Eine Schwangere beim Arzt
Schwangere sollten anhaltende oder starke Schmerzen immer zeitnah ärztlich abklären lassen. © Blue Planet Studio / iStock / Getty Images Plus

Gynäkologie | Symphysenlockerung

DAS STECKT HINTER STECHENDEN SCHMERZEN IN DER SCHWANGERSCHAFT

Viele Schwangere sind ohnehin in ihren Bewegungen eingeschränkt - oft ist der Bauch im Weg. Bei manchen schmerzt auch noch das Schambein. Experten erklären, was dahintersteckt.

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Es zieht bei jedem Schritt: Manche Schwangere kann ohne Schmerzen im Bereich des Schambeins nicht mehr laufen. Grund ist meist eine sogenannte Symphysenlockerung. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist das kein Grund zur Sorge. Es besteht keine Gefahr für das Baby, und in der Regel lassen die Beschwerden bald nach der Geburt wieder nach. Nichtsdestotrotz schränken die Schmerzen betroffene Frauen ein.

Was genau ist eine Symphysenlockerung?
Das Becken besteht - vereinfacht gesagt - aus zwei Hälften: Vorn werden diese durch die Symphyse zusammengehalten und hinten durch die sogenannten Kreuzdarmbeingelenke. "Die Symphyse besteht aus Faserknorpel und ist als eine straffe, feste Verbindung, die aber nicht so fest wie Knochen ist, zu verstehen", erklärt Prof. Hermann Locher. "Es besteht also eine gewisse Beweglichkeit", so der Facharzt für Chirurgie und Orthopädie sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin. In der Schwangerschaft sorgen Hormone dafür, dass das Bindegewebe aufgelockert wird - und damit auch die Symphyse und die Kreuzdarmbeingelenke. Dadurch wird der Beckenring als Vorbereitung auf die Geburt dehnbarer. Bei manchen Frauen kann das aber auch zu der schmerzhaften Symphysenlockerung führen.

Was sind die Symptome?
Schmerzen direkt unter dem Schamhügel - vor allem beim Laufen, Treppensteigen und bei verschiedenen anderen Belastungen. "Manche Schwangere kann ohne Schmerzen nicht mehr laufen", erklärt Christian Albring, niedergelassener Frauenarzt in Hannover und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Wer solche Symptome hat, könne entweder zum Gynäkologen, zum Allgemeinmediziner oder zum Orthopäden gehen, sagt Hermann Locher. "Am Ende sollte man bei einem Mediziner oder Therapeuten der Manuellen Medizin landen."

Wie wird eine Symphysenlockerung behandelt?
In der Schwangerschaft kann Krankengymnastik helfen. Die Rücken- und Bauchmuskulatur sowie der Beckenboden werden dabei stabilisiert, wie Locher erläutert. "In ausgeprägten Fällen hilft der Becken- oder Symphysengurt." Das ist eine Art breiter Gürtel, der fest um die Hüften getragen wird und - vereinfacht gesagt - die gelockerte Symphyse zusammenhält. Er kann vom Arzt verschrieben werden. Christian Albring empfiehlt Schwangeren außerdem, sich zu schonen. "In der Schwangerschaft erlaubte schmerzstillende Entzündungshemmer sowie Wärme können gegebenenfalls helfen."

Ist eine Symphysenlockerung gefährlich?
Nein, weder für die Frau noch für das Baby, sagt Locher. Es handele sich um sogenannte funktionelle Beschwerden, die sich nicht negativ auf den Verlauf der Schwangerschaft oder die Entwicklung des Babys auswirken. "Sie sind allenfalls lästig und schmerzhaft und können auch deutliche Einschränkungen der gewohnten Aktivität nach sich ziehen", erklärt der Orthopäde und Chirurg. Auch Frauenarzt Christian Albring sagt: "Eine Gefahr für das Baby besteht nicht." Allerdings könne ein Kaiserschnitt notwendig werden, damit die Symphyse nicht reißt.

Warum bekommen es einige Frauen und andere nicht?
Das liegt an der Struktur des Bindegewebes und wie stark es sich in der Schwangerschaft durch die Hormone lockert. Man könne somit nicht vorhersagen, wer eine Symphysenlockerung bekommen wird und wer nicht, erklärt Locher. Albring ergänzt: "Das Phänomen ist etwas häufiger beim zweiten und dritten Kind, weil die Symphyse durch die vorangegangenen Geburten manchmal schon vorbelastet ist."

Kann man einer Symphysenlockerung vorbeugen?
Die eine Methode zur Vorbeugung gibt es nicht. Locher empfiehlt sportliche Aktivität, gegebenenfalls etwas abzunehmen und eine gesunde Ernährung. Albring rät Schwangeren außerdem, erste Anzeichen unbedingt ernst zu nehmen und sich zu schonen.

Wie wird man die Schmerzen wieder los?
Meist verschwinden die Beschwerden zwei Wochen bis drei Monate nach der Geburt von alleine. In manchen Fällen dauert es aber länger. "In aller Regel ist spätestens nach sechs Monaten die Symphyse wieder stabil und schmerzfrei", sagt Locher.

Was ist eine Symphysenruptur?
Damit ist das Auseinanderreißen des Faserknorpels gemeint. Das passiert in der Regel bei Unfällen und in sehr seltenen Fällen auch während der Geburt. Typisch seien starke, stechende Schmerzen hinter dem Schamhügel, die bei jeder Wehe noch stärker werden, so beschreibt Albring die Symptome. Stehen und Gehen ist dann nach der Geburt sehr schmerzhaft, auch jede Änderung der Liegeposition. Behandelt wird das Ganze in der Regel durch das Tragen eines Symphysengurtes, erklärt Locher. Dazu kommen Krankengymnastik und Entlastung. In sehr schweren Fällen und wenn das Becken instabil bleibt, muss die Betroffene operiert werden.

Quelle: dpa

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