Lippenherpes
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Mehr als nur ein Bläschen: Das müssen Sie zu Lippenherpes wissen

Ein Kribbeln an der Lippe, gefüllte Bläschen und anschließend eine Kruste: Für viele Menschen ist Lippenherpes ein ebenso bekanntes wie wiederkehrendes Problem. Wann klopft das Virus besonders gerne an und was lässt sich dagegen tun? Das können Sie Ihren Kund*innen empfehlen – präventiv und akut.

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Wirkstoffklassiker in der Selbstmedikation

Aciclovir gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten antiviralen Wirkstoffen gegen Herpes-simplex-Viren. Seine Entwicklung war damals ein historischer Schritt im Bereich der Virusbekämpfung – 1988 gab es dafür den Nobelpreis.

Das Nukleosidanalogon Aciclovir wird zunächst durch die virale Thymidinkinase phosphoryliert und anschließend durch zelluläre Enzyme weiter aktiviert. Bei Aciclovir handelt es sich also um ein Prodrug.

Der aktive Wirkstoff Aciclovirtriphosphat hemmt kompetitiv die virale DNA-Polymerase und lässt sich zusätzlich als falscher Baustein in die Virus-DNA einbauen. Es kommt zum Kettenabbruch, das Virus wird in seiner Vermehrung ausgebremst. Da Aciclovir durch virale Enzyme aktiviert wird, wirkt es selektiv in virusbefallenen Zellen. Allerdings hemmt es nur die aktive Virusvermehrung, es beseitigt nicht das latent vorhandene HSV-1.

Im Idealfall beginnen Betroffene direkt beim ersten Kribbeln, also in der Prodomalphase, mit der topischen Aciclovir-Therapie, da hier die höchste Replikationsrate des Virus nachweisbar ist. Je weiter der Prozess fortgeschritten ist, desto geringer ist die Möglichkeit, die Entstehung neuer Läsionen noch zu beeinflussen.

Anwendung von Aciclovir

Aciclovir ist als Lippencreme, Creme, Tablette, Infusion, Augensalbe und Suspension verfügbar. In der Selbstmedikation dürfen Sie lediglich die Lippencreme ohne Rezept abgeben. Sie wird fünfmal täglich (alle vier Stunden) dünn auf den infizierten Bereich und die umliegenden Hautareale aufgetragen.

Sollte Ihnen ein Rezept über eine Augensalbe vorliegen, raten Sie, jeweils einen zentimeterlangen Salbenstrang alle vier Stunden in den Bindehautsack des betroffenen Auges einzubringen. Die Tabletten werden ebenfalls alle vier Stunden eingenommen – empfehlen Sie, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten, da der Wirkstoff größtenteils über die Niere eliminiert wird. Daher muss die Dosis bei nachlassender Nierenfunktion auch angepasst werden.

Ein Bild, das Kreis, Entwurf enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.Penciclovir oder Aciclovir?

 Auch bei Penciclovir handelt es sich um ein Nukleosidanalogon, es wird ebenfalls in virusbefallenen Hautzellen aktiviert und der Wirkstoff Penciclovirtriphosphat hemmt die Virusreplikation ebenfalls auf dualem Weg. Wo liegt also der Unterschied?

In placebokontrollierten klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Penciclovir nicht nur in frühen Stadien einer Herpes-Episode wirksam ist, sondern auch in späteren Stadien. Damit scheint es einen kleinen zeitlichen Vorteil gegenüber Aciclovir mitzubringen, sollte beispielsweise schon eine sichtbare Lippenbläschenbildung vorliegen. Doch für einen optimalen Behandlungserfolg empfiehlt es sich auch bei Penciclovir möglichst früh, am besten beim ersten Kribbeln, mit der Behandlung zu beginnen.

Die Lippencreme ist für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen und sollte im Abstand von zwei Stunden mindestens sechsmal täglich aufgetragen werden.

