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Infektanfälligkeit bei Erwachsenen

WENN DAS IMMUNSYSTEM IM DARM ENTSCHEIDET

Rezidivierende Atemwegsinfekte bei Erwachsenen sind in der ärztlichen Praxis ein häufiges und oft persistierendes Problem – auch jenseits der klassischen Erkältungsphasen.1 Treten Infekte in kurzen Abständen erneut auf, rückt neben der akuten Erregerabwehr zunehmend auch die Frage nach der Funktionsfähigkeit der Schleimhautimmunität in den Fokus.2 In diesem Zusammenhang wird die mikrobiologische Therapie bei wiederkehrenden Atemwegsinfekten, etwa mit Symbioflor® 1, diskutiert.3 Ihr Ansatz lenkt den Blick auf immunologische Zusammenhänge, die nicht ausschließlich lokal in den Atemwegen verankert sind, sondern auch übergeordnete Regulationsmechanismen der mukosalen Abwehr betreffen.3

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Symbioflor® 1 ist bei Erwachsenen zur Verminderung der Rezidivrate wiederkehrender Infektionen der oberen und unteren Atemwege zugelassen, insbesondere bei rezidivierender Sinusitis und Bronchitis.3 Das mikrobiologische Arzneimittel richtet sich somit an eine Patient:innengruppe, bei der die Frage nach den zugrunde liegenden immunologischen Mechanismen auch jenseits der akuten Entzündungsphase klinisch relevant sein kann.

Der Darm als Induktionsort der Schleimhautimmunität

Der Darm ist das größte immunologische Organ des Menschen. Rund 80 Prozent der Immunzellen sind hier lokalisiert4 und im darmassoziierten lymphatischen Gewebe (GALT) organisiert.5,6 Hier wird die Immunantwort kontinuierlich durch Antigene aus dem Darmlumen7,8 sowie durch mikrobielle Signale des intestinalen Mikrobioms geprägt.7,9

Von zentraler Bedeutung ist dabei das Prinzip der mukosalen Immunität. Immunzellen, die im Darm aktiviert werden, verbleiben nicht lokal, sondern verlassen das GALT über Blut- und Lymphbahnen. Über spezifische Mechanismen gelangen sie gezielt in andere Schleimhautareale, darunter auch in die Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege.5,6 Der Darm kann in diesem Zusammenhang also als immunologischer Taktgeber für die Schleimhautabwehr an entfernten Organen verstanden werden.

EXKURS: Darm – mukosale Abwehr – Atemwege

Ein zentrales Protein der mukosalen Immunität ist das sekretorische Immunglobulin A (sIgA).10 IgA-bildende Plasmazellen entstehen überwiegend im GALT.10,11 Nach ihrer Aktivierung migrieren sie in unterschiedliche Schleimhautregionen, unter anderem in die Nasen- und Bronchialschleimhaut.9,11

Dort wird sIgA freigesetzt. Es bindet Mikroorganismen an der Schleimhautoberfläche, kann deren Anhaftung erschweren und wirkt dabei ohne ausgeprägte entzündliche Reaktionen. Diese Form der Abwehr trägt wesentlich zur Stabilität der Schleimhautbarriere bei.10

Ist die Regulation dieser Achse gestört, etwa durch eine unzureichende Prägung der IgA-Antwort im Darm, kann die Anfälligkeit für rezidivierende Infektionen der Atemwege steigen.10,11

Immunologische Zusammenhänge bei Infektanfälligkeit

Rezidivierende Atemwegsinfekte lassen sich vor diesem Hintergrund als Ausdruck einer beeinträchtigten mukosalen Abwehr verstehen. Dabei ist nicht allein die lokale Situation in den Atemwegen entscheidend, sondern auch, wie stabil die immunologische Schutzfunktion an den Schleimhäuten insgesamt ausgeprägt ist.2,11

