• PTA-Fortbildung 10/15
  • Themen

Ich habe Rücken

© Die PTA in der Apotheke
© Die PTA in der Apotheke

Probleme mit dem Bewegungsapparat kennt fast jeder. Geplagte wünschen sich, dass die Beschwerden rasch ein Ende nehmen. Entsprechende Medikamente stehen meist in der Sichtwahl bereit.

Flamingo © sanneberg / fotolia.com
© sanneberg / fotolia.com

schmerzen sind unangenehm und lassen den Alltag schon einmal zur Hölle werden. Sie stören bei der Arbeit sowie in der Freizeit und mindern zudem die Konzentrationsfähigkeit. Trotzdem kommt ihnen als Alarmsignal des Körpers eine wichtige Bedeutung zu, da Schmerzen anzeigen, dass der Organismus geschädigt wurde und folglich Schutz vor Überlastung benötigt.

Viele Ursachen Muskel- und Gelenkschmerzen treten häufig als Begleiterscheinungen von Infektionskrankheiten, zum Beispiel bei Grippe, auf und verschwinden nach Abklingen der Krankheit von alleine wieder. Bestehen die Beschwerden über einen längeren Zeitraum, liegen ihnen meist andere Auslöser zugrunde. Sie reichen von übermäßigem Training bis hin zu chronischen Erkrankungen und Entzündungen, Verletzungen oder Verschleiß. Die Beschwerden können akut oder chronisch auftreten, Leit- oder Begleitsymptom sein und in ihrer Intensität variieren.

Wenn Betroffene unter Schmerzen der Knochen, Gelenke, Muskeln, Bänder oder Sehnen leiden, sollten sie einen Arzt konsultieren, um den Schmerz frühzeitig zu therapieren, sodass sich die Symptome nicht verschlimmern oder gar chronisch werden.

Muskeln und Gelenke Der Mensch besitzt etwa 650 unterschiedliche Muskeln, ohne die man nicht überlebensfähig wäre. Sie halten das Skelett aufrecht, ermöglichen Bewegungen, spielen eine bedeutsame Rolle im Fett- und Zuckerstoffwechsel, produzieren Wärme und halten lebenswichtige Prozesse in Gang. Die Muskulatur gilt auch als natürlicher Schlankmacher: Sie verbrennt deutlich mehr Energie als das Fettgewebe, sodass Personen mit einer gut ausgebildeten Muskulatur einen höheren Grundumsatz haben als untrainierte Menschen.

Außerdem schütten die Muskeln hormonähnliche Botenstoffe, sogenannte Myokine, aus, welche einen positiven Einfluss auf zahlreiche Organe und Gewebe nehmen und darüber hinaus Entzündungsprozesse hemmen. Schmerzt die Muskulatur, sprechen die Mediziner von einer Myalgie. Gelenke verbinden Knochen und halten sie gegeneinander beweglich. Damit die sensiblen Knochenteile bei Bewegungen nicht aufeinander treffen, ist die Gelenkfläche durch eine Knorpelschicht geschützt. Die Gelenkflüssigkeit versorgt den Knorpel mit Nährstoffen und schmiert das Gelenk.

Muskelschmerzen Myalgien werden meistens durch Verspannungen der Muskulatur (Myogelosen) verursacht, die mitunter durch Stress, Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel entstehen. Oft sind der Schulter- Nackenbereich sowie der Rücken betroffen. Die Muskulatur fühlt sich dann hart an, ist druckempfindlich und manchmal sind schmerzhafte Knötchen zu ertasten. Werden die Verspannungen nicht rechtzeitig therapiert, entwickelt sich ein Teufelskreis aus Schmerzen, Schonhaltung und noch heftigeren Beschwerden.

