Zeichnung: Querschnitt der Nieren© Mohammed Haneefa Nizamudeen / iStock / Getty Images Plus
Einige Arzneimittel belasten die Nieren - Augen auf im Beratungsgespräch!

Nebenwirkungen

DAS GEHT AN DIE NIEREN

Fast jeder zehnte Deutsche leidet an einer chronischen Nierenerkrankung, oft, ohne es zu wissen. Das Tückische: Die Symptome stellen sich erst ein, wenn es schon zu spät sein kann. Bei der Prävention sind auch die Apotheken gefragt.

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Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, und einige gängige Substanzen können bestehende Probleme verstärken. Manchmal sind auch unglückliche Kombinationen von Wirkstoffen schuld: Einige Wirkstoffe belasten die Nieren.

Apotheken können dabei helfen, Nierenschäden durch Arzneimittel zu verhindern oder rechtzeitig zu erkennen. Hier finden Sie einen kurzen Überblick, welche Substanzen problematisch sein können.

Risikopatienten für Nierenschäden: Augen auf am HV!

Personen über 60 Jahre, Diabetiker, Menschen mit bestehender Herz- oder Niereninsuffizienz: das sind die klassischen Risikopatienten für eine Nierenschädigung durch Arzneimittel. Auch ein Flüssigkeitsmangel kann die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Als erste unspezifische Symptome einer Nierenfunktionsstörung treten

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • Übelkeit und
  • ein allgemeines Krankheitsgefühl auf.

Spätere Anzeichen sind

  • Verminderte Urinproduktion,
  • Wassereinlagerungen und
  • Juckreiz.

Fällt die verringerte Nierenleistung früh auf, verhindert das oft bleibende Schäden.

Arzneimittel können unterschiedlich nierentoxisch wirken. Bei vielen Arzneistoffen ist der Effekt auch dosisabhängig oder hängt mit der Anwendungsdauer zusammen. Werden mehrere Arzneimittel kombiniert, können die nierenschädigenden Effekte sich sogar gegenseitig verstärken. Hier ist es wichtig, auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente wie Schmerzmittel im Auge zu behalten und gegebenenfalls an den Arzt zu verweisen.

Werden mehrere Arzneimittel kombiniert, können die nierenschädigenden Effekte sich verstärken. Deshalb ist es wichtig, auch rezeptfreie Arzneimittel mit zu bedenken.

So arbeiten die Nieren

Pro Minute filtert der Glomerulus, die Filterstruktur der Nieren, bei einem gesunden Menschen etwa 120 Milliliter (ml) Plasma. Diesen Wert nennt man Glomeruläre Filtrationsrate (GFR):

  • Bei Werten unter 90 Milliliter pro Minute (ml/min) spricht man von einer leichten,
  • unter 30 von einer hochgradigen Funktionseinschränkung.
  • Werte unter 15 ml/min bedeuten eine Dialysepflicht und, wenn möglich, eine Nierentransplantation.

Wie Arzneimittel den Nieren schaden können

Prostaglandine regulieren den Zufluss zum Glomerulus. Die Prostaglandine erweitern hier die Arteriolen. Um den Druck aufrechtzuerhalten, verengt Angiotensin II die ableitenden Arteriolen. Das bedeutet: Arzneimittel, die die Wirkung der Prostaglandine abschwächen (wie nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR) oder die die Wirkung des Angiotensin II verringern (wie ACE- Hemmer oder Angiotensin II-Rezeptorblocker) reduziert die GFR. Ist diese bereits durch Vorerkrankungen erniedrigt, kann es zu Problemen bei der Entgiftung kommen.

Giftig für die Nierenzellen

Manche Arzneistoffe wirken direkt toxisch auf die Zellen im vorderen Teil des Tubulus. Diese Zellen sind besonders empfindlich, weil sie den Primärharn aufkonzentrieren und wichtige Stoffe rückresorbieren. Dabei sind sie hohen Konzentrationen von potenziellen Giften ausgesetzt. Besonders Aminoglycoside wie Gentamicin, Virustatika wie Tenofovir, aber auch Kontrastmittel und Cisplatin sind zelltoxisch.

Achtung Allergie!

Eine akute Nephritis, eine Entzündung des Nierengewebes, kann ausgelöst werden durch allergische Reaktionen auf

  • Beta-Lactam-Antibiotika,
  • Sulfonamide,
  • Allopurinol,
  • Aciclovir,
  • NSAR oder
  • Protonenpumpenhemmer.

Da diese Arzneistoffe sehr häufig zum Einsatz kommen und teilweise in der Selbstmedikation erhältlich sind, sollten Sie aufmerksam beraten. Bei der Einnahme von Paracetamol oder NSAR in hohen Dosen über längere Zeit ist eine chronische Nephritis möglich. Wichtig ist hier die rechtzeitige Diagnose.

Arzneimittel, die der Struktur des Nierengewebes schaden können

Ciprofloxacin, Sulfonamide, Aciclovir und Methotrexat neigen zur Kristallbildung im Nierengewebe. Diese entstehen vor allem bei Menschen, die zu wenig trinken oder bereits Nierenschäden aufweisen.

Die wohl bekannteste Nebenwirkung der Statine, die Rhabdomyolyse, kann auch durch rund 150 weitere Arzneistoffe ausgelöst werden. Der Zerfall der Skelettmuskulatur setzt Myoglobin frei, welches unter anderem die Nieren schädigt.

Bei Einnahme von Clopidogrel oder Ciclosporin sind Mikrothromben in den Nieren möglich.

Sie sehen also: Eine Vielzahl von Arzneimitteln kann Nierenprobleme auslösen oder verstärken. Umso wichtiger ist eine gute, aufmerksame Beratung in der Apotheke vor Ort.

Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/angriff-auf-die-nieren-140372/
https://www.dgfn.eu/pressemeldung/wnt-2023-pm.html
https://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=33136 

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