebenslange Immunität, sodass Zweiterkrankungen sehr selten sind. Manchmal kommt es zu einer Mumps-Meningitis, die in der Regel symptomfrei verläuft, sodass die Patienten nur in wenigen Fällen unter Erbrechen, starken Kopfschmerzen, Fieber, Benommenheit oder Nackensteife leiden – vereinzelt entwickelt sich eine Enzephalitis. Tritt die Infektion auf den Nervus statoacusticus (Gleichgewichtsnerv) über, besteht das Risiko einer Schädigung des Hörnervs bis hin zur Taubheit.

Generell gilt: Je älter der Patient ist, umso höher liegt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Komplikationen. Das Virus befällt dabei unter Umständen weitere Drüsen (Hoden, Eierstock), sodass Unfruchtbarkeit oder Sterilität resultieren können. Erkrankte Männer leiden bei der sogenannten Orchitis unter Schmerzen, Empfindlichkeit und Schwellungen des Hodens, während die Entzündung der Eierstöcke (Oophoritis) mit heftigen Unterleibschmerzen einhergeht.

TIPPS FÜR ELTERN
Geben Sie folgende Ratschläge mit auf den Weg:
+ Das Kind sollte viel trinken und flüssige oder weiche Nahrung aufnehmen, um die
   Schluckbeschwerden nicht zu verstärken.
+ Leidet der Sprössling auch unter Übelkeit, Teilnahmslosigkeit und einem steifen Hals, ist
   unbedingt ein Arzt zu konsultieren.
+ Saure Getränke sind zu meiden, besser eignen sich Tees oder Flüssigkeiten ohne Kohlensäure.
+ Sind die Gliedmaßen erwärmt, können unterstützend Wadenwickel angelegt werden.

Noch seltener sind Komplikationen wie Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Schädigungen der Augen oder Nierenprobleme. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen die Infektion mit Mumps symptomfrei verläuft, nicht erkannt oder mit einer Erkältung verwechselt wird.

Prävention Da keine spezifische antivirale Therapie gegen Mumps existiert und die Behandlung ausschließlich symptomatisch (z. B. Analgetika oder Antipyretika) erfolgt, kommt der Vorbeugung durch eine Schutzimpfung eine besondere Bedeutung zu. Der Lebendimpfstoff enthält attenuierte, auf Hühnerembryozellen gezüchtete Mumpsviren. 1976 wurde er als Masern-Mumps-Röteln- Kombination (MMR) zugelassen, seit 2006 existiert ein Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (Windpocken)-Kombinationsimpfstoff (MMRV).

Die erste Dosis der Impfung soll Empfehlungen zufolge im Alter von 11 bis 14 Monaten verabreicht werden, da der „Nestschutz“ dann nachlässt und die Kinder gegen Ende des ersten Lebensjahres den Erregern gegenüber empfänglich werden. Die zweite Gabe sollte zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat, am besten vor der Aufnahme in den Kindergarten stattfinden.

Maßnahmen bei Ausbrüchen Seit März 2013 besteht laut IfSG (Infektionsschutzgesetz) eine Meldepflicht der Erkrankung. Krankheitsverdacht, tatsächliche Infektionen sowie Todesfälle müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Gemeinschaftseinrichtungen haben das Auftreten von Mumps dem zuständigen Gesundheitsamt unverzüglich mitzuteilen, sodass Maßnahmen zur Verhütung weiterer Fälle ergriffen werden können. Betroffene dürfen Institutionen (wie Kindergarten oder Schule) nach Abklingen der Beschwerden, jedoch frühestens fünf Tage nach Beginn der Krankheit wieder betreten.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 07/14 ab Seite 90.

Martina Görz, PTA und Fachjournalistin (FJS)

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