Hier wird auch der Zusammenhang zur zugelassenen Anwendung von Symbioflor® 1 nachvollziehbar. Das Arzneimittel enthält lebende Enterococcus faecalis-Bakterien (DSM 16440), die im GALT mit Zellen des Immunsystems interagieren.3,12,13 Vor diesem Hintergrund zeigten experimentelle und klinische Studien, dass ruhende B-Zellen im GALT aktiviert und zur IgA-Produktion angeregt werden können.6,9 Die so geprägten Immunzellen können anschließend in verschiedene Schleimhautareale, einschließlich der Schleimhäute der Atemwege, migrieren.9,11 In placebokontrollierten Studien bei Patient:innen mit chronisch rezidivierender Sinusitis bzw. Bronchitis zeigte sich unter Symbioflor® 1 im Vergleich zum Placebo eine signifikante Reduktion der Rezidivhäufigkeit.12,13

Damit fügt sich die zugelassene Anwendung von Symbioflor® 1 in das Verständnis der Darm-Mukosa-Immunsystem-Achse ein, welche eine zentrale Rolle für die Infektanfälligkeit der Atemwege spielt.

Die Infektanfälligkeit bei Erwachsenen ist somit mehr als ein saisonales Phänomen. Sie spiegelt die Dysfunktion eines vernetzten Schleimhautimmunsystems wider, dessen entscheidende Impulse im Darm gesetzt werden.2,11

 


Referenzen:

1  WMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.: Rhinosinusitis. S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr. 017/049 und 053-012.017-049_und_053-012l_S2k_Rhinosinusitis_2022-12-abgelaufen.pdf (2017). 

Mettelman, R. C., Allen, E. K. & Thomas, P. G.: Mucosal immune responses to infection and vaccination in the respiratory tract. Immunity55, 749–780 (2022). 

3 Fachinformation Symbioflor® 1, Aktueller Stand

Bauer, R. Die Bedeutung des Darms für unser Immunsystem. in (2021). doi:10.1055/s-0041-1731466. 

König, J. et al.: Human Intestinal Barrier Function in Health and Disease. Clin. Transl. Gastroenterol. 7, e196 (2016). 

Dr. Jaspers, E. & Dr. Zimmermann, K.: Immunmodulation Mit Probiotischen Arzneimitteln. Teil 2: Probiotische Arzneimittel Mit Lebendem Enterococcus Faecalis. Frontiers in Immunology vol. 4 (2020). 

Belkaid, Y. & Hand, T. W.: Role of the Microbiota in Immunity and Inflammation. Cell 157, 121–141 (2014). 

Round, J. L. & Mazmanian, S. K.: The gut microbiota shapes intestinal immune responses during health and disease. Nat. Rev. Immunol. 9, 313–323 (2009). 

Tezuka, H. & Ohteki, T.: Regulation of IgA Production by Intestinal Dendritic Cells and Related Cells. Front. Immunol. 10, (2019). 

10 Brandtzaeg, P.: Secretory IgA: Designed for Anti-Microbial Defense. Front. Immunol. 4, (2013). 

11 McGhee, J. R. & Fujihashi, K.: Inside the Mucosal Immune System. PLoS Biol. 10, e1001397 (2012). 

12 Habermann, W., Zimmermann, K., Skarabis, H., Kunze, R. & Rusch, V.: Verminderung der Rezidivhäufigkeit bei Patienten mit chronisch rezidivierender hypertrophischer Sinusitis unter Behandlung mit einem bakteriellen Immunstimulans (Enterococcus faecalis-Bakterien humaner Herkunft). Arzneimittelforschung 52, 622–627 (2002). 

13 Habermann, W., Zimmermann, K., Skarabis, H., Kunze, R. & Rusch, V.: Einfluss eines bakteriellen Immunstimulans (humane Enterococcus faecalis-Bakterien) auf die Rezidivhäufigkeit bei Patienten mit chronischer Bronchitis. Arzneimittelforschung 51, 931–937 (2001).

 

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