Apotheker, PTA und Lehrer wünschen sich eine Reformierung

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Ohne sie geht heute nichts mehr in der öffentlichen Apotheke. Die Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) übernehmen wichtige Aufgaben im Labor und bei der Beratung von Patienten.

Doch Zukunftssorgen plagen die Apothekenleiter in Niedersachsen. Immer mehr PTA haben das Rentenalter erreicht. Und immer weniger junge Menschen entschließen sich zu einer PTA-Ausbildung. Dazu kommen noch die geburtenschwachen Jahrgänge. In Niedersachsen fehlen PTA. „In manchen Schulen können ganze Klassen nicht besetzt werden, weil qualifizierte Bewerber fehlen. Ganz eindeutig werden derzeit in Niedersachsen weniger PTA ausgebildet als in den Apotheken benötigt werden,“ warnt Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen. „Wir müssen dringend handeln, um Nachwuchs zu gewinnen!“

Eine bedrohliche Situation für die Apotheken. Schließlich müssen sich gerade jetzt Chefs und Ausbilder den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen und ihr Fachpersonal verstärken. Doch wie kann die Attraktivität dieses Berufs gesteigert werden?

Die Apothekerkammer Niedersachsen wollte es genau wissen und befragte diejenigen, die es betrifft: PTA mit Berufserfahrung, PTA in der Ausbildung, Apotheker, die ausbilden, und Lehrer an PTA-Schulen. Die Resonanz auf eine schriftlich in Niedersachsen durchgeführte Umfrage war erfreulich hoch – ein Zeichen für das rege Interesse der Betroffenen. 56 Prozent der befragten Apotheker, 25 Prozent der angestellten PTA, 21 Prozent der Auszubildenden und 39 Lehrer haben den Fragebogen der Kammer beantwortet.

Apotheker: für längere Ausbildungszeit und mehr Praxiserfahrung
73 Prozent der Apotheker, die in ihrer Apotheke PTA beschäftigen, wünschten sich mehrheitlich eine Verlängerung der Ausbildungszeit von zweieinhalb auf drei Jahre. Hand in Hand geht damit die Forderung einher, den praktischen Anteil aufzustocken, indem das Berufspraktikum von einem halben Jahr auf ein Jahr verlängert wird. Zugleich sprachen sich die befragten Apotheker deutlich für eine Reform der Ausbildungsinhalte aus. 79 Prozent wünschen sich im Lehrplan mehr Nähe zum Arbeitsalltag. Sie fordern eine Anpassung des theoretischen Lehrstoffs an die Berufspraxis.

Lehrer: gegen Verlängerung, aber für neue Inhalte
Die Lehrer halten dagegen nicht viel von einer längeren Ausbildungszeit. Nur sieben der befragten Lehrkräfte befürworteten eine Verlängerung, 30 waren sogar eindeutig dagegen. Sollte die Schulzeit auf zweieinhalb Jahre plus einem halben Jahr Praktikum verlängert werden, dann rechnen die Lehrer mehrheitlich mit Problemen bei der Durchführung: 17 Lehrer gaben an, dass sich eine Verlängerung an ihrer Schule nicht umsetzen lässt, 12 waren sich unsicher. Lieber wäre den Lehrern eine Umstrukturierung: 35 der Befragten halten eine Aktualisierung der Lehrinhalte für wichtiger als eine Ausbildungsverlängerung.

PTA: Finanzierung muss gesichert sein
Die ausgebildeten PTA sind im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Ausbildung. Das hat die Befragung ebenfalls gezeigt. 52 Prozent der inzwischen angestellten PTA bewerteten ihre eigene Ausbildung im Nachhinein mit mindestens „gut“. 40 Prozent hielten diese Zeit immerhin für „befriedigend“, acht Prozent für „ausreichend“ und schlechter. Dennoch fühlten sich die meisten auf ihre beruflichen Aufgaben genügend vorbereitet. 30 Prozent der Befragten vergaben dafür mindestens ein „gut“, 48 Prozent ein „befriedigend“, 21 Prozent ein „ausreichend“ oder schlechter.

Eine kurze Ausbildungszeit, für die Lehrer ein Pluspunkt bei der Berufswahl, ist für die PTA nicht zwangsläufig von Vorteil: 51 Prozent waren der Meinung, die Ausbildungszeit müsse „unbedingt“ auf drei Jahre verlängert werden, 29 Prozent waren sich nicht sicher und stimmten mit „vielleicht“.

Über die Finanzierung der Ausbildung wird noch weiter gestritten werden müssen, denn nur wenige PTA-Beschäftigte können sich vorstellen, ihre Ausbildung aus eigener Tasche zu zahlen. 47 Prozent gaben an, bis zu 150 Euro monatlich für die eigene Ausbildung beisteuern zu wollen. 26 Prozent würden sich allerdings nicht mit eigenen Mitteln daran beteiligen.

PTA-Schüler: werten Berufsaussichten vorsichtig optimistisch
Die meisten Schüler gaben an, dass sie den Beruf gewählt haben, weil jemand aus der Familie oder aus ihrem persönlichen Umfeld, sie dazu ermuntert hat . Immerhin 20 Prozent haben sich entschieden, nachdem sie bei einem Apothekenpraktikum in den Berufsalltag reinschnuppern konnten. Die meisten Befragten haben einen Realschul- oder erweiterten Realschulabschluss (50 Prozent), 34 Prozent sogar die Fachhochschulreife oder das Abitur. Allen gemein ist ein optimistischer Blick in die eigene berufliche Zukunft: 45 Prozent werteten die Berufsaussichten mit „gut“, sieben Prozent sogar mit „hervorragend“. 32 Prozent hielten ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt für „befriedigend“, 15 Prozent für „schlecht“ und „unklar“.

Von einer Reform der PTA-Ausbildung würden alle Beteiligten profitieren, davon ist die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachen überzeugt: „Pharmazeutisch gut ausgebildete PTA sind unersetzliche Fachkräfte in der öffentlichen Apotheke. Wir können und wollen auf sie nicht verzichten. Deshalb fordern wir die Gesundheitspolitiker auf, die Lehrinhalte so anzupassen, dass zeitgemäß und mit mehr Praxisbezug unterrichtet wird. Das gelingt am besten, wenn die Praktikumszeit von einem halben Jahr auf ein Jahr verlängert wird. Dies hat die Apothekerkammer Niedersachsen übrigens bereits im Jahr 2013 der Bundesapothekerkammer vorgeschlagen, die seinerzeit als zuständige Arbeitsgruppe Anträge aus der Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker für die Neuordnung der PTA-Ausbildung prüfte.“
Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen

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