Infektionen im und am Mund
PTA-Fortbildung

Alarm: Infektionen im und am Mund

Im Mund kann eine Menge los sein: Zahn- und Zahnfleischprobleme durch Bakterien, virale Infektionen oder ein Pilzbefall können Betroffenen zu schaffen machen. Was hilft, wenn es passiert ist, und wie sieht die optimale vorbeugende Mundhygiene aus?

22 Minuten

Die richtige Zahnpasta finden

Zahnpasta unterstützt den Reinigungsprozess. Essenzielle Bestandteile sind Schaumbildner (Tenside) und Putzkörper.

Tenside

Tenside sorgen dafür, dass die Zannpasta sich gleichmäßig verteilt. Das verbessert die Reinigungswirkung auch an Stellen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Dazu setzen die Tenside die Oberflächenspannung herab. Die Zahnoberfläche kann somit besser benetzt werden, sodass sich Essensreste und Zahnbeläge leichter auflockern und entfernen lassen. Einige Tenside wie beispielsweise Natriumlaurylsulfat können allerdings in höheren Konzentrationen haut- und schleimhautreizend wirken und daher das Zahnfleisch irritieren. Deshalb sollte das Tensid nur in niedrigen Konzentrationen (etwa 0,5 bis 2 Prozent) vorliegen. In gängigen Zahnpasten ist das der Fall

Putzkörper

Putzkörper wie Calciumcarbonat oder Silikatverbindungen erleichtern die Plaque-Entfernung. Die verschiedenen Produkte unterscheiden sich in ihrer schmirgelnden Aktivität (Abrasivität), die durch den RDA-Wert (Radioactive dentine abrasion) angegeben wird.

Der RDA-Wert besagt, wie viel Dentin von einer radioaktiv markierten Probe durch die Politur mit einer Zahnpasta abgetragen wird.

Gängige Zahnpasten weisen einen RDA-Wert zwischen 30 und 100 auf. Während Raucher- und Weißmacherzahnpasten einen hohen RDA besitzen (meist über 100), haben Zahnpasten für sensible Zähne oder freiliegende Zahnhälse lediglich einen RDA von circa 30. Ebenso enthalten Kinderzahnpasten nur einen geringen Anteil an Putzkörpern, um den noch weichen Zahnschmelz der Milchzähne zu schonen.

Homöopathie-verträgliche Zahnpasten sind Zubereitungen ohne Menthol oder ätherische Öle.

Andere Inhaltsstoffe

Zahnpasten für empfindliche Zähne enthalten zudem Substanzen, die vor schmerzhaften Reizen schützen sollen. Beispielsweise Strontiumchlorid, Arginin und Calciumcarbonat oder Kaliumnitrat. Sie blockieren die Schmerzleitung zum Zahnnerv und verschließen offene Dentinkanälchen.

Daneben sind Produkte mit Stoffen erhältlich, die den Zahnschmelz regenerieren (z. B. Hydroxylapatit-Nanopartikel) oder gegen Zahnstein wirken sollen (z. B. Pyrophosphate).

Offenliegende Zahnhälse werden vor allem mit Fluoriden vor zu starkem Abrieb geschützt.

Fluoride als Schutzschild

Fluoride wie Natrium-, Amin- oder Zinnfluorid sind essenzielle Bestandteile einer Zahnpasta. Sie beugen Karies vor, indem sie quasi die Oberfläche der Zähne härten. Dafür reagiert das Fluorid der Zahnpasta mit dem Hydroxylapatit des Zahnschmelzes zum säurestabileren Fluorapatit. Dies ist Säuren gegenüber widerstandsfähiger und beugt somit einer Demineralisierung vor.

Zudem bildet sich durch Ausfällung schwer lösliches Calciumfluorid, das sich auf die Zahnoberfläche als eine schützende Deckschicht legt. Darüber hinaus hemmen Fluoride den Stoffwechsel der Plaquebakterien und senken somit die Säureproduktion. Bei beginnender Karies können Fluoride sogar zum Teil reparativ wirksam sein, indem sie die Remineralisation beschleunigen.

Wie viel Fluor?

Gängige Zahnpasten enthalten zwischen 1000 bis 1500 parts per million (ppm) Fluorid. Höher fluoridierte Präparate (Fluorid-Gele) sind nicht für die tägliche, sondern für die wöchentliche Anwendung gedacht. Eine Überdosierung ist zu vermeiden, da eine überhöhte Fluoridzufuhr zu bleibenden weißen Flecken auf dem Zahnschmelz führt, der sogenannten Dentalfluorose.