Durchblutungsfördernde Salben oder Wärmepflaster (mit Capsaicin oder Nonivamid), Analgetika oder Schmerzöle haben sich in der Selbstmedikation bewährt. Auch Massagen oder Wärmeanwendungen lindern die Krankheitsanzeichen. Bei extremen Verspannungen verordnet der Arzt eventuell ergänzend zur Schmerztherapie ein Muskelrelaxans, um Verspannungen zu lösen. Die zentral wirksame Substanz Methocarbamol entfaltet seine Wirkung über eine Blockade der polysynaptischen Reflexleitung im Rückenmark und in subkortikalen Zentren. Dadurch normalisiert sich der erhöhte Spannungszustand der Muskulatur, gleichzeitig verschwinden die durch die Verspannung bedingten Schmerzen.

Die Substanz wirkt effektiv und ist zudem gut verträglich. Sie besitzt kein Abhängigkeitspotenzial und beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit nicht. Tetrazepam-haltige Arzneimittel hingegen sind seit dem 1. August 2013 nicht mehr verkehrsfähig.

Muskelschmerzen treten auch nach Verletzungen wie Muskelfaserrissen, Zerrungen oder Prellungen auf, welche oft durch Unachtsamkeit oder durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zustande kommen. Wichtig ist bei Prellungen, Verstauchungen & Co, dass sofort nach dem Unfall gehandelt wird – denn je länger man wartet, umso länger dauert die verletzungsbedingte Sportpause. Die ersten Maßnahmen erfolgen stets nach der PECH-Regel:

  • Pause: Um Folgeschäden zu vermeiden, ist die körperliche Aktivität umgehend zu unterbrechen und der betroffene Bereich ruhigzustellen.
  • Eis: Das Kühlen bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und die Hämatome kleiner ausfallen. Kälte reduziert außerdem den Schmerz und die typischen Entzündungsreaktionen (Rötung, Erwärmung, Schwellung, Schmerzen).
  • Compression: Ein Druckverband kann Blutergüsse und Schwellungen abschwächen.
  • Hochlagern: In dieser Position kann das Blut aus dem verletzen Gewebe abfließen, sodass der Druck auf die entsprechende Stelle minimiert wird.

Betroffene sollten sich nach der Erstversorgung ärztlich untersuchen lassen, um sicherzustellen, dass hinter der harmlosen Zerrung nicht ein Knochenbruch steckt. Ideal ist es, beim Training und Wettkampf Kühlkompressen oder Kältesprays parat zu halten, sodass man im Falle eines Sportunfalls sofort mit dem Kühlen beginnen kann.

MAN UNTERSCHEIDET FOLGENDE ARTHROSEARTEN:
 
+ Coxarthrose (Hüftgelenkarthrose)
+ Gonarthrose (Kniegelenksarthrose)
+ Omarthrose (Schultergelenksarthrose)
+ Spondylarthrose (Arthrose der Wirbelsäure)
+ Bouchard-Arthrose (Arthrose der Fingermittelgelenke)
+ Herberden-Arthrose (Arthrose der Fingerendgelenke)

Schmerzsalben und –gele mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac verfügen über einen schmerzstillenden und entzündungshemmenden Effekt. Auch Salben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Beinwellwurzel oder Arnika lindern die unangenehmen Beschwerden. Muskelschmerzen können außerdem in Verbindung mit zahlreichen Erkrankungen wie Parkinson, Infektionskrankheiten, Schilddrüsenunterfunktionen, Multpler Sklerose oder Fibromyalgie stehen. Auch bei der Einnahme einiger Arzneimittel können sie als Nebenwirkung auftreten.

Muskelkater Fast jeder wurde schon einmal nachts durch Wadenkrämpfe aus dem Tiefschlaf gerissen. Auch während des Sports oder in der Schwangerschaft kommt es häufig zu schmerzhaften Kontraktionen der Muskulatur. Sie dauern in der Regel Sekunden bis Minuten, lösen sich dann von selbst wieder und hinterlassen ein Muskelkater-ähnliches Gefühl.

Idiopathische Wadenkrämpfe treten unvermittelt auf, ohne dass eine Ursache bekannt ist. In anderen Fällen weisen die Krämpfe auf eine zugrunde liegende Erkrankung oder auf ein Ungleichgewicht im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt hin. Damit das Wechselspiel zwischen Kontraktion und Entspannung der Muskulatur reibungslos funktioniert, ist eine ausreichende Versorgung mit Magnesium erforderlich. Wadenkrämpfe können demnach mit einem Magnesiummangel im Zusammenhang stehen.

