Ein junger Mann trägt eine VR-Brille.
Mithilfe einer sogenannten Virtual-Reality-Brille und einer App könnte in Zukunft die Höhenangst von zu Hause besiegt werden. © Azret Ayubov / iStock / Getty Images Plus

Forschungserfolg | Neue Therapieform

VIRTUAL-REALITY-APP GEGEN HÖHENANGST

Höhenangst ist ein weit verbreitetes Phänomen. Bei ungefähr fünf Prozent der Betroffenen ist das Unwohlsein in Höhensituationen derart ausgeprägt, dass sie stark darunter leiden. Forschende der Universität Basel haben nun eine Virtual-Reality-App für das Smartphone entwickelt, die Höhenangst nachweislich reduziert.

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Schwierig war’s, die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten auf das medizinische Phänomen der Höhenangst anzuwenden. Betroffene nahmen selten die Expositionstherapie in Anspruch, bei der sie sich unter professioneller Anleitung in die gefürchtete Situation begaben. Einerseits setzten sie sich nur widerwillig ihrer Angst aus, andererseits spielten auch Schwierigkeiten eine Rolle, passende Höhensituationen im therapeutischen Setting zu schaffen.

Ein interdisziplinäres Forscherteam aus Basel um Professor Dominique de Quervain hat deshalb „Easyheights“ entwickelt, eine Virtual-Reality-App, mit der sich eine Exposition auf dem Smartphone simulieren lässt. Die App arbeitet mit 360-Grad-Bildern von realen Orten, die mit einer Drohne aufgenommen wurden. Menschen, die unter Höhenangst leiden, können die App per Headset einsetzen.

Virtuelle Höhe
In diesem virtuellen Erlebnis stehen die Nutzer auf einer Plattform, die sich zunächst einen Meter über dem Boden befindet. Nach einer Gewöhnungszeit wird die Plattform automatisch weiter angehoben. Auf diese Weise steigt die wahrgenommene Position über dem Boden langsam und stetig an, ohne dass das Angstniveau zunimmt.

Die Wirksamkeit dieses Ansatzes konnte das Forscherteam mittels einer randomisierten Studie nachweisen: 50 Studienteilnehmer mit Höhenangst absolvierten entweder ein vierstündiges Höhentraining in der virtuellen Realität oder wurden der Kontrollgruppe ohne solches Training zugewiesen. Vor und danach bestiegen die Probanden beider Gruppen den Aussichtsturm Uetliberg bei Zürich. Dabei protokollierten die Forscher jeweils die erreichte Höhe sowie die Stärke der empfundenen Angst auf jeder Etage des Aussichtsturms. Letztlich konnten die Forscher die Ergebnisse von 22 Probanden mit „Easyheights“-Training und 25 aus der Kontrollgruppe auswerten.

Das Ergebnis: Die Gruppe, die mit der App trainiert hatte, zeigte weniger Angst auf dem Turm und war in der Lage, höher in Richtung Spitze zu klettern als vor dem Training. In der Kontrollgruppe fand hingegen keine positive Veränderung statt. Die Wirksamkeit des Höhentrainings mit der App ist somit vergleichbar mit einer klassischen Expositionstherapie.

Bereits seit mehr als zwanzig Jahren wird der Einsatz von virtueller Realität zur Behandlung von Höhenangst erforscht. Dr. Dorothee Bentz, Erstautorin der Studie erklärt:

Neu ist jedoch, dass Smartphones die virtuellen Szenarien erzeugen und diese sonst technisch aufwändige Therapieform damit deutlich zugänglicher wird.

Betroffene mit leichten Formen der Höhenangst können sich die kostenlose Applikation in Kürze aus gängigen App-Stores herunterladen und in Eigenregie üben. Bei Betroffenen mit einer ausgeprägten Höhenangst empfehlen die Forscher jedoch, die App nur in Begleitung einer fachlich versierten Person zu nutzen.

Alexandra Regner,
PTA und Medizinjournalistin

Quelle: informationsdienst wissenschaft

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