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Mit Methadon gegen Krebs?

Arzt mit digitalem Hintergrund
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Lässt Methadon Krebszellen schrumpfen? Kann es Krebs sogar heilen? Diese Fragen stellt man sich nicht erst seit einem Fernsehbericht über das Opioid.

Die Wogen schlagen hoch zurzeit, denn es geistern einzelne Berichte durch die Presse, nach denen spektakuläre Heilerfolge erzielt worden sind.

Methadon, sonst eher bekannt als Drogenersatz bei Heroinabhängigkeit, wird schon seit längerem in der Krebstherapie eingesetzt. Es gehört zu den sehr starken Schmerzmitteln und darf nur auf Btm-Rezepten verschrieben werden. Das Opioid steigert aber auch die Empfindlichkeit von Krebszellen für die Chemotherapie, fungiert als eine Art Wirkverstärker. Dr. Claudia Friesen von der Universität Ulm hat sogar entdeckt, dass Leukämiezellen unter der Gabe von Methadon sterben. Seit sie dies im Fernsehen verkündet hat, ist das Interesse an dem Wirkstoff riesig.

Doch die Studienlage ist dünn bis nicht vorhanden. Dringend seien weitere kontrollierte, klinische Studien zur Erforschung der Wirksamkeit von Methadon bei Krebspatienten erforderlich, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie. Sie sagt weiter: In der bisherigen Berichterstattung wurde oft bemängelt, dass die Wirksamkeit von Methadon auch deshalb nicht weiter untersucht wurde, weil es wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Methadon kostet nämlich für vier bis sechs Wochen Behandlungszeit zwölf Euro – während konkurrierende Medikamente 20 000 bis 25 000 Euro kosten. So formulierte es die Fraktion der Linken auch in einer Anfrage an die Bundesregierung.

Professor Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg warnt: „Hohe Erwartungen sind unangebracht“, räumt jedoch ein, dass „die vielen Patientenberichte rechtfertigen, dass wir uns Gedanken machen, wie wir das Ganze kritisch weiterentwickeln.“

Die Frage, dass man erst jetzt eine Studie zum Thema Methadon und Krebs in Auftrag gibt, obwohl zumindest die Wirkverstärkung von Chemotherapien seit Jahren bekannt ist, darf dennoch erlaubt sein.

Alexandra Regner, PTA/Redaktion 

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