Symbolbild Medikationsmanagement © aurielaki / iStock / Getty Images Plus
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ZWILLINGE ODER DOCH EHER GESCHWISTER?

Was verbirgt sich hinter den Begriffen Medikations- und Medikamentenmanagement? Sie werden oft fälschlicherweise synonymisch verwendet werden, dabei gibt es entscheidende Unterschiede.

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Mal Hand aufs Herz: Können Sie aus dem Stegreif diese Unterschiede beschreiben? Sie wissen aus Ihrem beruflichen Alltag, dass dem Thema Arzneimittelsicherheit zu Recht eine sehr große Bedeutung zukommt. Angefangen bei der Wissenschaft, über den Hersteller und den Vertrieb bis hin zu Ihnen in der Apotheke. Jedes Glied dieser Kette hat seine Aufgaben und Pflichten, denn es geht um die Optimierung der Arzneimittelversorgung der Patienten.

Aufgrund steigender Patientenzahlen und eines immer größer werdenden Arzneimittelangebotes wächst auch die Herausforderung für Ärzte und Apotheker, nämlich die „fortlaufende und dauerhafte Verbesserung der Arzneimitteltherapie sowie eine Reduzierung von Arzneimittelrisiken“, wie Sie unter SL01/Suche „Medikationsmanagement“/Medikationsmanagement erfahren. Dabei geht es in erster Linie darum, dass seitens der Apothekerschaft der Wunsch besteht, in die Patientenversorgung im Rahmen eines verbesserten Medikationsmanagements intensiver eingebunden zu sein.

Fangen wir beim Medikationsmanagement an Wie im genannten Bericht zu lesen ist, existiert seit 2014 ein Grundsatzpapier, das sich mit der Leistungsbeschreibung und Definition der Begriffe „Medikationsanalyse“ und „Medikationsmanagement“ befasst. Dieses kann sich jeder Interessierte herunterladen und in aller Ruhe studieren. Ebenso lesenswert ist ein Glossar, also ein Verzeichnis, zum Herunterladen, das auch noch weitere Begriffsdefinitionen beinhaltet. Zum Thema lesen Sie dort: „Gemäß der systematischen Definition ist unter ‚Medikationsanalyse‘ eine strukturierte Analyse der aktuellen Gesamtmedikation eines Patienten zu verstehen. Sie hat die Erhöhung der Effektivität der Arzneimitteltherapie und die Minimierung von Arzneimittelrisiken zum Ziel.

Von ‚Medikationsmanagement‘ soll zukünftig nur dann die Rede sein, wenn sich an die ‚Medikationsanalyse‘ eine kontinuierliche Betreuung durch ein interdisziplinäres Team anschließt.“ Im Zusammenhang damit finden Sie unter SL02/Suche „Leitlinien und Arbeitshilfen“/Medikationsanalyse den Link zu den Leitlinien der Bundesapothekerkammer, die die entsprechende Leitlinie „Medikationsanalyse“ enthalten. Grundsätzlich fallen, vergleichbar mit der Arzneimittelberatung, diese beiden Themen Medikationsanalyse und -management gerade bei Personen, die aufgrund bestimmter Parameter ein erhöhtes Risiko für arzneimittelbezogene Probleme haben, in den Dienstleistungsbereich der Apotheken.

Und was ist dann Medikamentenmanagement? Dieses Thema hat eher etwas mit den Abläufen in der täglichen Patientenversorgung zu tun. Durch die unterschiedlichsten Medikamente, die von der (Krankenhaus-)Apotheke bis zum Bett eines Patienten oftmals eine Odyssee hinter sich bringen müssen, ist eine komplexe Medikamentenverwaltung vonnöten, um Medikationsfehler und Versorgungsengpässe zu vermeiden. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe beschreibt, dass beim Stellen von Medikamenten die Fehlerquote pro Ausgabe auf 1,39 Prozent geschätzt wird. Jährlich sterben demnach rund 58 000 Menschen in deutschen Krankenhäusern an den Folgen unerwünschter Medikamentenwirkungen.

Das sind dramatische Zahlen und das Medikamentenmanagement ist ein Werkzeug, mit dem diese Situation zum Besseren hin verändert werden kann. Die Versorgung mit passenden Medikamenten in der richtigen Dosierung und Kombination zählt zu den verantwortungsvollsten Aufgaben bei der Behandlung, Betreuung und Pflege von Patienten. Ein sorgfältiges Medikamentenmanagement beinhaltet neben dem Verabreichen von Medikamenten auch die Entgegennahme der ärztlichen Verordnungen, Beschaffung, Vorbereitung und Dokumentation der Medikamente und die Beobachtung des Patienten im Hinblick auf Wirkungen und Nebenwirkungen, wie bei der Heimerer Berufsakademie unter SL03/Fortbildung&Weiterbildung/Suche „Management/Medikamenten-Management zu lesen ist.

Hier ist auch ein entsprechendes Seminar zu buchen, das medizinische und pharmakologische Kenntnisse über den gesamten Steuerungsprozess vermittelt und somit einen weiterreichenden Überblick in das Thema Medikamentenmanagement ermöglicht. Von der Berliner Charité gibt es im Internet unter SL04/Suche „Loeber.pdf“/Workshop 22 ein sehr anschauliches PDF, das unter dem Titel „Digitales berufsübergreifendes Medikamentenmanagement im stationären Behandlungsprozess“ ein optimiertes Management mit digitaler Unterstützung im Krankenhaus darstellt.

Thema Verblisterung Im Zusammenhang mit dem Medikamentenmanagement ist für die Apotheken, die in der Heimversorgung tätig sind, ein zentraler Aspekt die viel diskutierte Verblisterung von Arzneimitteln. Dabei geht es darum, dass die Patienten in Pflegeeinrichtungen, die zahlreiche unterschiedliche Medikamente zu ebenso unterschiedlichen Zeiten verabreicht bekommen müssen, auch tatsächlich mit den richtigen Präparaten in richtiger Dosierung versorgt werden. Die Verblisterung, also die patientenindividuelle Zusammenstellung der verordneten oral einzunehmenden, festen Medikamente, stellt für das Pflegepersonal durchaus eine Erleichterung dar, da es sich um das Einlegen der Tabletten in Dispenser nicht weiter kümmern muss.

Flüssige Präparate, Cremes und Salben lassen sich in dieses System indes nicht integrieren. Auch stellt sich die Frage nach der technischen und personellen Ausstattung der entsprechenden Apotheken. Es bedarf erweiterter Dokumentationen, und auch juristisch ist dieses Konzept nicht ganz unproblematisch. Lesen Sie, was die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz dazu schreibt: SL05/Suche „Blister aus der Apotheke: Wer haftet?“. Ebenfalls kritisch setzt sich SL06/Suche „Aspekte zur Verblisterung“/Seite 3/Aspekte zur Verblisterung mit diesem Thema auseinander. Sie sehen, hinter den beiden vermeintlich gleichen Begriffen verbergen sich viele unterschiedliche Facetten. Die beiden gehören sicher zusammen, und sie dienen einer Sache, der Arzneimittelsicherheit, aber sie sind weder identisch noch Zwillinge, allenfalls Geschwister.

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 04/2021 ab Seite 50.

Wolfram Glatzel, freier Journalist
Ursula Tschorn, Apothekerin

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