Lippenherpes
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Mehr als nur ein Bläschen: Das müssen Sie zu Lippenherpes wissen

Ein Kribbeln an der Lippe, gefüllte Bläschen und anschließend eine Kruste: Für viele Menschen ist Lippenherpes ein ebenso bekanntes wie wiederkehrendes Problem. Wann klopft das Virus besonders gerne an und was lässt sich dagegen tun? Das können Sie Ihren Kund*innen empfehlen – präventiv und akut.

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Die große Familie der Herpesviren

Sprechen Menschen von Herpes, sind fast immer die kleinen, nervigen Lippenbläschen gemeint. Dabei umfasst die Familie der Herpesviren über 200 Mitglieder. Neun von ihnen sind für den Menschen spezifisch, man nennt sie daher Humane Herpesviren (HHV):

  • Herpes-simplex-Viren des Typs 1 und 2
  • Varizella-Zoster-Virus
  • Epstein-Barr-Virus
  • Cytomegalievirus
  • Humanes Herpesvirus 6A, 6B und 7
  • Kaposi Sarkom-assoziiertes Herpesvirus 

So unterschiedlich die Namen, so verschieden sind auch die Krankheiten, die von den Viren ausgelöst werden. Neben Lippenherpes sind die Viren auch für Genitalherpes, Windpocken, Gürtelrose, das Pfeiffersche Drüsenfieber, das sogenannte Dreitagefieber und sogar verschiedene Krebsarten verantwortlich. Viele Krankheiten lassen sich symptomatisch gut behandeln, außer Gefecht lassen sich die Viren jedoch nicht setzen. Und lediglich gegen das Varizella-Zoster-Virus existiert bislang eine Impfung.

Doch was vereint diese Familie? Alle Herpesviren sind doppelsträngige DNA-Viren mit einem sehr ähnlichen, komplexen Aufbau und der Fähigkeit, ein Leben lang im Körper zu verbleiben. Diese Latenz ist eine bemerkenswerte wie charakteristische Fähigkeit der Herpesviren: Sie begleiten den Menschen bereits seit den frühesten Stadien seiner Entwicklung auf der Erde und haben sich hervorragend an ihn als Wirt angepasst. Das erklärt auch die hohe Durchseuchungsrate: Praktisch jeder erwachsene Mensch trägt eines oder mehrere der Humanen Herpesviren in sich.

Warum der Herpes immer wiederkommt

Die Erstinfektion mit einem Herpesvirus bleibt häufig unbemerkt, denn die Symptome gleichen denen eines Erkältungsinfekts: geschwollene Lymphknoten, erhöhte Körpertemperatur bis Fieber, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit. Hat das Immunsystem wieder die Oberhand, gehen die Viren in das Stadium der Latenz über.

Normalerweise „besiegt“ der Körper eine Krankheit, unabhängig, ob viral oder bakteriell bedingt, und krankheitsauslösende Erreger werden eliminiert. Bei Herpesviren ist das anders, sie tauchen ab. In dieser Phase ruht die Virusreplikation, es werden keine neuen Viruspartikel produziert – damit laufen übrig gebliebene Partikel unter dem Radar des Immunsystems.

Ist dieses aber abgelenkt oder geschwächt, kann es zur sogenannten Reaktivierung kommen: Das Virus beginnt, sich wieder zu vermehren und kann neue Symptome auslösen. Das muss aber nicht sein, auch Reaktivierungen können nahezu symptomfrei verlaufen. Das Problem dabei: Das Virus vermehrt sich unbemerkt, wird ausgeschieden – und kann sich somit auf neue Wirte übertragen. 

Typische Ursachen für ein solch abgelenktes Immunsystem sind:

  • Stress
  • hormonelle Veränderungen
  • starke körperliche Belastungen
  • eine Infektion oder Grunderkrankung
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, zum Beispiel Glucocorticoide, Chemotherapeutika oder Immunsuppressiva nach Transplantation
  • Immunschwächekrankheiten wie AIDS oder genetische Defekte 

Latenzorte – wo versteckt sich das Virus?

Während der Latenzphase verstecken sich Herpesviren vor dem Radar des Immunsystems. Je nach Virusart unterscheiden sich die Orte:

  • Alphaherpesviren wie HSV-1, HSV-2 oder Varizella-Zoster-Virus verstecken sich in den Nervenknoten (Ganglien).
  • Betaherpesviren wie das Cytomegalievirus nutzen Blut- oder Endothelzellen als Rückzugsort.
  • Gammaherpesviren wie unter anderem das Epstein-Barr-Virus finden sich bevorzugt in lymphatischen Geweben.
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