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Die stille Sucht

Tablette, die auf der Zunge liegt
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„Medikamentenabhängigkeit ist weiblich“. Diese steile These vertritt Arzneimittelexperte Dr. Gerd Glaeske von der Uni Bremen. Anlässlich des Erscheinens des „Jahrbuch Sucht 2017“ legte der Professor seine Ansichten zum Thema dar.

Verschiedene Zeitungen und Branchendienste berichteten dieser Tage von den Einlassungen des Wissenschaftlers (Augsburger Allgemeine, apotheke adhoc, Badische Zeitung). So seien vor allem über 65-jährige Frauen von Medikamentenabhängigkeit betroffen, die in Studien zum Thema aber gar nicht einbezogen seien: „Frauen bekommen nachweislich mehr Medikamente, die auf die Psyche wirken, wie Tranquilizer und Antidepressiva.“

Allen voran sind das Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine und Z-Drugs, die gegen Schlafstörungen und Panikattacken wirken. Das Problem: Sie machen innerhalb weniger Wochen abhängig. Und man braucht nicht einmal die Dosis zu erhöhen, um den Effekt zu spüren: „Eine stille, nach innen gerichtete Sucht“, nennt es Glaeske.

Die Mittel können schädliche Folgen haben: Schlechtere Konzentration, Aggression bis hin zu einem Dämmerzustand, der die Sturzgefahr erhöht. Auch könne die langfristige Einnahme Altersdemenz begünstigen. Für richtig gefährlich hält Glaeske auch die Gefahr der Wechselwirkungen mit den anderen einzunehmenden Medikamenten: Abhängig machende Medikamente würden zunehmend auf Privatrezept verordnet, die nirgendwo archiviert werden.

Doch auch Nasenspray und Schmerzmittel können abhängig machen. Glaeske fordert, die Ärzte und Apotheker in die Pflicht zu nehmen. Und er regte an, ein Werbeverbot für rezeptfreie Arzneimittel mit Suchtpotential auszusprechen. Denn die Medikamentenabhängigkeit „ist die zweite große Abhängigkeit in Deutschland – hinter Tabak, aber noch vor Alkohol.“

Alexandra Regner, PTA, Redaktion

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