Brustkrebs ist die häufigster Krebserkrankung bei Frauen. © catinsyrup / iStock / Getty Images Plus

Interview

"80 PROZENT DER BETROFFENEN FRAUEN HABEN IHRE VERÄNDERUNGEN IN DER BRUST SELBST GETASTET"

Nicole Leuteritz ist examinierte Krankenschwester am Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach. Seit 2007 hat Sie die pflegerische Leitung der Gynäkologie- und Geburtshilfe-Abteilung und seit 2010 zusätzlich im zertifizierten Brustzentrum. Wir haben uns mit ihr über Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen, Methoden zum Abtasten der Brust und warum die eigene Kontrolle so wichtig ist, unterhalten.

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DIE PTA IN DER APOTHEKE: Frau Leuteritz, Sie sind examinierte Krankenschwester am Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach. Seit 2007 haben Sie die pflegerische Leitung der Gynäkologie- und Geburtshilfe-Abteilung und seit 2010 zusätzlich im zertifizierten Brustzentrum. Warum ist die Bereitschaft zur Brustselbstuntersuchung unverzichtbar? Reichen nicht die Untersuchung beim Gynäkologen und die Mammografie alle zwei Jahre?

Nicole Leuteritz: Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen ist auf jeden Fall ein Angebot, dass jede Frau unbedingt wahrnehmen sollte! Die Krebsvorsorge dient unter anderem dazu, Gewebsveränderungen im Unterleib und auch in der Brust frühzeitig zu entdecken. Mit jedem Arztbesuch und ganz speziell bei der Vorsorgeuntersuchung erhöht jede Frau ihre eigene Chance gegebenenfalls eine notwendige und somit frühzeitige Behandlung für sich selbst zu gewinnen. Je früher eine Veränderung entdeckt wird, desto höher ist im allgemeinen die Heilungschance. Ab dem 50. Lebensjahr bis zum 69. Lebensjahr wird alle zwei Jahre zur Mammographie (Screening) eingeladen. Auch hierzu kann ich nur meine persönliche Empfehlung aussprechen. Eine weitere unverzichtbare Untersuchung ist ergänzend noch der Brustultraschall. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. 80 Prozent der betroffenen Frauen haben ihre Veränderungen in der Brust selbst getastet!!

Sie haben die Weiterbildung zur MammaCare®-Trainerin gemacht. Was genau ist das und warum haben Sie sich zu dieser Weiterbildung entschlossen?

Die Mammacare®-Methode ist eine Verfahren, die Brust nach einer bestimmten Vorgehensweise systematisch und strukturiert abzutasten. Dabei spielen verschiedene Liegepositionen und Drucktiefen im Gewebe eine Rolle. Wichtig sind zudem der geeignete Tastzeitpunkt und die Hautinspektion in verschiedenen Positionen vor dem Spiegel. Warum ich die Ausbildung zur Mammacare®-Trainerin absolviert habe möchte ich Ihnen sehr gerne erzählen:

Als Krankenschwester und gleichzeitig Abteilungsleitung im zertifizierten Brustzentrum Nahe begegnen mir regelmäßig Frauen, die ihre Brust nicht abtasten oder abgetastet haben oder trotz Tastbefund nicht den Mut besitzen zum Arzt zu gehen. Die Aussagen sind fast immer gleich:

„Ich wusste nicht, wie ich meine Brust abtasten soll“

„Ich hatte Angst, eine Veränderung zu entdecken“

„Ich hatte Angst zum Arzt zu gehen“

Diese Aussagen schockierten mich jedes Mal aufs Neue und bewegten mich dazu, initiativ zu werden. Ich habe das große Bedürfnis und Ziel, dass diese Zweifel im besten Fall keinen Platz oder zumindest nicht mehr solche Intensität besitzen. Mein großer Herzenswunsch ist es, so vielen Frauen wie möglich Ängste zu nehmen, Sicherheit in ihrer Brustselbstuntersuchung beizubringen und vor allem Wissen zu vermitteln. Denn nur wer aufgeklärt ist und Wissen besitzt, hat keine Angst mehr. Mir ist es zudem wichtig, die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse von Frauen zu stärken, Frauen zu sensibilisieren und die Selbstkompetenz zu steigen.

