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Hormone – Teil 6

SEXUALFUNKTION UND FORTPFLANZUNG

Rein „weibliche“ oder „männliche“ Hormone gibt es genau genommen nicht; nur die Mengenverhältnisse und die Wirkweise der Stoffe unterscheiden sich bei den Geschlechtern.

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Sexualhormone werden hauptsächlich in den Gonaden, also den Hoden des Mannes beziehungsweise den Eierstöcken der Frau gebildet. Sie steuern die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale sowie die Vorgänge der Reproduktion. Estrogene etwa sind an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt. Auch auf das Wachstum des Brustgewebes nehmen sie Einfluss.

Daneben kommen den Geschlechtshormonen noch diverse andere Aufgaben zu. So sorgen Androgene und Estrogene neben anderen Faktoren für einen ausgeglichenen Knochenstoffwechsel. Auch die Haut unterliegt dem Einfluss der Hormone, beispielsweise stimuliert Estrogen die Synthese von Kollagen und Hyaluronsäure. Und ein Überschuss männlicher Sexualhormone kann das Entstehen von Mitessern und Pickeln begünstigen, daher kommen zum Beispiel bei schwerer Akne bei Frauen auch antiandrogen wirkende Substanzen zum Einsatz.

Eine weitere Eigenschaft der Androgene ist ihre muskelaufbauende Wirkung, die gerne zur Leistungssteigerung missbraucht wird. Estrogene beeinflussen unter anderem die Wasser- und Salzausscheidung ebenso wie die Gerinnungsneigung des Blutes.

Keine Krankheit Um das Alter von 50 Jahren herum lässt die Funktion der Eierstöcke nach; die Hormonproduktion versiegt schließlich. Neben langfristigen Folgen wie einer abnehmenden Knochendichte bis hin zur Osteoporose ist dies nicht selten mit vegetativen Beschwerden verbunden (auch: sogenannte vasomotorische Beschwerden, da sie mit der nervalen (Fehl)Steuerung der Gefäßweite zu tun haben).

»Estrogene beeinflussen die Wasser- und Salzausscheidung ebenso wie die Gerinnungsneigung des Blutes.«

Die häufigsten und unangenehmsten sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die je nach Häufigkeit extrem belastend sein können. Ausgerechnet, wenn eine Frau schon relativ früh nach der allerletzten Monatsblutung (Menopause), also in der frühen Perimenopause darunter leidet, kann die Phase massiver Beeinträchtigungen besonders lang dauern (teilweise über zwölf Jahre), hat kürzlich eine Studie ergeben.

Estrogene sind auch für die Gesunderhaltung von Bindegewebe, Haut und Schleimhäuten wichtig. Ein Mangel führt daher oft auch zu Scheidentrockenheit und damit verbunden zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Entzündungen und erhöhter Anfälligkeit für urogenitale Infektionen.

Hormontherapie Die Zufuhr des fehlenden Hormons ist weiterhin die effektivste Behandlung. Eingesetzt wird Estradiol in Salzform als Estradiolvalerat oder Estradiolhemihydrat, mikronisiert oder als konjugierte equine Estrogene (Mischpräparat), nicht aber – wegen der starken Nebenwirkungen wie Thromboembolien – in Form des in vielen Kontrazeptiva enthaltenen Ethinylestradiols.

Estrogene regen die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) stark zur Proliferation an. Ungebremst kann sich so auch ein Endometriumkarzinom entwickeln. Daher muss die Hormontherapie immer auch eine Gestagenkomponente enthalten, welche der übermäßigen Schleimhautwucherung entgegenwirkt. Ein solcher Endometriumschutz ist nicht nötig, wenn die Frau keine Gebärmutter mehr hat.

In die Kritik geraten ist die Hormontherapie 2002 mit der Veröffentlichung der großen WHI-Studien (Women’s Health Initiative), als gefunden wurde, dass die Hormongaben offenbar mehr Schaden als Nutzen verursachen: So wurde konträr zur ursprünglichen Annahme das kardiovaskuläre Risiko durch die Hormone sogar gesteigert. Vor allem aber hatten die behandelten Frauen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Dieses ist abhängig von der Dauer der Anwendung, wobei die normalerweise benötigte kombinierte Hormongabe (Estrogen plus Gestagen) das Risiko stärker steigert als eine Estrogen-Monotherapie.

Bei ausgeprägten Beschwerden gilt die Substitution weiter als gerechtfertigt, allerdings für möglichst kurze Dauer (keine fünf Jahre lang) und so niedrig dosiert wie möglich. Von der transdermalen Applikation (Pflaster, Gel) nimmt man an, dass sie verträglicher ist, insbesondere kann wegen der Umgehung des First-Pass-Effektes niedriger dosiert werden. Man hofft, dass damit unerwünschte Effekte wie die Bildung gerinnungsaktiver Substanzen in der Leber reduziert beziehungsweise vermieden werden.

Die Applikationsform erlaubt es zudem, bedarfsgerecht niedrig zu dosieren. Manche Gynäkologen empfehlen, eine transdermale Estradiolgabe am besten zusammen mit einem natürlichen oder mikronisierten Progesteron als Gestagenkomponente zu geben, also dem körpereigenen Gestagen; in dieser Kombination war die Hormontherapie in einer französischen Studie nicht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden.

Soja & Co. Phytoestrogene, wie sie in Soja oder Rotklee enthalten sind, sind in isolierter Form (Nahrungsergänzungsmittel) zumindest nicht für eine längerfristige Einnahme geeignet: Gerade wegen der hormonähnlichen Wirkung der Isoflavone können sie das Brustdrüsengewebe verändern und so unter Umständen sogar eine Karzinomentwicklung begünstigen. Eine günstige Wirkung wird der Kombination aus Cimicifuga plus Johanniskraut bescheinigt; dies könnte eine Alternative sein, sofern die Wechselwirkungen von Johanniskraut mit einigen anderen Medikamenten beachtet werden.

Für Kundinnen, die der Homöopathie aufgeschlossen gegenüberstehen, kann auch die Kombination von Cimicifuga, Sepia, Ignatia und Sanguinaria eine Option sein. Bei starken vasomotorischen Beschwerden reicht der Effekt pflanzlicher Präparate jedoch meist nicht aus. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin- Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) sowie Antikonvulsiva können – off label – vasomotorische Symptome ebenfalls bekämpfen.

Wechseljahre des Mannes Auch bei ihm nimmt die Hormonproduktion etwa ab dem 40. Lebensjahr kontinuierlich ab, wenn auch deutlich langsamer. Viele sprechen vom „Climacterium virile“. Ein echtes Androgenmangelsyndrom (ADAM) liegt jedoch nur bei einem kleinen Teil der Männer vor. Die meisten Veränderungen, die Mann an sich feststellt, sind eben Folgen des ganz normalen Alterungsprozesses.

Hier finden Sie die anderen Teile der Artikelreihe:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 08/14 ab Seite 28.

Waldtraud Paukstadt, Dipl. Biologin

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