Um den täglichen Bedarf des Mineralstoffs zu decken, sollte eine erwachsene Person 300 bis 350 Milligramm Magnesium aufnehmen. Auch Infekte mit Erbrechen und Durchfällen, Nervenstörungen, Muskelerkrankungen, Alkoholmissbrauch sowie die Einnahme von lang wirksamen Beta-2-Agonisten, Thiazid- oder kaliumsparenden Diuretika verbergen sich bisweilen hinter Muskelkrämpfen. Obendrein rufen bestimmte Medikamente, zum Beispiel Statine, Muskelschmerzen hervor, welche häufig als Wadenkrämpfe falsch eingeschätzt werden.

Zur Prophylaxe und Therapie von Wadenkrämpfen wird auch der Wirkstoff Chinin eingesetzt. Er war in Deutschland seit 1978 als apothekenpflichtiges Präparat im Handel. Das Arzneimittel wurde jedoch am 1. April 2015 aus Sicherheitsgründen der Verschreibungspflicht unterstellt, da es zu schweren Blutbildveränderungen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Zudem besitzt Chinin ein erhebliches Potenzial für Wechselwirkungen.

Rheumatische Erkrankungen Rheuma ist ein Überbegriff für Krankheiten mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen am Bewegungssystem. Geschwollene Hände, zwickende Knie oder Beschwerden an anderen Gelenken, der Muskulatur und den Sehnen deuten auf die Erkrankung hin. Der Begriff Rheuma leitet sich vom griechischen Wort „rheo“ („ich fließe“) ab und ist im Zusammenhang mit der Erkrankung als „ziehender Schmerz“ zu übersetzen.

Unterschieden werden unter anderem die folgenden rheumatischen Formen:

  • degenerative rheumatische Erkrankungen, also Verschleißerkrankungen der Gelenke wie Arthrose: Sie entstehen durch Schädigungen am Knorpel und an anderen Gelenkstrukturen. Stoffwechselstörungen, Überbelastungen und Entzündungen sind bedeutsame Faktoren.
  • Weichteilrheumatismus bezieht sich auf die Sehnen, die Muskeln oder das Unterhautgewebe, ein Beispiel ist die Fibromyalgie.
  • entzündliche Erkrankungen wie Spondylarthrose, Rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew: Sie entwickeln sich aufgrund von Störungen des Immunsystems, durch Ablagerungen im Gewebe oder durch Infektionen. Genetische Faktoren spielen hierbei eine wichtige Rolle.
  • Krankheiten des Bewegungssystems durch Stoffwechselstörungen: Gicht geht mit einer erhöhten Harnsäurekonzentration einher. Dadurch bilden sich Kristalle in den Geweben, sodass es zu Entzündungen kommt. Bei Osteoporose wird nach und nach die Knochenmasse abgebaut, folglich brechen die Knochen leichter.
  • systemische Leiden mit oder ohne Gelenkbeteiligung (z. B. Lupus Erythematodes).

Wie man sieht, ist das Krankheitsbild „Rheuma“ sehr vielfältig. Sehr oft kommt die rheumatoide Arthritis (RA) vor – und zwar mit einer Erkrankungshäufigkeit von 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung in der westlichen Welt.

Typisch für die RA, die früher als chronische Polyarthritis bezeichnet wurde, sind geschwollene und schmerzende, manchmal überwärmte Gelenke, fortschreitende Gelenkschädigungen sowie Defizite in der Beweglichkeit. Darüber hinaus ist Morgensteifigkeit ein Charakteristikum, das heißt, es dauert mindestens 30 Minuten, bis sich die Betroffenen normal beweglich fühlen. In einigen Fällen begleiten Allgemeinsymptome wie Unwohlsein, Müdigkeit oder leichtes Fieber die RA.

