Mord im Akkord

©  aijiro / stock.adobe.com
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Eigentlich wollte sie Opernsängerin werden. Zum Glück reichte ihr Talent nicht. Nach einem Umweg über die Apotheke verlegte sie sich aufs Romaneschreiben – und wurde weltberühmt.

Das Mädchen wuchs in Großbritannien auf. Der Vater stammte aus den USA, die Mutter aus England. Innerhalb der Familie war sie das Nesthäkchen. Zwei ältere Geschwister lebten bereits ihr eigenes Leben und so musste sich das Kind großenteils allein beschäftigen.

Die Nanny lehrt sie lesen Glücklicherweise hatte sie eine blühende Fantasie und dachte sich selbst Geschichten aus. Ihre Nanny musste ihr Laden- und Straßenschilder vorlesen. So lernte die Kleine nebenbei lesen, wenn auch die unorthodoxe Vorgehensweise ihr lebenslang Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung bescherte. Für Mädchen bestand damals noch keine Schulpflicht. Immerhin bekam das Kind später einen Hauslehrer, der für ihre Beschäftigung sorgte. Mit 17 Jahren ging sie nach Paris, um ihre Gesangsausbildung zu vervollkommnen, musste aber erkennen, dass ihre Stimme zu schwach war. Todtraurig kehrte sie zurück nach England und schrieb auf Anraten der Mutter ihren ersten Roman. Er hieß übersetzt „Schnee in der Wüste“ und wurde niemals veröffentlicht.

Die große Liebe Zwei Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges lernte sie Archibald (Archie) kennen, einen Flieger der königlichen Luftwaffe. Er wurde ihre große Liebe. Archie zog in den Krieg, sie selbst arbeitete in einer Krankenhausapotheke. Mit Interesse betrachtete sie die vielen Flaschen und Behältnisse mit giftigen Substanzen um sich herum. Sie notierte emsig: „Aconitin, Cascara, Indischer Hanf, Chinin, Gentiana – „sieht aus wie russische Schokolade“. Ein anderer Eintrag lautete: „Extrakt aus Mutterkorn: riecht wie schlecht gewordener Fleischextrakt“. In ihren Listen, die sie akribisch führte, tauchen Alkaloide und Tabellen über die Bereitung von Antimon, Belladonna, Digitalis und Morphium auf. Sie legte eine Prüfung vor der Society of Apothecaries of London ab, durfte sich danach ganz offiziell Apothekenassistentin nennen.

Ein eitler Detektiv 1914 heiratete sie Archie. Bis Ende des Krieges arbeitete sie noch in der Apotheke. In dieser Zeit entstand auch ihr erster „richtiger“ Roman, bereits mit jenem berühmten Detektiv, der mit lächerlicher persönlicher Eitelkeit belegt, jeden Fall lösen wird. Gemordet wird in diesem Roman mit Strychnin, die ganze Sache spielt in einem alten englischen Herrenhaus. Wenn der Verleger, an den die junge Dame das Manuskript geschickt hatte, gewusst hätte, welchen Bestseller er da in den Händen hielte, hätte er sich sicherlich mit der Veröffentlichung mehr beeilt: So aber erschien er erst drei Jahre später.

Die junge Schriftstellerin bekam ein Kind, schrieb weiter aus lauter Vergnügen, erfand auch noch eine weibliche Detektivin. Nach ein paar Jahren geriet sie an einen Literaturagenten, der entdeckte, was für einen Schatz er da an der Angel hatte: Die Karriere der ehemaligen Apothekenassistentin nahm endlich Fahrt auf. Im Laufe ihres langen Lebens würde sie 66 Romane veröffentlichen, inklusive Kurzgeschichten waren es sogar über hundert Bücher. In 70 der Geschichten sterben die Menschen durch Gift, besonders angetan hatte es ihr die Blausäure – 13-mal kam sie zum Einsatz.

Ein zweites Pseudonym Und weil ihr das immer noch nicht reichte, weil ihr die ewigen Rätselkrimis manchmal zu viel wurden, erfand sie sich selbst einfach noch ein zweites Mal: Unter einem Pseudonym verfasste sie romantische Geschichten, die durchaus gekonnt geschrieben sind, sechs Stück an der Zahl. Aber die Leute lieben nunmal ihre Krimis. Als die Frau, von der hier die Rede ist, starb, lag ein bewegtes Leben hinter ihr: Mit ihrem zweiten Mann, einem Archäologen, durchlitt sie den zweiten Weltkrieg. Tochter Rosalind schenkte ihr einen Enkel (der heute die Verwertungsgesellschaft ihrer Bücher verwaltet). Die Schriftstellerin hatte erst relativ spät auch finanziell etwas vom Erfolg ihrer Bücher, denn das englische Finanzamt stritt sich noch zu ihren Lebzeiten in einem jahrzehntelangen Kleinkrieg um die Besteuerung ihrer Arbeit. Am Ende ihres Lebens wurde sie von der Queen in den Adelsstand erhoben.

Rätselhaftes Vorkommnis Die Autorin mochte keine Journalisten. Deshalb gibt es wenige Interviews mit ihr. Nie geklärt wurde beispielsweise die Tatsache, warum sie 1926 für drei Wochen einfach verschwand. Es hatte sicherlich damit zu tun, dass ihr erster Mann ihr gerade eröffnet hatte, dass er sie wegen einer anderen Frau verlassen würde. Das spurlose Verschwinden der berühmten Schriftstellerin rief sogar Scotland Yard auf den Plan. Entdeckt wurde sie dann durch Zufall in einem Hotel. Ihre Familie verbreitete die Theorie von einem zeitweiligen Gedächtnisverlust. Wer war diese Frau, die ihrem Lieblingshund einen Roman widmete und die für ihr Leben gern Äpfel aß?

Den Artikel finden Sie auch in die PTA IN DER APOTHEKE 01/18 auf Seite 84.

Alexandra Regner, PTA/Redaktion

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