Mehr als nur lästig
7 Minuten 1 Punkte
- 1Krankheitsübertragung und Gefahren der Asiatischen Tigermücke
- 2Verbreitung, Bekämpfung und Behandlungsmöglichkeiten
- 3Lernerfolgskontrolle
01. November 2026
Aktuell sind bei uns die Stiche des stechfreudigen, tagaktiven Insektes nur sehr lästig. Dagegen können Sie vorbeugend bewährte Repellentien mit dem Inhaltsstoff DEET in 50-prozentiger Konzentration empfehlen. Kleidungsstücke können mit Permethrin-haltigen Sprays imprägniert werden. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Repellent, also ein Abwehrmittel, das Insekten und Zecken über den Geruchssinn vergrämt. Permethrin ist ein Insektizid, das Insekten abtötet. Es darf deshalb gemäß der neuen Biozidverordnung nicht mehr im sonstigen Einzelhandel wie Outdoorläden, sondern nur noch in Apotheken verkauft werden. Warum könnten in Zukunft die Stiche der Asiatischen Tigermücke gefährlicher für unsere Gesundheit werden?
Lernziele
In dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung lernen Sie unter anderem,
- warum die Verbreitung von Asiatischen Tigermücken verhindert werden sollte,
- welche Infektionskrankheiten von Asiatischen Tigermücken übertragen werden können und
- was Sie als PKA zur Eindämmung empfehlen können.
Zu uns kommt die Asiatische Tigermücke durch den globalen Handelsverkehr und auch durch Reisende als blinder Passagier in Flugzeugen oder auf Schiffen. In ihren Heimatländern überträgt die Asiatische Tigermücke gefährliche Tropenkrankheiten wie Chikungunya, Dengue, Gelbfieber oder das Zika-Virus. Glücklicherweise ist in Deutschland bis jetzt noch keine Übertragung einer solchen Krankheit durch eine Asiatische Tigermücke bekannt. Allerdings werden durch im Urlaubsland infizierte Reiserückkehrer die entsprechenden Viren permanent eingeschleppt. Sollte dann eine Asiatische Tigermücke einen infizierten Reiserückkehrer stechen, so wäre auch hier eine weitere Verbreitung der krankmachenden Mikroorganismen über die Asiatische Tigermücke als Vektoren möglich, sowie es in Westfrankreich oder Norditalien bereits geschehen ist. Deshalb sollten Reiserückkehrer aus Tropengebieten für weitere zwei Wochen Repellentien verwenden, da sie, ohne es zu wissen, die krankheitsauslösenden Viren in ihrem Blut in sich tragen könnten.
Welche Krankheiten sind das genau?
Es fallen darunter einige Tropenkrankheiten, die Sie vielleicht aus der reisemedizinischen Beratung kennen. Der Ausdruck Tropenkrankheit ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, die vermehrt in sehr warmen Gebieten der Welt vorkommen. Er stammt noch aus der Zeit vor der Klimaerwärmung. Allerdings treten viele dieser Krankheiten inzwischen auch vermehrt in der Mittelmeerregion auf.
Chikungunya ist eine seit den 50er-Jahren bekannte Infektionskrankheit. Sie wird durch das Chikungunya-Virus übertragen. Die Krankheitssymptome sind neben Fieber, starken Kopfschmerzen und Schwäche äußerst schwere Gelenk-, Muskel- und Gliederschmerzen, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führen können. Daher stammt auch der Name der Erkrankung, der aus dem Afrikanischen übersetzt „der gekrümmt Gehende“ bedeutet. In Europa gibt es zwei zugelassene Impfstoffe, einen Lebendimpfstoff und seit 2025 auch einen Totimpfstoff, jeweils für Reisende ab dem zwölften Lebensjahr.
Das Dengue-Fieber, auch als Breakbone-Fieber bezeichnet, wird durch Viren, von denen bis jetzt vier Stämme bekannt sind, verbreitet. Es äußert sich meistens durch hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie einem Hautausschlag. Es kann aber auch mit hämorrhagischem Fieber einhergehen, das durch innere Blutungen gekennzeichnet ist. Sie können lebensgefährlich sein und müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Nach einer überlebten Infektion besitzt man zwar eine Immunität gegen den jeweiligen Virus-Stamm, bei einer erneuten Infektion mit einem der drei anderen Stämme steigt allerdings durch die ausgelösten Entzündungsreaktionen bei der Immunantwort das Risiko für ein hämorrhagisches Fieber. Deshalb sind Zweitinfektionen besonders gefürchtet. Erstinfektionen verlaufen in 90 Prozent der Fälle sehr mild ist und bleiben deshalb oft unbemerkt. Dadurch kann es sich bei Erkrankungen oft bereits um eine Zweitinfektion handeln, die dann wesentlich schwerer verläuft als man es erwartet würde.
Es gibt einen in Europa einen Impfstoff, der ab vier Jahren zugelassen ist. Dieser sollte mehrere Wochen vor Reisebeginn verabreicht werden, da es oft am 10. Tag nach der Impfung zu Nebenwirkungen kommt, die alle Symptome der Erkrankung in abgemildeter Form zeigen können. In etwa 20 Prozent der Fälle zeigt sich dabei ein starker Hautausschlag, der leicht mit einem allergischen Ausschlag verwechselt werden kann. Bei zu zeitnaher Impfung vor der Reise könnten die Nebenwirkung dazu führen, dass die Reise nicht angetreten werden kann oder die Mitnahme im Flugzeug wegen des Ausschlags verweigert wird.
Auch beim Gelbfieber handelt es sich um eine schwere Virusinfektion. Die Krankheit verläuft in mehreren Phasen mit Fieberschüben. Nach dem ersten Fieberschub kommt es meistens zu einer kurzen vermeintlichen Gesundung. Durch eine Organbeteiligung in den weiteren Phasen kann die Krankheit allerdings tödlich enden. Eine Impfung mit dem sehr empfindlichen Lebendimpfstoff darf nur in von der WHO zugelassenen Gelbfieberimpfstellen erfolgen. Ohne eine entsprechende Impfung ist die Einreise in manchen Ländern nicht erlaubt. Dazu gehören auch Länder in Ost-Asien, in denen es gar keine Gelbfieberviren, nur die entsprechenden Mücken, gibt. Diese Länder möchten mit der strengen Regelung eine Einschleppung des Virus auf diese Weise vermeiden.
Das Zika-Fieber ist eine Viruserkrankung, die sich oft durch unspezifische grippeähnliche Symtome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschlag und Bindehautentzündung äußert. Bei Erwachsenen verläuft die Infektion asymptomatisch (ohne Symptome, also unbemerkt). Besonders für Schwangere kann eine Infektion aber vom ersten bis zum letzten Tag der Schwangerschaft sehr gefährlich sein, denn das Virus kann auf das ungeborene Kind im Mutterleib übertragen werden und zu verschiedenen Fehlbildungen des Fötus führen. Darunter besonders auffällig ist die pränatale Mikroenzephalie, erkennbar an einem zu kleinen Kopf, einhergehend mit geistiger Behinderung.
Bisher gibt es gegen das Zika-Virus weder einen Impfstoff noch spezifische Arzneistoffe. Deshalb wird Schwangeren von Reisen in betroffene Gebiete abgeraten. Frauen mit Kinderwunsch sollten bedenken, dass das Virus noch bis zu drei Monate nach Reiseende über das männliche Sperma übertragen werden kann. Somit kann auch ein allein reisender Mann seine schwangere Partnerin später infizieren.