  • Säuglinge: Die aktuellen Empfehlungen von Kinder- und Zahnärzten sehen daher für das Zähneputzen bei Säuglingen lediglich eine reiskorngroße Menge (entspricht 0,125 Gramm (g)) einer fluoridhaltigen Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid)vor.
    Alternativ kann eine Supplementation mit Fluorid in Tablettenform (0,25 Milligramm) gemeinsam mit 400 bis 500 I. E. Vitamin D erfolgen. Dann ist zum Zähneputzen aber nur eine fluoridfreie Zahnpasta erlaubt.
  • 1 bis 2 Jahre: Kindern zwischen 12 und 24 Monaten werden die Zähne immer mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid gereinigt. Auch in dieser Altersstufe kommt nur eine reiskorngroße Menge zur Anwendung.
  • Ab 2 Jahren: Erst ab zwei Jahren darf eine erbsengroße Menge (0,25 g) fluoridhaltiger Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid Verwendung finden.
  • Ab 6 Jahren: Zahnpasten mit 1000 bis 1500 ppm Fluorid („Junior-/Erwachsenen-Zahncremes“) werden Kindern ab sechs Jahren empfohlen.

Hintergrund für die geringen Mengen an Zahnpasta im Säuglings- und Kleinkindalter ist, dass bei den Kleinen die Gefahr besteht, dass sie eine fluoridhaltige Zahnpasta verschlucken und damit zu viel Fluorid aufnehmen.

Mundspüllösungen: Zweck und Inhaltsstoffe

Die Mundhygiene-Routine lässt sich durch Mundspüllösungen abrunden. Sie erreichen Stellen im Mundraum, die einer mechanischen Reinigung mit Zahnbürsten, Zwischenraumbürsten oder Zahnseide nicht gut zugänglich sind. Mundspülungen sollen Mundgeruch und Karies vorbeugen oder Zahnfleischentzündungen behandeln.

  • Zinkverbindungen wie beispielsweise Zinklactat oder Zinkacetat wirken neutralisierend auf geruchsbildende Schwefelverbindungen und können somit vor Mundgeruch (Halitosis) bewahren.
  • Bei Mundtrockenheit eignen sich Mundspüllösungen mit Betain und Glycerin.
  • Einige Präparate enthalten zudem Apfelsäure zur Speichelanregung.
  • Bei schmerzempfindlichen Zähnen sollen Präparate mit einer speziellen Kombination aus Arginin und Calciumcarbonat, Kaliumnitrat, Strontiumchlorid oder Oxalat offene Dentinkanälchen schließen.
  • Freiliegende Zahnhälse sollen mit Hydroxylapatit-Nanopartikeln oder Zinnfluorid unempfindlicher werden.
  • Mundspüllösungen mit einer Kombination aus Aminfluorid und Zinnfluorid dienen wie fluoridhaltige Zahnpasten zur Kariesprophylaxe.
  • Ebenso eignen sich Präparate mit Chlorhexidin oder verschiedenen ätherischen Ölen (z. B. Teebaumöl, Kamillenextrakt oder einer Mischung aus Salbei, Eukalyptus, Pfefferminze, Zimt, Nelke, Fenchel, Sternanis, Levomenthol und Thymol) zur Verhinderung von Karies. Aufgrund ihrer antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften reduzieren sie schädliche Keime in der Mundhöhle und wirken so Plaque entgegen.

Chlorhexidin: Das ist zu beachten

Chlorhexidin-haltige Mundspüllösungen werden auch zur Behandlung von Zahnfleischerkrankungen eingesetzt. Während bei leichten Entzündungen die 0,1-prozentige Lösung ausreicht, erfordern eine Parodontitis oder die Nachbehandlung von oralchirurgischen Eingriffen 0,2-prozentige Lösungen.

Sie sollten aber nicht länger als zwei Wochen ununterbrochen zum Einsatz kommen, da Wechselwirkungen mit Genussmitteln wie Tabak, Kaffee, Tee, Rotwein oder anderen Chromogenen häufig zu dunkel-bräunlichen Zahnverfärbungen führen. Um diesen reversiblen Effekt möglichst zu vermeiden, kann alternativ auch geraten werden, Mundspüllösungen mit Chlorhexidin nur zwei Mal in der Woche einzusetzen. Alternativ kann eine Zahnpasta mit Polyvinylpyrrolidon verwendet werden. Sie hemmt die Absorption von Pigmenten und beugt und damit Verfärbungen vor.

Da es bei der Verwendung von Chlorhexidin-haltigen Lösungen zudem zu Wechselwirkungen mit Fluoriden und Natriumlaurylsulfat aus der Zahnpasta kommen kann, sollte der Gebrauch der Mundspüllösung erst 30 Minuten nach dem Zähneputzen erfolgen.

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