Zur Behandlung werden zunächst nicht-steroidale Antirheumatika eingesetzt. Zusätzlich zu ihrer schmerzstillenden Wirkung dämmen sie die Entzündungsprozesse an den Gelenken ein. NSAR können jedoch die Magen- und Darmschleimhaut schädigen und zu Gastritis oder Magen-/Darmgeschwüren führen. Müssen die NSAR über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, verordnet der Arzt oft zusätzlich Protonenpumpenhemmer zum Schutz der Schleimhäute. Auch COX-2-Hemmer oder Coxibe gehören zu den Arzneimitteln gegen RA.

»Eine sichere Diagnostik durch den Arzt ist im Falle der Fibromyalgie nicht möglich. Wichtig ist, dass Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden.«

NSAR sollten stets in einer möglichst geringen Dosierung und nur kurzzeitig angewendet werden, um das Spektrum an Nebenwirkungen gering zu halten. Zu den sogenannten Basistherapeutika zählen krankheitsmodifizierende Arzneimittel und Biologika. Sie verzögern oder verhindern eine Gelenkzerstörung, je nachdem wie frühzeitig sie verabreicht werden. Am wirksamsten sind sie, wenn die Gelenke noch keine dauerhaften Schäden haben.

Die Wirkung der Basismedikamente setzt je nach Substanz mit einer Verzögerungszeit von vier Wochen bis zu sechs Monaten ein. Zur Verfügung stehen die Wirkstoffe Methotrexat, Sulphasalazin, Leflunomid, Chloroquin und Cyclosporin A. In den meisten Fällen beginnt die Behandlung mit Methotrexat und wird nach drei Monaten mit einem zweiten Basismedikament kombiniert, vorausgesetzt, dass Methotrexat keine ausreichende Wirkung gezeigt hat.

Die Therapie mit Biologika gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die biotechnologisch hergestellten Präparate greifen gezielt in bestimmte Mechanismen der Krankheitsentstehung ein. Eine Substanzklasse sind die Tumornekrosefaktor-alpha-Hemmer, zu denen die Wirkstoffe Adalimumab, Infliximab oder Etanercept zählen. Das Biologikum Anakinra richtet sich gegen den Entzündungsbotenstoff Interleukin1.

DER RHEUMAFAKTOR
Bei einem Rheuma-Verdachtsfall wird routinemäßig ein Parameter im Blutserum bestimmt. Dabei handelt es sich um einen nachweisbaren Antikörper, welcher sich gegen ein körpereigenes Eiweiß richtet – daher die Bezeichnung des Autoantikörpers. Der Rheumafaktor liefert einen bedeutsamen Hinweis auf eine Rheumatoide Arthritis, aber auch auf rheumatische Erkrankungen wie beispielsweise Lupus Erythematodes. Um die Diagnose sicherzustellen, reicht die Bestimmung alleine jedoch nicht aus – durch den Test steigt lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass Rheuma vorliegt.

Ein weiterer Wirkstoff ist die Substanz Rituximab, ein Antikörper gegen B-Zellen. Eine weitere, wichtige Therapieoption bei RA besteht darin, Kortison direkt in kristalliner Form in die betroffenen Gelenke zu spritzen. Die Verträglichkeit ist gut und die Wirkung hält oft Wochen oder sogar Monate an. Die Injektionen zieht man besonders dann in Betracht, wenn die Basistherapie nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat.

Tabletten mit Kortison hingegen haben zwar einen starken entzündungshemmenden Effekt, verursachen allerdings häufig unangenehme Nebenwirkungen wie zum Beispiel Gewichtszunahme, Muskelschwäche, Hautverdünnung oder Blutdruckerhöhung. Sie sind daher nur zur kurzfristigen Überbrückung gedacht.

Parallel zu der oben aufgezeigten medikamentösen Behandlung sollten Patienten mit RA auch physikalische Maßnahmen und Physiotherapie in Anspruch nehmen. Ziel der Verfahren ist, die Beweglichkeit der Gelenke zu fördern und die gelenkstützende Muskulatur zu stärken. Auch die richtige Ernährung spielt bei Rheuma eine entscheidende Rolle. Der Verzicht auf tierische Eiweiße kann sich durchaus lohnen. Zur Eiweißzufuhr eignen sich fettarmes Fleisch oder Fisch. Am besten ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Früchten.