Aciclovir plus Hydrocortison
In diesem Kombinationspräparat ist Aciclovir für die Hemmung der Virusvermehrung zuständig, während Hydrocortison die Symptome der Hautentzündung lindert. Damit sollen Hautläsionen weniger stark ausfallen, Schmerz, Juckreiz und Nässen gelindert werden. Wichtig für Ihre Beratung: Das Glucocorticoid bekämpft nicht die Virusinfektion, es mildert nur die Begleitsymptome eines Lippenherpes.

Ein Bild, das Kreis, Entwurf enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.Gibt’s da auch was Pflanzliches?

Einer pflanzlichen Lippenherpescreme mit dem Trockenextrakt aus Melissenblättern konnte eine virustatische Wirkung nachgewiesen werden: Die Oberflächenrezeptoren von Hautzellen werden blockiert, sodass es den Viruspartikeln erschwert wird, in die Zelle einzudringen und sich dort zu vermehren. Daher ist es auch bei dieser pflanzlichen Alternative wichtig, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Zugelassen ist die Lippencreme ab einem Jahr.

Einen anderen Ansatz verfolgt die topische Anwendung von Docosanol, einem gesättigten Fettalkohol mit antiviralen Eigenschaften. Der Wirkstoff verhindert die Fusion von Virushülle und Zellmembran, sodass der Partikel nicht in die Zelle eindringen und sich vermehren kann. Auch hier gilt daher: möglichst früh mit der Behandlung beginnen. Die Lippencreme ist ab zwölf Jahren zugelassen.

Gerade ältere Kund*innen fragen auch immer wieder nach Zinksalben oder -gelen zur Behandlung von Lippenherpes. Dem Wirkstoff Zinksulfat wurde eine schwache virustatische und antibakterielle Wirkung nachgewiesen, er wirkt zudem wundheilungsfördernd, kühlend und adstringierend. Kleiner Zusatznutzen: Zink schottet die befallenen Hautareale vor UV-Licht ab, einem Triggerfaktor der Herpes-Reaktivierung. Diese Topika sind für alle Kund*innen geeignet, die ihre körpereigene Heilung unterstützen möchten.

Patches gegen Lippenherpes
Bei Herpes-Patches handelt es sich um hydrokolloidale Wundauflagen: Sie halten die Wunde feucht, fördern so die Wundheilung und reduzieren die Schorfbildung. Das Spannungsgefühl kann gemildert und die Läsionen kosmetisch abgedeckt werden.

Wichtig für Ihre Beratung: Die Patches enthalten keinen Wirkstoff. Und sie sollen nicht aufgeklebt werden, wenn die Haut zuvor mit Lippenherpescreme behandelt wurde. Empfehlen Sie bei Bedarf die abwechselnde Anwendung aus Patch und Salbe.

Raten Sie von Hausmittelchen wie Zahnpasta oder Teebaumöl ab. Die Wirkung ist nicht klinisch nachgewiesen und die Haut wird zusätzlich ausgetrocknet und gereizt.

Grenzen der Selbstmedikation

Lippenherpes heilt in der Regel komplikationslos von selbst aus. Bemerken Sie folgende Red Flags im Beratungsgespräch, sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht:

  • Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, medikamentös oder krankheitsbedingt.
  • Die Läsionen breiten sich aus und betreffen auch Mundhöhle, Nase oder Auge. Vor allem eine Augenbeteiligung sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden, denn HSV-1 kann weitere Augenerkrankungen wie eine Keratitis fördern.
  • Die Beschwerden bessern sich innerhalb einiger Tage nicht oder es liegt ein ungewöhnlich starker Verlauf vor (mit geschwächtem Allgemeinbefinden, Fieber, starken Schmerzen).
  • Bei Erstinfektion, vor allem im Säuglings- oder Kleinkindalter. Generell stellen diese beiden Patient*innengruppen keinen Fall für die Selbstmedikation dar.
  • Die betroffene Person ist schwanger oder stillt.
  • Wenn Rezidive sehr häufig im Jahr auftreten und die Lebensqualität darunter leidet.
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