Mehr Impfungen in der Apotheke
Tot oder lebendig?
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01. Mai 2026
Welche Impfungen gegen welche Krankheiten sollten Sie kennen?
Um die Impfquoten zum Schutz des Einzelnen und der gesamten Bevölkerung zu erhöhen, gibt es in letzter Zeit einige Impfkampagnen in der Laienpresse, nicht nur für Impfungen gegen Influenza und Corona. Damit Sie Ihre Kunden gut betreuen können, sollten Sie sich mit folgenden Impfungen und Krankheiten deshalb besonders gut auskennen:
RSV
Dieser weltweit verbreitete Erreger wurde für lange Zeit unterschätzt. Er verursacht Atemwegsinfektionen bei Menschen jeden Alters, aber gerade für Neugeborene, Frühgeborene und ältere Menschen ist er ein besonders gefährlicher Erreger, der Pneumonien (Lungenentzündungen) verursachen und auch für tödliche Verläufe verantwortlich sein kann. Nach überstandener Infektion kann es in ungünstigen Fällen zu Langzeitfolgen wie einem hyperreagiblen Bronchialsystem oder einer Atemwegsverengung mit dauerhaftem Husten kommen. Es wurden verschiedene Impfstoffe und Sera für verschiedene Altersgruppen entwickelt, wobei die Impfempfehlungen der STIKO kontinuierlich angepasst werden. Erwachsene müssen nicht wie gegen Influenza in jeder Saison neu geimpft werden, sondern Stand 2026 nur alle drei Jahre.
Pneumokokken
Der Name erklärt diese Erreger sehr gut: Es handelt sich um verschiedene Stämme kugelförmiger Bakterien (Kokken), die Lungenentzündungen und andere Infektionen der Atemwege verursachen können. Die Infektion kann sich bei schweren Verläufen sogar auf andere Organe wie das Gehirn übertragen und eine Meningitis auslösen oder im Blut für eine Sepsis sorgen. Die STIKO empfiehlt Impfungen für besonders gefährdete Altersgruppen wie Säuglinge und Kleinkinder bis im Alter von zwei Jahren sowie ältere Menschen ab 60 Jahren, außerdem Personen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Diabetes. Aber auch beruflich mit Metallstäuben belasteten Menschen wird die Impfung empfohlen. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Impfstoffe für verschiedene Impfschemata. Darunter versteht man die Häufigkeit, Abstände und Zeitpunkte einer eventuellen Auffrischung.
Herpes Zoster (Gürtelrose)
Gürtelrose wird durch die gleichen Herpes-Zoster-Viren verursacht, die auch Windpocken verursachen. Bis zur Einführung der standardmäßigen Impfung gegen Windpocken im Jahr 2004 hat nahezu jeder Mensch eine Infektion der hochansteckenden Windpocken durchgemacht. Danach schlummern die Viren allerdings lebenslang in den Nervenganglien. Durch verschiedene Ursachen wie das Trägerwerden des Immunsystems (Immunseneszenz) im höheren Lebensalter oder Stress können die schlummernden Erreger aber reaktiviert werden und lösen eine Gürtelrose aus. Auch gegen Windpocken geimpfte Menschen können an Windpocken erkranken, manchmal sogar unbemerkt, und dann später eine Gürtelrose bekommen. Die Gürtelrose hat ihren Namen von den sich häufig auf der Höhe eines Hosengürtels auftretenden Bläschen. Sie kann sich aber auch an anderen Stellen des Körpers wie am Auge oder im Genitalbereich zeigen. Besonders gefürchtet ist sie wegen der unvorhersehbaren, manchmal schweren, lebenslang anhaltenden Nervenschmerzen (Post-Zoster-Neuralgien). Diese chronischen Langzeitfolgen können auf Dauer die Lebensqualität stark einschränken.
Die Impfung mit dem in Deutschland zugelassenen Totimpfstoff zur Vorbeugung gegen Gürtelrose zeigte in Studien ihre Wirksamkeit und wird zunehmend gut angenommen, trotz recht häufig vorkommenden Unwohlseins, Kopfschmerzen, grippeähnlichen Symptomen, leichtem Fieber und Muskelschmerzen in den Tagen danach. Sie wird standardmäßig allen Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Bei Patienten ab 18 Jahren mit stark erhöhten Risiken, wie zum Beispiel unter einer Immunsuppression, kann der Impfstoff von einem Arzt auch bei Jüngeren eingesetzt und von den Krankenkassen erstattet werden.
Pertussis (Keuchhusten)
Diese seit 2013 meldepflichtige hochansteckende Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst, in den meisten Fällen durch Bordetella pertussis. Die Krankheitssymptome werden nicht nur durch die Bakterien selbst, sondern auch durch ihre zahlreichen Gifte (Toxine) ausgelöst. Sie verläuft in drei Stadien, was über mehrere Monate andauern kann. Obwohl es sich um eine bakterielle Erkrankung handelt, ist die Behandlung mit Antibiotika schwierig, denn Antibiotika greifen nur in der ersten, aber unspezifischen, erkältungsähnlichen Phase mit Schnupfen, leichtem Husten und Fieber. Die Gabe von Antibiotika kann aber zur Unterbrechung der Infektionsketten auch zu einem späteren Zeitpunkt noch sinnvoll sein.
Der Totimpfstoff gegen Pertussis gehört zu den Standardimpfungen im 1. Lebensjahr, er wird in einer Spritze kombiniert mit bis zu fünf weiteren Totimpfstoffen wie Diphtherie, Polio, Tetanus, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatits B appliziert. Die Mehrfachkombination erfolgt, um den Kindern möglichst weitere Impftermine zu ersparen. Auch Erwachsene sollten Auffrischimpfungen erhalten. Da der Impfschutz aber leider schneller wieder abschwächt als die der anderen in der Kombination befindlichen Impfstoffe, wird Schwangeren und allen engen Kontaktpersonen eine Auffrischung im letzten Trimenon jeder Schwangerschaft empfohlen, um dann auch das Neugeborene nach der Geburt zu schützen.
Welche der beschriebenen Totimpfstoffe es genau sind, die demnächst in Apotheken geimpft werden dürfen, steht noch nicht fest. Sie können sich aber auch über alle weiteren Impfstoffe auf der jeweiligen Homepage des Robert Koch-Institutes und des Paul-Ehrlich-Institutes erkundigen.
Die Autorin versichert, dass keine Interessenkonflikte im Sinne von finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten bestehen, die von den Inhalten dieser Fortbildung positiv oder negativ betroffen sein könnten.