Nicht nur die RA geht mit Entzündungen der Gelenke einher: So haben Borreliose, Grippe, Windpocken oder Hepatitis gelegentlich Gelenkschmerzen zur Folge. Auch Gicht, Morbus Bechterew oder die Reiter-Krankheit (alle drei gehören zum rheumatischen Formenkreis) werden von Gelenkbeschwerden begleitet.

Fibromyalgie Sie hat den Ruf einer eingebildeten Krankheit: Patienten klagen über Muskelschmerzen, doch es ist kein Grund dafür erkennbar. Zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden unter Fibromyalgie, die meisten von ihnen sind Frauen. Der Begriff bedeutet „Faser-Muskel-Schmerz“ und bezieht sich auf die wichtigsten Krankheitsanzeichen. Bei der Erkrankung handelt es sich um ein komplexes Schmerzsyndrom, bei dem das Bindegewebe, die Gelenke sowie die Muskulatur beeinträchtigt sind.

Die Diagnose wird erst gestellt, wenn neben den Schmerzen weitere Symptome hinzukommen, die mindestens über drei Monate bestehen. Dies können Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Steifigkeits- oder Schwellungsgefühle der Hände, Füße und des Gesichts sein. Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und tritt in Schüben auf: Zunächst fühlen sich die Patienten ständig müde und leiden unter gastrointestinalen Beschwerden. Hinzu kommen Schmerzen im Lendenbereich oder in der Halswirbelsäule, die mit der Zeit in die Gliedmaßen wandern.

Häufig liegt bei Betroffenen eine Überempfindlichkeit auf Schmerzreize, Geräusche oder Gerüche vor. Außerdem geht das Syndrom mit depressiven Verstimmungen einher, wobei unklar ist, ob die gedrückte Stimmung Auslöser oder Folge der Fibromyalgie ist. Alles in allem fühlen sich Patienten in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt, sodass einige von ihnen nicht mehr arbeitsfähig oder sogar suizidgefährdet sind. Es ist daher wichtig, Personen mit Fibromyalgie ernst zu nehmen und ihnen Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Eine sichere Diagnostik durch den Arzt ist im Falle der Fibromyalgie nicht möglich. Wichtig ist, dass Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden, da weder bildgebende Untersuchungen noch Laborwerte Hinweise auf das Schmerzsyndrom liefern. Lange Zeit war keine organische Ursache für die Beschwerden bekannt. Ein Würzburger Forscherteam hat jedoch inzwischen entdeckt, dass Patienten mit Fibromyalgie deutliche Anzeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern aufweisen. Die Ergebnisse können dazu beitragen, dass Fibromyalgie nicht weiter als rein psychogene Krankheit stigmatisiert wird.

Laut der Universität Würzburg wird die Erkrankung häufig mit Rheuma verwechselt. Anders als bei Rheuma werden bei der Fibromyalgie die Gelenke auf Dauer nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Therapie der chronischen Krankheit umfasst die Einnahme von Medikamenten wie Schmerzmittel und bestimmte Antidepressiva. Auch Bewegungsübungen, Entspannungstechniken und Psychotherapien sind für Patienten oft hilfreich. In einigen Fällen ist ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, die sich auf Fibromyalgie spezialisiert hat, sinnvoll.

Schleichender Verschleiß Eine Erkrankung, die mit einem Verlust an Knorpelmasse und daher mit Gelenkschmerzen einhergeht, ist die Arthrose. Im Anfangsstadium der Erkrankung ist die Knorpelschicht nicht mehr glatt, sondern stumpft allmählich ab. Mit der Zeit bilden sich dort immer tiefer werdende Risse, bis der Knochen schließlich frei liegt. Zunächst leiden Betroffene unter Symptomen wie Steifigkeit und Spannungsgefühlen. Bei Belastungen oder kalter und feuchter Witterung können sich die Beschwerden verschlechtern.

