© DIE PTA IN DER APOTHEKE
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Tierheilpraxis

DARMGESUNDHEIT BEI HUNDEN UND KATZEN

Gesundheit beginnt im Darm. Das ist nicht nur bei uns Menschen so. Eine Dysbalance in der Darmmikrobiota kann bei Hunden und Katzen die Ursache für viele Erkrankungen sein. Woran erkennt man das beim Tier?

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Mittlerweile weiß man, dass im Darm Billionen von Mikroorganismen leben, die auf mehreren Ebenen einen wesentlichen Beitrag zum Wohlbefinden der Tiere beitragen. Im Ökosystem Darm siedeln sich jene Keime an, für die dort die besten Bedingungen herrschen. Im Idealfall sind das circa 2000 verschiedene Arten, die voneinander profitieren. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen nennt man Darmmikrobiota oder „Darmflora“. Deren genaue Zusammensetzung ist von vielen Faktoren abhängig.

In jedem Ökosystem ist die Artenvielfalt ein wichtiger Aspekt. Für den Darm bedeutet das, dass hier möglichst viele verschiedene Keime gute Lebensbedingungen finden sollen. So ist die Darmflora an viele Situationen angepasst und kann auf kurzzeitige Veränderungen reagieren, ohne dabei Schaden zu nehmen. Selbst wenn einige Bakterienstämme unter bestimmten Lebensumständen leiden, können andere in einer stabilen und artenreichen Darmflora Funktionen übergangsweise übernehmen.

Funktion des Darmes An erster Stelle steht die Verdauungsfunktion. Das Futter wird aufgeschlossen und die Nährstoffe im Darm aufgenommen, sodass sie im Körper genutzt werden können. Der Darm ist aber auch wesentlicher Bestandteil des Immunsystems. Mit seiner riesigen Oberfläche stellt er die größte Kontaktzone zu Stoffen aus der Umwelt dar, die für den Körper gefährlich sein können. Daher schützt sich der Körper mit einer Barriere und stationiert 80 Prozent der Immunzellen im Darm, um feindliche Stoffe so rasch wie möglich abzufangen. Das Ökosystem im Darm ist ein sehr komplexes Gefüge, was sehr schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Ungleichgewicht Die genaue Zusammensetzung der Darmflora unterliegt bei Hunden und Katzen einem Wandel, wenn sich die Fütterung und Lebensweise der Tiere verändert. Es macht einen gravierenden Unterschied, ob das Tier Trocken-, Nass- oder Frischfutter bekommt. Eine sehr zuckerreiche Fütterung liefert Pilzen, zum Beispiel Candida albicans, optimale Vermehrungsbedingungen. Auch Erkrankungen und aufgenommene Schadstoffe spielen eine Rolle. So können zum Beispiel Infektionskrankheiten dazu führen, dass sich bestimmte Mikroorganismen vermehrt in den Vordergrund drängen und andere Arten verdrängen.

Eine Behandlung mit Antibiotika bewirkt eine drastische Veränderung der Darmflora. Robuste Bakterien, zum Beispiel Clostridium difficile, vermehren sich dann enorm und können die Oberhand gewinnen. Kleine Störungen ihres Lebensraums können die Darmbakterien kurzfristig gut verkraften. Dauert der negative Einfluss allerdings zu lange an, kann es zu einer nachhaltigen Veränderung des Milieus im Darm oder zur Beeinträchtigung der Darmschleimhaut kommen. Ist das Gleichgewicht der Darmflora gestört, spricht man von Dysbiose.

Symptome einer gestörten Darmflora Meist kommt es dann zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Bei Schäden der Darmschleimhaut können Futtermittelunverträglichkeiten, Allergien und chronische Darmerkrankungen auftreten. Ebenso haben die Tiere ein schwaches Immunsystem, was eine vermehrte Infektanfälligkeit mit sich bringt. Auch ist ein vermehrter Parasitenbefall sowohl von Endo- als auch von Ektoparasiten festzustellen. Mit einer gezielten Darmsanierung kann man das Gleichgewicht in der Darmflora langsam wiederherstellen, damit das Ökosystem Darm seine wichtigen Aufgaben wieder übernehmen kann.

Eine Darmsanierung erfordert Geduld Ein Aufbau der Darmflora erfordert Zeit. Die Dauer der Behandlung richtet sich danach, wie stark die Darmflora des Tieres beeinträchtigt ist und was die Ursache dafür war. Eine Darmsanierung muss in drei Schritten erfolgen. Der erste Schritt ist eine Darmreinigung, der zweite Schritt ist eine Milieuverbesserung. Anschließend folgt als dritter Schritt der individuelle Aufbau mit Bakterienstämmen. Damit die Sanierung gut funktioniert und sich die „guten“ Bakterien wieder ansiedeln können, reinigt man den Darm zuerst zum Beispiel mit Heilerde, Zeolith, Bentonit oder Flohsamenschalen. Mit diesen Präparaten können Gallensäuren und abgestorbene Darmschleimhautzellen entsorgt werden.

Auch Toxine werden dadurch gebunden. Es bildet sich eine Schutzschicht auf der Darmschleimhaut. Mit deren Hilfe kann sich das Darmepithel erholen und die Darmschleimhaut regenerieren. Danach erfolgt eine Milieuverbesserung. Bitterstoffe, die in verschiedenen Pflanzen wie Wermut, Löwenzahn oder Scharfgarbe vorkommen, spielen hier eine große Rolle, da sie die Produktion von Verdauungssäften anregen. Ergänzend mischt man ein Präbiotikum wie zum Beispiel Inulin unter das Futter, damit die Darmbakterien gut versorgt werden.

Zum Abschluss der Darmsanierung gibt man dem Tier bestimmte Produkte mit lebensfähigen Bakterienkulturen, die Probiotika. Die letzte Phase dauert mit Abstand am längsten und sollte auch längerfristig durchgeführt werden. Ein Großteil der probiotischen Bakterien wird wieder ausgeschieden. Nur wenige bleiben haften, adaptieren und vermehren sich. Es dauert oft Monate und erfordert Durchhaltevermögen der Tierbesitzer. Manchmal kommt es auch zu Rückschlägen, doch es ist wichtig trotzdem weiterzumachen.

Den Artikel finden Sie auch in DIE PTA IN DER APOTHEKE 03/2021 ab Seite 114.

Elvi Scheffler, PTA und Tierheilpraktikerin

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