Wie ist die MammaCare®-Methode entstanden?

Die Mammacare-Methode® wurde von Dr. Pennypacker und Mark Goldstein entwickelt. Beide waren Verhaltensforscher und beschäftigten sich mit dem Phänomen, dass Frauen ihre Brust nicht häufiger abtasten und wenn Frauen einen Knoten getastet haben, dass sie keinen Arzt aufsuchen.

Auf welche Veränderungen sollte man bei der Brust achten?

Es gibt ganz verschiedene Veränderungen an und in der Brust, wie zum Beispiel Knotenbildungen und Verdickungen im Brustgewebe, verschiedenste Hautveränderungen, veränderte Lymphkonten und vieles mehr. Genauso wichtig ist zu Wissen ist, dass nicht jeder Knoten und nicht jede Hautveränderung gleich Krebs bedeutet. Aber jede Veränderung ist auf jedem Fall mit einem Arzt/Gynäkologen zu besprechen.

Welche Brustbereiche sollte man untersuchen? Und wann?

Es sollte immer die ganze Brust einschließlich Brustwarze untersucht werden. Zudem ist die Lymphknotenregion oberhalb und unterhalb vom Schlüsselbein ein weiteres wichtiges Untersuchungsfeld. Die Hautbesichtigung vor dem Spiegel in verschiedenen Positionen ist ein weiterer wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil. Ebenso wichtig ist der Tastzeitpunkt, denn dieser spielt eine sehr große Rolle. Es ist ein Unterschied, ob die Periode noch regelmäßig kommt oder ob ich in den Wechseljahren bin oder Hormone einnehme.

Wie sollte man seine Brust abtasten?

Am besten ist es seine Brust so zu untersuchen, dass jeder Bezirk der Brust systematisch und strukturiert abgetastet wird. Hinzu kommen die verschiedenen Drucktiefen. Wie bereits erwähnt, gehört auch die Hautinspektion und die Lymphregion zwingend mit hinzu.

Sollte man beim Abtasten auf etwas Spezielles achten?

Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen für das Abtasten und es sollte regelmäßig einmal im Monat durchgeführt werden. Eine Brustselbstuntersuchung dauert circa 20 Minuten je nach Größe und Form. Niemand kennt das eigene Brustgewebe besser als man selbst. Somit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, frühzeitig Veränderungen zu entdecken. Achten sollte man generell auf verändertes Brustgewebe, es kann zum Beispiel verdickt sein oder sich knotig anfühlen. Hautveränderungen wie zum Beispiel eingezogene Brustwarzen, rote schuppige Hautpartien, das Einziehen von Hautbezirken oder Sekret, das aus der Brustwarze kommt. All diese Hinweise können auf eine Erkrankung deuten.

Welche Körperhaltung sollte man einnehmen?

Die Mammacare®-Methode empfiehlt, die Brust in verschiedenen Liegepositionen zu untersuchen, da man eine bessere Darstellung des Brustdrüsengewebes erreicht.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man eine Veränderung festgestellt hat?

Man muss immer daran denken, dass viele Brust- oder auch Hautveränderungen nicht gleich die Diagnose „Krebs“ bedeuten. Sollte eine Frau (oder auch ein Mann) etwas Unklares entdeckt haben, so sollte sie zeitnah mit ihrem Gynäkologen/Arzt einen Termin vereinbaren. Wichtig ist, sich die Stelle genau zu merken oder gar zu markieren. Das kann für den Arzt und auch für einen selbst sehr hilfreich sein, da beim Arzt dann oft Aufregung dazukommt.

Das Gespräch für DIE PTA IN DER APOTHEKE führte Nadine Hofmann



Weitere Informationen über Mammacare® sowie Kursangebote finden Sie unter www.nl-bsu.de

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