Typisch sind auch sogenannte Anlaufschmerzen, die während der Bewegung allmählich nachlassen. In späteren Stadien der Erkrankung reiben die Knochen direkt aufeinander, sodass heftige Schmerzen, auch in Ruhephasen, entstehen. Bei einer aktivierten Arthrose verursacht abgeriebenes Knochen- oder Knorpelmaterial Entzündungen, wobei die Gelenke warm und geschwollen sind.

Risikofaktoren wie erbliche Vorbelastungen, Stoffwechselerkrankungen, Verletzungen, angeborene Fehlstellungen oder langjährige Überbelastungen der Gelenke zum Beispiel durch Übergewicht oder Leistungssport begünstigen Arthrose. Außerdem führen Fehlbelastungen durch nicht akkurat abgeheilte Knochenbrüche unter Umständen zu Knorpelschädigungen.

Zur Therapie von Arthrose stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Gelenkinjektionen mit Kortison
  • Chondroitin und Glucosamin, die möglicherweise die Eigenschaften des Knorpels verbessern und schmerz- und entzündungshemmend wirken
  • Hyaluronsäure-Injektionen, die sich bisweilen positiv auf die Gelenkfunktion auswirken und Schmerzen lindern.

Wer rastet, der rostet Die wichtigste Maßnahme, einer Arthrose vorzubeugen, ist moderate körperliche Aktivität. Auf diese Weise werden Stoffwechselendprodukte aus den Zellen abtransportiert, Muskeln trainiert und die Gelenkknorpel mit Nährstoffen versorgt. Personen, die regelmäßig einseitige Tätigkeiten ausführen, sollten für einen Ausgleich sorgen.

Empfehlen Sie Ihren Kunden beispielsweise, beim Telefonieren umherzugehen statt zu sitzen, lange Phasen in derselben Haltung zu vermeiden, sich regelmäßig zu bewegen und von Zeit zu Zeit einfache Gymnastik-Übungen durchzuführen. Bemerken Sie, dass zusätzlich zur Arthrose Übergewicht vorliegt, sollten Sie Betroffenen dazu raten, Gewicht abzubauen – jedes unnötige Kilo belastet die Gelenke. Sinnvoll ist dann eine Kombination aus einer kalorien- und fettverminderten Ernährung mit regelmäßiger Bewegung.

EINTEILUNG DER ARTHROSE
Arthrose wird in vier verschiedene Stadien klassifiziert:
Stadium 1 ist durch eine Knorpelerweichung gekennzeichnet. In der zweiten Phase besteht ein oberflächlicher Knorpelschaden, der im nächsten Schritt je nach Abstufung bis zur Knochenschicht reichen kann (Stadium 3). Im vierten und letzten Stadium kommt es zum vollständigen Knorpelverlust, man spricht auch von einer Knorpelglatze.

Für Menschen mit Gelenkproblemen ist es vorteilhaft, bei Belastungen besonders beanspruchte Partien abzupolstern: Bei Computerarbeiten entlasten entsprechende Unterlagen die Arme und Handgelenke, Personen mit sitzender Tätigkeit wählen am besten gut gepolsterte Stühle und Tätigkeiten im Knien sollten mit einem entsprechenden Schutz stattfinden.

 Bursitis Die Schleimbeutel befinden sich überwiegend in der Nähe von Gelenken, also an Knien, Schultern, Hüfte oder Ellbogen. Sie kommen demnach an Stellen, an denen mit einer erhöhten mechanischen Druckbelastung zu rechnen ist, vor. Wird Kraft auf das Gewebe ausgeübt, vermindert der Schleimbeutel den Druck und die Reibung zwischen Sehne, Knochen, Muskel und Haut. Entzündungen können unangenehme Schmerzen hervorrufen, gleichzeitig ist die betroffene Region geschwollen, gerötet und überwärmt.

Auslöser für Schleimbeutelentzündungen sind bakterielle Infektionen, Überbelastungen oder äußerliche Gewalteinwirkungen durch Unfälle. Eine Bursitis ist gut zu therapieren und heilt relativ zügig aus. Zunächst sollte der Bereich um den entzündeten Schleimbeutel ruhig gestellt werden, wenn nötig, durch eine Schiene oder einen Verband.

