Adipositas-Therapie: Zu Spritzen und Tabletten beraten
7 Minuten 50 Punkte
- 1Lernziele
- 2Adipositas: Was steckt dahinter?
- 3Sensibel beraten
- 4Semaglutid und Tirzepatid
- 5Beratung am HV-Tisch
- 6Abschlussquiz
01. Mai 2027
Arzneimittel gegen Adipositas
Die Adipositas-Therapie ruht laut der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) auf drei Säulen: Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. In den letzten Jahren sind mit den GLP-1-Rezeptoragonisten Arzneimittel hinzugekommen, die den Therapieerfolg deutlich verbessern können.
Wie wirken GLP-1-Rezeptoragonisten?
GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) ist ein körpereigenes Darmhormon, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Es signalisiert dem Gehirn Sättigung, verlangsamt die Magenentleerung und stimuliert die Insulinfreisetzung. GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen diese Wirkung nach – das Sättigungsgefühl hält länger an, Betroffene essen insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.
Semaglutid
Semaglutid ist als Spritze (subkutane Injektion, einmal wöchentlich) bereits etabliert. Studienergebnisse zeigen eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von etwa 11 bis 17 Prozent.
Seit September 2026 ist Semaglutid auch als Tablette verfügbar – ein Meilenstein, denn damit gibt es erstmals ein orales Arzneimittel mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten zur Gewichtsreduktion. Die Zulassung gilt für Menschen mit Adipositas (BMI ab 30) oder Übergewicht (BMI ab 27) mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.
Die orale Dosis ist deutlich höher als die injizierte. Magen und Dünndarm nehmen nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge auf. Die Maximaldosis der Tablette liegt bei 25 Milligramm (mg), die der Spritze bei 2,4 mg – das ist etwa die 70-fache Menge. Die Wirksamkeit ist dennoch vergleichbar.
Tirzepatid
Tirzepatid ist ein dualer Agonist: Es wirkt sowohl am GLP-1- als auch am GIP-Rezeptor (glucoseabhängiges insulinotropes Peptid). In Studien zeigte Tirzepatid eine noch stärkere Gewichtsreduktion als Semaglutid. Es wird ebenfalls als subkutane Injektion einmal wöchentlich angewendet.
| Wirkstoff | Applikation | Anwendung |
|---|---|---|
| Semaglutid (Spritze) | Subkutane Injektion | 1× wöchentlich |
| Semaglutid (Tablette) | Oral | 1× täglich, nüchtern, 30 min vor Essen/Trinken/anderen Arzneimitteln |
| Tirzepatid | Subkutane Injektion | 1× wöchentlich |
Häufige Nebenwirkungen aller drei Darreichungsformen sind Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Diese sind meist mild bis moderat und klingen oft im Therapieverlauf ab.
Wichtig: Semaglutid – ob als Spritze oder Tablette – ist verschreibungspflichtig. Die Kosten für die Adipositas-Indikation müssen Patient*innen in Deutschland derzeit selbst tragen, da Abnehmmittel als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel gelten. Bei Typ-2-Diabetes hingegen übernehmen die Krankenkassen die Behandlung.
Frage: Worin unterscheiden sich Semaglutid und Tirzepatid im Wirkmechanismus?
A. Semaglutid wirkt am GLP-1-Rezeptor, Tirzepatid zusätzlich am GIP-Rezeptor
B. Tirzepatid hemmt die Fettresorption im Darm, Semaglutid nicht
C. Semaglutid wirkt nur bei Typ-2-Diabetes, Tirzepatid nur bei Adipositas