Empfehlen Sie Ihren Kunden Kältepacks und kühlende Gele oder Salben mit entzündungshemmenden Wirkstoffen. Vorsicht: Eis und Kältepacks dürfen nicht direkt auf die Haut gelegt werden, weil sonst Erfrierungen drohen. Bei einer akuten Entzündung können auch Tabletten mit Ibuprofen oder Diclofenac kurzzeitig eingenommen werden, da sie die Schmerzen und die Entzündung bekämpfen. Verbleibt nach Abklingen der Bursitis ein Ödem unter der Haut, kann es nötig sein, die Flüssigkeit zu punktieren. Bei chronischen Schleimbeutelentzündungen, die länger als drei bis sechs Wochen anhalten, ist ein operativer Eingriff zur Entfernung des Schleimbeutels sinnvoll.

NSAR Die Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Muskel- und Gelenkbeschwerden. NSAR wirken über eine Hemmung der Cyclooxigenase (COX-1 und COX-2). Das Enzym ist an der Synthese von Prostaglandinen beteiligt, durch seine Blockierung werden sowohl der Ablauf der Entzündungsreaktion unterbrochen als auch die Schmerzen reduziert. Die Arzneimittel verfügen über eine antiphlogistische, antipyretische und analgetische Wirkung.

Zu den Substanzen dieser Gruppe gehören beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, ASS und COX-2-Hemmer wie Etoricoxib oder Celecoxib. Nachteilig ist, dass hohe Dosen der Medikamente im Gastrointestinaltrakt Schleimhautläsionen hervorrufen können, die wiederum zur Ulkusentwicklung beitragen.

ZUSATZINFORMATIONEN
Enzymtherapie
Pflanzliche und tierische Enzyme spielen für die Abheilung von Entzündungen eine wichtige Rolle. Sie eignen sich beispielsweise zur Soforthilfe bei Verletzungen jeglicher Art, da sie sich positiv auf den Entzündungsverlauf auswirken. Bromelain, das Enzym aus der Ananas, reduziert Ödeme, während Trypsin, gewonnen aus den Bauchspeicheldrüsen von Säugetieren, die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert, Muskeln und Gelenke verstärkt mit Sauerstoff versorgt.

Im Gegensatz zu klassischen Analgetika sind Enzympräparate sehr gut verträglich und eignen sich daher auch für die Langzeitbehandlung bei chronischen Erkrankungen. So können Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis von der schmerzlindernden und antiphlogistischen Wirkung profitieren. Besonders vorteilhaft ist, dass die Medikamente die Entzündungsreaktion nicht einfach nur unterdrücken, sondern die Selbstheilungskräfte aktivieren und den Heilungsprozess begünstigen.

Nervenbaustein Uridinmonophosphat Gerade bei Rückenschmerzen können auch Nerven geschädigt sein. Ihre vollständige Regeneration und funktionelle Wiederherstellung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Neben den notwendigen Analgetika kann den Patienten mit wiederaufbaufördernden, neurotropen Nährstoffen, wie Uridinmonophosphat (UMP) geholfen und die Leidenszeit verkürzt werden. Während der Reparatur des Nervs steigt der Verbrauch an bestimmten Bausteinen, die aber nur in begrenztem Maße aus endogenen Quellen zur Verfügung stehen. Dadurch ist die regenerative Kapazität nach einer Nervenschädigung rasch erschöpft.

Uridinmonophosphat (UMP) ist ein solcher Baustein. Klinische Studien erbrachten den Nachweis, dass seine Zufuhr die Reparaturvorgänge nach einer Schädigung peripherer Nerven beschleunigt und dadurch die neuropathischen Schmerzen reduziert. Essenziell für den Stoffwechsel der Nerven sind außerdem die B-Vitamine Cobalamin (Vitamin B12) und Folsäure. Sie sichern die Unversehrtheit von Zellmembranen und sind an der Ausbildung der Myelinscheide beteiligt.

Komplexmittel als Alternative Eine weitere Option für Patienten, die von Muskel- und Gelenkverletzungen, beispielsweise Hobbysportler mit Zerrungen, Prellungen, Entzündungen oder degenerativen Erkrankungen, sind Homöopathika. Komplexmittel können unter anderem Arnika, Calendula, Echinacea und Beinwell enthalten.

Wärme- und Kältetherapie Weitere flankierende Maßnahmen, um Schmerzen der Muskulatur zu lindern und die Funktionsfähigkeit wieder zu steigern, können Anwendungen mit Wärme sein. Wärme ist ein effektiver Faktor, um den Teufelskreis aus „Schmerz – Verspannung – noch mehr Schmerz“ zu unterbrechen, denn Erwärmungen reduzieren Muskelverspannungen. Empfehlen Sie betroffenen Kunden Wärmepackungen, Wärmepflaster oder Salben mit Thermoeffekt.
 
Die Präparate enthalten häufig Capsaicinoide des Cayennepfeffers, deren Hauptbestandteil das Capsaicin ist. Bei der Anwendung auf der Haut wirken sie auf spezifische Rezeptoren und verursachen einen Hitze- und Schärfereiz. Dadurch werden Neuropeptide wie die Substanz P freigesetzt, die wiederum die Ausschüttung verschiedener Entzündungsmediatoren wie Bradykinin, Histamin und Prostaglandine ankurbelt. Der Organismus reagiert mit einer vermehrten Durchblutung und Erwärmung des Gewebes.

Im Unterschied dazu können Kälteanwendungen bei entzündeten Gelenken hilfreich sein. Das Ziel einer Kryotherapie ist der Wärmeentzug des zu behandelnden Gewebes, sodass Schmerzen und Entzündungen reduziert werden.

Kälte hat folgende physiologische Effekte auf das Gewebe:
- Vasokonstriktion (Gefäßverengung)
- Abschwächung von Entzündungsprozessen
- Erhöhung der Viskosität der „Gelenkschmiere“
- Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Herabsetzung des Zellstoffwechsels
- Abnahme der Kapillarpermeabilität, sodass Ödeme verringert werden.

Bewegung im Wasser Ein spezieller Tipp für Kunden, die mit Muskel- oder Gelenkbeschwerden zu tun haben, ist Aquasport. Ob Jogging, Cycling oder Aerobic – dies alles ist im kühlen Nass möglich. Ein Vorteil, Sport im Wasser zu betreiben, besteht darin, dass die Bewegung gelenkschonend ist. Zudem besitzt Wasser so manche Eigenschaft, die man für sportliche Aktivitäten nutzen kann: Bewegungen müssen gegen den Wasserwiderstand, der deutlich höher ist als der Luftwiderstand, ausgeführt werden. Außerdem erhält der Körper im Wasser Auftrieb und trägt nur zehn Prozent seines Eigengewichtes, sodass Gelenke, Bänder, Sehnen und Knorpel erheblich geschont werden.

Beim Aqua-Sport werden die Übungen bei gleicher Kraft deutlich langsamer und bewusster absolviert als an Land, sodass ruckartige Bewegungen oder Aufprallbelastungen in der Regel nicht vorkommen. Empfehlen Sie Apothekenkunden mit Übergewicht oder Arthrose, Fitnessübungen im Wasser durchzuführen. Durch die fast vollständige Gelenkschonung treten in der Regel keine Überbeanspruchungen auf, sodass Wasserfitness auch bei Sportverletzungen möglich ist.

Den Artikel finden Sie auch in Die PTA IN DER APOTHEKE 10/15 ab Seite 34.

Sabine Bender Apothekerin, Redaktion

Weitere Informationen

Das könnte Sie interessieren

Mit Aktionen glänzen weiter
Explosion im Schädel weiter
Alles Gute für Zähne und Zahnfleisch weiter
Schnelles Aus für die Laus weiter
Multiple Sklerose – Teil 3 weiter
Hormone aus dem Takt weiter